2014-06-22

London & Südengland

Es ist nicht so, dass ich vorher noch nie in London gewesen wäre...zumindest wenn man meine zahlreichen Besuche am Drehkreuz London Heathrow berücksichtigt. Davon abgesehen muss ich jedoch zu meiner Schande gestehen, das „wahre“ London bisher verschmäht zu haben. Klar, ein gewisser Reiz ging schon immer von dieser Metropole aus, doch aus irgendeinem Grund hatte sich ein Besuch bisher nicht ergeben. Vielleicht lag es am Ruf der britischen Inseln, ihre Gäste nicht unbedingt mit schönem Wetter zu verwöhnen. Ich weiß es nicht. Rückblickend wäre zumindest diese Ausrede mehr als unverständlich!

Aus meiner Studienzeit in Rotterdam kenne ich zum Glück gleich mehrere Leute, die Großbritanniens Hauptstadt mittlerweile ihr Zuhause nennen. Das Angebot meiner ehemaligen Kommilitonen Silvano, Vanya und Jake, sie in London zu besuchen und einige Tage in ihrer WG unterzukommen, konnte ich natürlich unmöglich ablehnen. Um meinen ersten richtigen Urlaub seit Antritt meines aktuellen Jobs auch angemessen zu verleben, entschloss ich mich, gleich zwei volle Wochen im südlichen England zu verbringen, davon 5 Tage in London. Wer mich und meine Reisegewohnheiten kennt, weiß, dass diese zwei Wochen recht straff organisiert waren. Nichtsdestoweniger lohnt sich die von mir erdachte Rundtour ebenso für weniger erlebnissüchtige Englandreisende!

Im Zentrum der Macht: Buckingham Palace & Westminster



Blick von Wapping auf Canary Wharf
Meine Freunde hatten mir ans Herz gelegt, bereits nach der Ankunft in Heathrow eine sog. Oyster Karte für die Nutzung der U-Bahn (von den Einheimischen liebevoll „Tube“ genannt) zu organisieren. Hierfür muss man zwar ein paar Pfund berappen, dafür kann man je nach Bedarf Geld aufladen und ist damit sehr flexibel unterwegs. Auch die bekannten roten Doppeldecker-Busse lassen sich hiermit nutzen. Gesagt, getan. Silvano erwartete mich an der Holborn Station in der Innenstadt, von wo aus wir weiter zur Wohnung meiner Kommilitonen im Stadtteil Limehouse fuhren, um meine Sachen abzulegen. Limehouse und das angerenzende Wapping sind charmante Arbeiterviertel im ehemaligen Hafengebiet „Docklands“, gelegen direkt an der Themse zwischen der City of London und Canary Wharf. In diesem neu errichteten zweiten Finanzdistrikt auf der „Isle of Dogs“ im Osten Londons trafen wir am Abend mit Vanya und unserem gemeinsamen Freund Antoine zum Abendessen zusammen.

Chelsea
Der Sonntag begrüßte uns mit herrlichem Sonnenschein und einer leichten Brise - ideale Bedingungen für einen ausführlichen Stadtrundgang. Silvano nahm an diesem Tag an einem Benefizlauf für Kinder im Battersea Park teil, wo Vanya und ich ihn gegen Mittag treffen sollten. Hier am südlichen Themse-Ufer ließen wir uns zu dritt bei einem kleinen Picknick die Sonne aufs Gesicht scheinen. Im Laufe des restlichen Nachmittags wurde daraus sogar ein leichter Sonnenbrand! Die ersten Vorurteile (kalt und neblig) waren somit umgehend beseitigt. Unser Weg führte uns durch die noblen Wohngegenden des Stadtteils Chelsea, der den meisten Fußballfans durch das gleichnamige Mauermeister-Team bekannt sein sollte. Wer sich hier keine Eigentumswohnung leisten kann (oder will) muss trotzdem keinen Bogen um Chelsea machen: Hier laden viele nette Geschäfte (darunter eine der besten Eisdielen der Stadt, das „Amorino“) zum Shoppen und Schlemmen ein.

The Mall
Erstes touristisches Highlight war der Buckingham Palace. Hausherrin Queen Elizabeth II. schien vor Ort zu sein, zumindest deuteten dies die Flaggen auf dem Palast an. Leider werden die Pforten hierzu nur für wenige Wochen im Spätsommer geöffnet; eine Stippvisite ist natürlich trotzdem Pflicht für jeden London-Touri. Vanya und Silvano hatten nach eigener Aussage bereits Scharen von Verwandten und Freunden hierher geführt, waren aber sehr geduldig mit mir und meinem Fotoapparat und entspannten zwischenzeitlich mit den Füßen im kalten Wasser des Palastspringbrunnens. Anschließend schlenderten wir die „Mall“ hinunter in Richtung Trafalgar Square, wo an diesem Tag hunderte buddhistische Mönche für eine Art Demo zusammengekommen waren. Der Platz ist nach der berühmten Schlacht von Trafalgar benannt, wo Admiral Nelson 1805 die napoleonische Flotte versenkte. Reisende sollten sich hier unbedingt die National Gallery ansehen. Wie in allen Museen ist der Eintritt auch hier kostenlos!

"Big Ben"
Auch das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist nur unweit vom Platz entfernt: der Palast von Westminster - das Parlament mit dem markanten Glockenturm „Big Ben“. Leider war es bereits recht spät, sodass weder das Parlamentsgebäude noch die gleichnamige Abbey für Besucher offen standen. Für ersteres kann man jedoch ohne Probleme geführte Touren buchen. Beide Bauten bieten einem Hobbyfotografen wie mir aber auch von außen genügend Material für umfassende Fotoexperimente. Zudem kann auf einer der angrenzenden Wiesen ein wenig die Seele baumeln lassen. Tipp: Unbedingt zur blauen Stunde herkommen, um das blaue London Eye und die grün strahlende Spitze des Big Ben in voller Pracht zu sehen!

Am Abend war ich schließlich mit Claudia, einer alten Schulfreundin, in einem Pub in Shoreditch verabredet. Das Viertel ist offenbar gerade sehr angesagt - es ist zentrumsnah und mit vielen Bars und auch Clubs gespickt. Zusammen mit Claudia und ihrer Freundin Tugce fuhr ich anschließend nach Wapping, wo wir den Tag mit frisch gezapftem Bier und einem fantastischen Ausblick auf Themse und City im „Captain Kidd“ ausklingen ließen. Ein sehr gelungener Auftakt meiner Reise wie ich finde!

Tower of London und St.-Pauls

"White Tower"
Für den Besuch des Tower und der St.-Pauls Kathedrale kann man gut und gern einen ganzen Tag einplanen. Die Festung wurde nach der Eroberung Englands 1066 vom Normannenkönig Wilhelm dem Eroberer erbaut (damals noch aus Holz) und diente als Verteidigungsanlage und Residenz zahlreicher Monarchen, aber mitunter auch als Kerker, Archiv und sogar als Zoo. Heute lassen sich hier neben den Kronjuwelen auch diverse andere Schätze aus vergangenen Epochen bestaunen. Und natürlich lädt das weitläufige, von dicken Mauern und Türmen umgebene Areal rund um den historischen „White Tower“ zum Entdecken ein. Hier zeigen mittelalterliche Bogenschützen ihre Kunst; und adrett gekleidete Herren („Yeoman Warders“) berichten dem interessierten Volk Anekdoten zum Tower und seinen früheren Bewohnern. Dazu gehören übrigens auch mehrere schwarze Raben. Der Legende nach wird die Monarchie mit dem letzten Raben zugrunde gehen, der den Tower verlässt. Damit das nicht geschieht, werden die Flügel der Tiere durch den sog. „Ravenmaster“ gestutzt.

Tower Bridge
Vor den südlichen Festungsmauern steht die erst im späten 19. Jahrhundert errichtete Tower Bridge, eine Hänge- und Klappbrücke, die durch ihre Höhe (64m) und ihr charakteristisches Farbschema den meisten Besuchern bereits bekannt sein sollte. Die integrierte Fußgängerbrücke auf 43m Höhe ist ein hervorragender Aussichtspunkt. Zudem lässt sich im Inneren das hydraulische System zur Anhebung der sog. „Baskülen“ bestaunen.

Blick auf die City of London von St.-Pauls
Am Nachmittag traf ich mich zum zweiten Teil der Sightseeingtour mit meiner am Vorabend gemachten Bekanntschaft Tugce. Über die Tower Bridge schlenderten wir auf die südliche Seite der Themse zum Borough Market, vorbei am mit 310m höchsten Gebäude der EU, dem einer Glasscherbe ähnelnden „Shard“ (der Aufstieg zur Aussichtsplattform kostet sagenhafte 35€!), und von dort aus den Fluss hinauf in Richtung St.-Pauls. Die Kathedrale wurde nach dem Großen Brand, der 1666 weite Teile Londons zerstörte, durch den städtischen Architekten Sir Christopher Wren geplant und 1708 vollendet. Allein die majestätische Kuppel mit einer Außenhöhe von 111m macht den Besuch unvergesslich und entschädigt ihre Gäste nach 528 schweißtreibenden Stufen mit einem 360°-Blick über die Stadt. Aber auch die Krypta, die u.a. das Grab von Admiral Nelson beherbergt, sollte man gesehen haben.

Windsor Castle & Regents Park

Windsor Castle
Bei erneut hervorragendem Wetter entschloss ich mich am nächsten Tag für einen Tagesausflug zum Wohnsitz der englischen Königin, Windsor Castle. Auch dieses im Nordwesten von London liegende Schloss geht auf Wilhelm den Eroberer zurück. Im 14. Jahrhundert von Edward III. zur Residenz umgebaut, gilt Windsor heute als das älteste durchgängig bewohnte Schloss der Welt und als „englisches Versailles“. Vom Bahnhof Paddington (wo ich mir in weiser Voraussicht eine Tube Sonnencreme zulegte) ist das Örtchen Windsor in weniger als einer Stunde zu erreichen. Aus der Ferne bieten der Runde Turm im Inneren und die umgebenen Befestigungsmauern einen imposanten Anblick. Im Unteren Hof findet sich mit der St.-Georgs-Kapelle eine prachtvolle gotische Kirche mit königlichem Mausoleum.

Straßen von Windsor
Als Besucher der Residenz erhält man zudem Zutritt zu vielen historischen Gemächern, zur Waterloo-Kammer mit Gemälden der gegen Napoleon siegreichen Monarchen, zu „Queen Mary’s Doll House“, sowie zur St.-Georgs-Halle, wo die Königin auch heute noch zu Staatsbanketten lädt. Der Obere Hof und der westliche Teil des Schlosses inkl. der königlichen Privaträume bleiben neugierigen Augen jedoch verwehrt. Ich kann nur jedem empfehlen, das Equipment für die (auch auf Deutsch verfügbare) Audiotour mitzunehmen. Es lohnt sich! Neben dem Rundgang durch das Schloss besichtigte ich in Windsor auch das berühmte Eton College und schlenderte durch die Parks rund um das Schloss sowie entlang der Themse. Insgesamt kann man hier also einen recht entspannten aber auch lehrreichen Tag verbringen! 

Zurück in London ließ ich den Tag im königlichen Regent’s Park ausklingen. Der Park lockt Einheimische und Touristen mit einem großen See (auf dem man auch Boot fahren kann), liebevoll gestalteten englischen Gärten, offenen Wiesen zum Sporttreiben, einem Open Air Theater sowie kleinen Cafés. Auch der Londoner Zoo befindet sich hier. In so einer Atmosphäre kann man sich schon mal eine verspätete Siesta auf einer Parkbank gönnen :-)


British Museum, Covent Garden & Greenwich

An meinem vorletzten Tag in London besuchte ich das British Museum mit seinen alle Epochen und Weltregionen umfassenden Ausstellungen. Ich hatte keine Ambitionen, diese Masse kulturhistorisch wertvoller Exponate vollumfänglich zu studieren. Aber ich bin mir sicher, dass jeder Besucher mindestens einen Bereich im Museum findet, der sie oder ihn wirklich interessiert, seien es nun antike Steinbüsten oder ägyptische Mumien. Das Einzige, was mich hier genervt hat, war das ziemlich rückständige Bedienkonzept des Audiotour-Guides.

Eingang des British Museum
Mein Weg führte mich weiter nach Covent Garden, einem attraktiven Viertel im Herzen Londons, dessen schmale Straßen von unzähligen Pubs und Geschäften gesäumt sind. Im Zentrum des Viertels findet sich die gleichnamige historische Markthalle und das Royal Opera House. Unweit davon - zwischen Leicester Square und Piccadilly Circus - reiht sich ein Theater an das nächste. Wer nach einem langen Museums- und Shoppingtag also noch etwas Kleingeld übrig hat, kann sich hier noch gut unterhalten lassen. Allen anderen empfehle ich, sich so wie ich eine Pause auf einem der vorhandenen Liegestühle im St.-James Park zu gönnen. Von hier aus sind auch der Buckingham Palace und das Parlament wieder schnell zu erreichen.

Royal Naval College in Greenwich
Den Abschluss meines ersten London-Aufenthalts bildete ein Tag im östlich gelegenen Greenwich. Durch diesen beschaulichen Stadtteil verläuft bekanntlich der Nullmeridian. Ich besuchte das Royal Naval College sowie das National Maritime Museum mit Ausstellungen zur britischen Seefahrtsgeschichte. Nach einem leichten Aufstieg hinauf zum Royal Greenwich Observatory genoss ich schließlich den wunderbaren Blick über das östliche London und die entfernte Innenstadt. Hier kann man sich auch Social-Media wirksam auf der offiziellen Markierung des Nullmeridians ablichten lassen. Man kann es aber auch lassen. Zurück im Zentrum des Ortes gönnte ich mir schließlich meine erste (und einzige) Portion Fish & Chips. Hatte es mir irgendwie knuspriger vorgestellt.

In Erwartung des nächsten Tages verzichtete ich auf die Besichtigung weiterer Attraktionen und auf allzu viel Bewegung. Nicht nehmen ließ ich mir hingegen ein Abschiedsessen mit Vanya, Jake und Silvano bei einem spitzenmäßigen Inder in Shadwell. Jake hatte zwar etwas Angst, hier auf offener Straße überfallen zu werden. Doch das Risiko hat sich ausgezahlt, es war verdammt lecker! Danke euch drei für die Gastfreundschaft und die tolle Zeit! 

Wandern entlang der englischen Steilküste

Beachy Head
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge und bepackt mit meinem schweren Wanderrucksack kehrte ich London den Rücken. Ziel war die Südküste von England, genauer gesagt das Städtchen Eastbourne. Wie alle der nachfolgend besuchten Städte ist auch dieser Ort gut mit dem Zug zu erreichen! Die von mir auserwählte, gut ausgewiesene Wanderroute führt auf und ab entlang einer beeindruckenden Steilküste, die sich über 160m aus dem Meer hebt. Wer hier im Sommer wandern will, sollte jedoch sehr viel Wasser und Sonnenschutz in Form einer Kopfbedeckung mitnehmen, da es auf der Strecke kaum einen Baum gibt und die Höhenunterschiede schon gewaltig auf die Pumpe gehen. Die Bilder entschädigen jedoch für alles! Der vor der Küste im Wasser stehende Leuchtturm am sog. „Beachy Head“ bildet einen klasse Kontrast zu den weißen Kreidefelsen. Und auch sonst ist es eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch...

Pier von Brighton
Erreichbar ist die Route am besten mit dem Auto. Parallel zur Küste fährt allerdings auch ein Bus, der erschöpfte Wanderer alle paar Kilometer aufsammelt. Mit diesem gelangte ich am späten Nachmittag auch nach Brighton. Bei meiner Ankunft dämmerte es bereits leicht, sodass ich vom berühmten Pier dieses bei vielen Engländern beliebten Seebads am weißen Sandstrand entlang direkt zum Brighton Youth Hostel ging. Grundsätzlich schlafe ich gern in Hostels, weil man dort immer interessante Leute kennenlernt und ggf. noch Tipps für die Weiterreise erhält. Doch dieses Etablissement war leider in einem unterirdischen Zustand, meine spanischen Zimmernachbarn waren allesamt krank und auch die Gegend war nicht unbedingt ansprechend. So war ich im nächsten Morgen nicht übermäßig traurig, mich auf die Weiterreise zu machen. Brighton ist eine schöne Stadt mit unzähligen Häusern in klassisch-viktorianischem Stil. Um das genießen zu können, sollte man sich jedoch unbedingt ein nettes Hotel im Zentrum suchen! 

Schifffahrtsgeschichte in Portsmouth

Portsmouth - Hafenviertel
Ich war schon immer ein großer Fan von alten Segelschiffen. Mein nächster Zielort Portsmouth mit seinem historischen Hafen waren also ein Muss auf meiner Reise! Portsmouth ist einer der wichtigsten Marinestützpunkte der Briten und war im 2. Weltkrieg Ausgangspunkt der alliierten Landung in der Normandie. Ich hatte mir online ein Zimmer im Gästehaus „Birchwood“ der Familie Cottrell reserviert. Und anders als in Brighton wurde ich nicht enttäuscht! Die familiäre Atmosphäre, saubere Zimmer, hervorragendes englisches Frühstück und überaus freundliche Gastgeber machen diese Unterkunft mehr als empfehlenswert!

Der Vormittag war etwas verregnet, was mich allerdings nicht von einem Spaziergang an der Strandpromenade abhielt. Erst am späten Nachmittag klarte es auf und ich besuchte das Hafenviertel, dessen futuristischer Spinnaker Tower mittlerweile als Wahrzeichen der Stadt gilt. Historische und moderne Architektur wechseln sich ab; und zumindest am Wochenende herrscht hier in der Nähe des Yachthafens geschäftiges Treiben. Ein sehr lebenswertes Städtchen!

HMS Warrior
Am darauf folgenden Tag besuchte ich die historischen Dockyards. Im Eingangsbereich begrüßt einen bereits eines der ersten Panzerschiffe, das Segel- und Dampfschiff „HMS Warrior“. Das unter Königin Victoria 1860 vom Stapel gelaufene Schiff hat allerdings nie einen Schuss abgegeben. Die Hauptattraktion des Museums ist das seit 1922 trocken liegende Flaggschiff von Admiral Nelson, die „HMS Victory“ mit ihren horizontalen, schwarz-gelb gestrichenen Planken. Nach heutigen Maßstäben ist das Schiff relativ klein - in Zeiten der Napoleonischen Kriege galt es als Stolz der britischen Seestreitkräfte. Während meines Besuchs waren die Masten zur Restauration entfernt worden. Alle Decks wurden über die Jahre liebevoll in Stand gesetzt und vermitteln einen guten Eindruck der damaligen Lebensweise auf See.

HMS Victory
Noch etwas älter als die Victory ist die 1982 vom Meeresgrund geborgene Mary Rose aus dem frühen 16. Jahrhundert, die noch immer aufwendig getrocknet wird. Sie sank 1545 in einer Schlacht gegen die Franzosen. Weitere Attraktionen des Museums sind das WW2 U-Boot „HMS Alliance“ sowie eine Hafenrundfahrt, welche die Besucher auch zu einem der modernsten Stealthschiffe der Royal Navy führt.


Mystisches Stonehenge

Mit diesen Eindrücken im Gepäck nahm ich den Zug Richtung Salisbury, einem kleinen Städtchen nordwestlich von Portsmouth. Von hier aus fahren regelmäßig Busse zu den weltbekannten Steinkreisen von Stonehenge. Touristen werden in einem modernen Besucherzentrum außer Sichtweite der Stätte empfangen und dann in kleinen Gruppen dorthin gekarrt. Leider kommt man nicht in die unmittelbare Nähe der Monumente, sondern wird stattdessen in einem weiten Bogen herumgeleitet (zum Schutz des fragilen Untergrunds). Nichtsdestoweniger lohnt sich ein Besuch meiner Meinung nach. Der Ort hat eine gewisse Mystik und zeugt von einer längst vergangenen Kultur, deren Hintergründe wir heute nur noch erahnen können.

Auf dem Rückweg besuchte ich noch „Old Sarum“. Wo man heute nur noch einen Hügel und ein paar Ruinen sieht, standen früher ein römisches Fort und später eine prachtvolle normannische Burg. Von hier aus sieht man den 123m hohen Turm der noch heute höchsten Kathedrale Englands in Salisbury. Der im Mittelalter errichtete Bau beherbergt u.a. eine von nur vier Handschriften der Magna Carta, ein wichtiges verfassungsrechtliches Dokument aus dem 13. Jahrhundert, welches u.a. die Rechte des Adels gegenüber der Krone neu definierte.

Spätrömische Dekadenz in Bath

Noch am gleichen Tag führte mich meine Reise weiter nach Bath, einem ehemals römischen Badeort in der Grafschaft Somerset und heutige Weltkulturerbestadt. In meiner Absteige, der Jungendherberge St. Christopher’s Inn, hatten sich die Massen zum 4:0 Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal versammelt. Mein ebenfalls deutscher Zimmergenosse Marcel zeigte mir im Anschluss ein paar lohnenswerte Pubs mit lokalen Bierspezialitäten, die man ungeachtet des fehlenden Reinheitsgebots auf jeden Fall probieren sollte!

Am nächsten Morgen zog ich los, um Bath, seine römischen Bäder und seinen historischen Stadtkern zu erkunden. Auf dem zentralen Marktplatz vor der Abbey werden Zuschauer von abwechselnd auftretenden Musikanten und Sängern unterhalten. Alles ist fußläufig zu erreichen und irgendwie schafft es die Stadt, wie von selbst eine entspannte Urlaubsatmosphäre aufkommen zu lassen. Überzeugt euch selbst! 


Elitäres Oxford

All Souls College
Den Abschuss meiner Rundreise bildeten anderthalb Tage in Oxford. Die alte Universitätsstadt überzeugt gleichermaßen mit ihrer historischen Bausubstanz wie auch mit einem jungendlichen Charme: Die Stadt ist der Campus - und umgekehrt. Von der Spitze der Universitätskirche lässt sich das gesamte Zentrum gut überblicken. Von hier oben sieht man die 36 Colleges der Uni, von denen das 1438 gegründete All Souls College eines der prachtvollsten ist (siehe Bild). Ein weiterer Besuchermagnet ist der Rundbau „Radcliffe Camera“, ein Lesesaal, den leider nur Angehörige der Universität besuchen dürfen.

Ein bisschen Heimatgefühl kam für mich am Rande des Städtchens auf: Wie im Spreewald oder in Tübingen nutzten vor allem die frisch gebackenen Absolventen das schöne Wetter, um Freunde oder Familie per Kahn über die kleinen Arme des Flusses Cherwell zu schippern. Vor diesem Hintergrund legte ich mich am Ufer ins Gras, um das Treiben auf mich wirken zu lassen...

Wie Daheim...
Vor meiner Abreise zurück nach London besuchte ich noch den botanischen Garten der Stadt. Alternativ können Besucher auch das Oxford Castle besichtigen oder von hier aus durch das umliegende Oxfordshire wandern. In jedem Fall kann man gut und gerne 1-2 Tage in der Region verbringen!

Ich kann nur sagen, dass mir diese Reise durch England außerordentlich gut gefallen hat und ich hoffe, dass meine Eindrücke auch den einen oder anderen Skeptiker dazu ermuntern, einmal auf Entdeckungsreise durch dieses schöne Land zu gehen. Wer etwas mehr Zeit hat kann auch noch bis in das im Südwesten gelegene Cornwall reisen. Viel Spaß dabei!