2011-02-14

Südostasien erleben - Thailand, Singapur und Malaysia

Wir waren bereits über dreieinhalb Wochen auf Achse, als wir am Vorabend des chinesischen Neujahres Bangkok erreichten. Die ganztägige Busfahrt und minderschwere Probleme am Grenzübergang hatten uns zugesetzt; und so blickten wir alle mit Vorfreude auf die kommenden drei Tage, die wir auf der vier Busstunden von Bangkok entfernten Thai-Insel Ko Samet verbringen würden. Doch bevor es soweit war, stiegen wir noch für eine Nacht in einem Minus-1-Sterne Hotel in Bangkoks Touristenmeile, der Khao San Road, ab. Draußen steppt der Bär, Menschenmassen wohin das Auge sieht und eine Bar reiht sich an die nächste. Für unerprobte Asien-Reisende ist das mit Sicherheit überwältigend; wir fühlten uns einfach nur unnötig gestresst: An jeder Ecke boten uns Männer mittleren Alters zuerst ihre Tuk-Tuk-Fahrdienste an, im selben Atemzug folgten dann eindeutige Angebote für hier nicht näher zu beschreibende, weibliche Dienstleistungen, die mit obszönen Lautmalereien umschrieben waren. Womit wir auch wieder bei Klischees wären...

Wir setzten uns in ein Lokal mit Livemusik, gönnten uns ein Feierabend-Bier und fielen dann erschöpft in unsere viel zu harten Betten. In ein paar Tagen würden wir uns Bangkok noch etwas genauer ansehen, doch bis dahin hieß das Motto erst einmal Sommer-Sonne-Urlaub auf Ko Samet!


Ko Samet

Ao Pai Strand auf Ko Samet
Ko Samet ist vergleichsweise klein - nur 6km lang und kaum 2km breit - und per Fähre vom Festland in 30min zu erreichen (kostenintensivere Schnellboote sind vorhanden). Die Insel ist Teil eines Nationalparks, was nicht etwa bedeutet, dass hier keine Hotels errichtet werden dürfen, sondern lediglich dass man als Tourist pro Besuch 200 Baht (etwa 5 Euro) aufzubringen hat. Doch es lohnt sich! Die Insel ist nicht so touristisch wie Strände in Phuket oder Pattaya. Als Besucher kann man zwischen luxuriösen Ressorts und preisgünstigen Bungalows wählen und findet fast überall perfekte, weiße Sandstrände vor. Kleine, meist an die Hotels angegliederte Bars bieten lokale und internationale Leckereien, Cocktails sowie BBQ; und abends kann man sich wahlweise bei ruhiger Musik am Strand entspannen oder 50m weiter in kleinen Diskotheken feiern. Ein Paradies auf Erden! Ursprünglich hatte ich vor, die Insel einmal mit dem Rad zu umrunden und ein paar ruhigere Ecken zum Fotografieren zu finden. Doch die sommerlichen Temperaturen und das gute Essen waren für meine Motivation eher ab- als zuträglich, weshalb aus dieser Idee letztlich doch nichts wurde. Nichtsdestotrotz habe ich mich auf Ko Samet hervorragend regeneriert und war bereit für die letzte Etappe der Reise... 

Bangkok

Ich möchte es nicht verhehlen: Bangkok hat mir von allen Städten auf dieser Reise am wenigsten gefallen. Die Stadt ist ein hervorragender Hub für Südostasienreisende, die von hier aus weiter durch Thailand bzw. nach Kambodscha, Laos und Vietnam touren wollen. Doch kulturell hat die Metropole meiner Ansicht nach nur wenig zu bieten. Natürlich gibt es unzählige (gute) Restaurants und hippe Clubs; das Wetter ist großartig und die Stadt ist so lebendig wie New York oder Shanghai. Allerdings fehlt es irgendwie an Authentizität bzw. nationaler Identität! Im Zentrum von Bangkok ist einfach alles auf die Wünsche der westlichen Touristen zugeschnitten, die - betrachtet man die lokalen Angebote - allesamt den weiten Weg nach Südostasien geflogen sind, um kitschige T-Shirts zu erwerben, sich von jungen Thai-Mädchen "traditionelle" Massagen verpassen zu lassen oder sich in hochprozentigem Alkohol zu ertränken (Zitat: "We do NOT check ID"). Und wäre das nicht schon traurig genug, muss man sich als Ausländer nach Einbruch der Dunkelheit auch noch mit zu Zuhältern mutierten Tuk-Tuk Fahrern herumärgern. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was die Einheimischen für ein Bild von Europäern haben...

Goldene Chedi in Wat Phra Kaeo
Natürlich gibt es auch positive Aspekte: Dank der weiten Verbreitung der englischen Sprache kann man sich fast überall hervorragend verständigen; öffentliche Verkehrsmittel und schnelles Internet gehören längst zum Standard; und die Verfügbarkeit von westlichen Sport-Sendern und Speisen aus aller Welt schaffen eine beinahe heimische Atmosphäre (vorausgesetzt man betrachtet dies als positiv). Und ja, es gibt durchaus auch einige touristische Attraktionen in Bangkok, die sich jedoch nicht so recht in das sonstige Erscheinungsbild der Stadt fügen. Drei davon haben wir uns genauer angesehen:

Der Grand Palace ist die ehemalige Residenz der Könige des Siam-Reiches (heutiges Thailand). Der Komplex umfasst den Großen Königspalast Chakri Maha Prasat sowie den wohl bedeutendsten Tempel seiner Art, den Wat Phra Kaeo (wörtlich Tempel des Smaragd-Buddha). Die gesamte Anlage ist von großzügig vergoldeten und mit Edelsteinen verzierten Bauten geprägt. Im Zentrum stehen das königliche Pantheon und eine Halle, in welcher der besagte grüne Smaragd-Buddha thront. Ein weiterer Hingucker ist die Goldene Chedi, ein glockenförmiger Reliquienschrein, der ein Bruchstück vom Brustbein des Buddha enthalten soll (so zumindest ist es auf Wikipedia zu lesen). Weitere Pavillons, Denkmäler, Statuen und als Prangs bezeichnete Turmbauten machen Wat Phra Kaeo zu einem atemberaubenden, wenn auch ziemlich kitschigen Gesamtkunstwerk, das man sich trotz des horrenden Eintrittspreises von 350 Baht nicht entgehen lassen sollte.


Wat Arun
Der Königspalast selbst ist (glücklicherweise) nicht ganz so kitschig-pompös wie der Buddha-Tempel nebenan und erinnert stark an den Palast in Phnom Phen: Weiße Mauern, rot-goldene Dächer und eine kleine Gartenanlage machen den Palast alles in allem absolut sehenswert. Leider konnten wir - vermutlich aufgrund von Bauarbeiten - keinen Blick ins Innere der Residenz erhaschen. Aber ich muss zugeben, dass uns diese Tatsache nach fast vier Wochen exzessiven Sightseeings auch nicht übermäßig gestört hat...Von der Mittagshitze getrieben verließen wir also den Palast und ließen uns in einem kleinen Café nieder, dessen Klimaanlage locker mit jedem Kühlschrank hätte mithalten können: Während draußen bei gefühlten 45 Grad die Erde brannte, genossen wir drinnen bei etwa 15 Grad einen frisch gepressten Orangensaft und ein Stück Schokoladenkuchen.

Unser Weg führte uns zu einem weiteren Tempelkomplex, dem Wat Pho. Die Hauptattraktion des Tempels ist eine 46m lange und 15m hohe, liegende Buddha-Statue. Die Statue befindet sich in einer Halle, die man nur ohne Schuhe betreten darf. Sie ist vergoldet und ihre Fußsohlen sind mit Mustern aus Perlmutt versehen. Sehr originell! Ansonsten finden sich auf dem Gelände des Tempels wieder unzählige prunkvolle Hallen und vier jeweils 42m hohe Chedis, die mit kunstvollen Mosaiken verziert sind. Schlussendlich unternahmen wir noch eine Bootstour auf dem Chao Phraya-Fluss, um einen Blick auf Wat Arun am anderen Flussufer zu werfen. Wir beendeten unseren Rundgang in Chinatown, wo wir uns eine Suppe mit Fleischbällchen gönnten, bevor wir den langen Fußmarsch zurück zum Hotel antraten.

Zusammenfassend muss man sagen, dass Bangkok zwar einiges zu bieten hat, leider aber mehr Wert auf die Pflege seines Images als Party- und Sextouristen-Stadt zu legen scheint als auf seine kultur-historischen Wurzeln. Schade eigentlich.
 

Singapur

"Singapore is a fine country", Singapur ist ein schönes Land. Das besagt zumindest ein bekanntes Sprichwort über den Stadt-Staat an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel. Und ja, das ist es tatsächlich! Doch es ist vor allem der zweiten Konnotation des englischen Wortes "fine" zu schulden (heißt so viel wie Geldstrafe), warum es dieses Sprichwort gibt. Gesetze und die damit verbundenen Strafen sind überaus streng: An vielen Orten herrscht ein striktes Rauchverbot; in öffentlichen Verkehrsmitteln muss man mit einem Bußgeld von 500 Singapur-Dollar rechnen, wenn man Speisen oder Getränke zu sich nimmt; Straßenunterführungen dürfen nicht mit einem Fahrrad durchfahren werden (1000$); und bei bestimmten Vergehen (insbesondere Drogendelikten) wird sogar die Todesstrafe verhängt. Bis vor kurzem war selbst der Verkauf von Kaugummis strafbar. Doch wie man so hört dienen zumindest die Bußgelder vorrangig der Abschreckung und werden in der Praxis eher selten angewandt. Das hat zur Folge, dass die Kriminalitätsrate in Singapur gegen Null geht und die Straßen der Stadt sauberer sind als irgendwo sonst in der Welt. 

Marina Bay Sands (Skypark)
Was gibt es sonst noch interessantes über Singapur zu berichten? Nun, die Stadt war dank ihrer günstigen Lage an der stark befahrenen Straße von Malakka lange Zeit Dreh- und Angelpunkt für Seeräuber und Händler. Dieser geographische Vorteil spielt dem "Tigerstaat" bis heute in die Hände. Darüber hinaus ist Singapur Heimat zahlreicher Ethnien und Religionen, die allesamt friedlich und auf engstem Raum zusammenleben. Offiziell werden vier Sprachen gesprochen: Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamil. Wirtschaftlich spielt Singapur heute in der ersten Liga der Industriestaaten, wobei vor allem (Finanz-) Dienstleistungen und der internationale Handel zum nationalen Wohlstand beitragen. Dieser ist mittlerweile so hoch, dass Singapur weltweit zu den Städten mit den höchsten Lebenshaltungskosten gezählt wird!

Ich persönlich war vor allem von den vielen grünen Flecken in der Stadt positiv überrascht. Bereits auf der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt fielen uns die vielen Parks und Grünflächen zwischen den Wohn- und Geschäftshäusern auf. Auch die Luft war überraschend frisch und selbst der Verkehrslärm hielt sich in Grenzen. Eine sehr angenehme Atmosphäre für eine Stadt mit über fünf Millionen Einwohnern! Wir nahmen die U-Bahn bis nach Chinatown, wo wir in einer kleinen Seitenstraße bereits ein Zimmer im "Beary Nice Hostel" reserviert hatten. Das Hostel muss an dieser Stelle einfach namentlich genannt werden, da es mit Abstand das Beste war, in dem ich je untergebracht war: Freundliches Personal, gutes Frühstück, ein kuscheliger Aufenthaltsraum mit Computern und Fernseher, saubere Schlaf- und Badezimmer. Das nenne ich Urlaub.


Riverside & Finanzdistrikt
Von Chinatown aus begaben wir uns zur sogenannten Riverside, einem besonders attraktiven Viertel im Zentrum Singapurs. Entlang des Singapore-River reihen sich hier schicke Bars, Hafengebäude und Museen aneinander. Gleichzeitig hat man einen famosen Blick auf den Finanzdistrikt mit seiner berühmten Skyline. Wir waren überrascht, wie wenig Menschen auf den Straßen unterwegs waren. Offenbar verlassen die Singapuries erst später am Abend ihre klimatisierten Büros und bevölkern dann langsam die Straßen und Plätze rund um Riverside und die Marina Bay. Wir genossen die Ruhe vor dem Sturm, schlenderten vorbei am berühmten Fullerton Hotel und erreichten schließlich die Marina Bay. Von hier aus sieht man quasi alle Highlights der Stadt auf einen Blick: Die Skyline, das erst kürzlich errichtete Marina Bay Sands Ressort mit seinem drei Gebäude überspannenden Skypark, das an eine Stinkfrucht erinnernde Kulturzentrum "Esplanade" sowie die Formel-1-Rennstrecke, in deren Mitte das mit 165m höchste Riesenrad der Welt, der Singapore Flyer, steht. 

Shopping in der Orchard Road
Sichtlich beeindruckt drehten wir eine kleine Runde durch den Esplanade Park bis hin zum Civilian War Memorial, vorbei an der Nationalgalerie und dem futuristischen Gebäude des Obersten Gerichts (ähnelt einer fliegenden Untertasse). Schließlich gönnten wir uns ein Abendessen in einem der kleinen Restaurants am Flussufer. Spätestens dort wurde uns bewusst, wie kostspielig das Leben in dieser Metropole tatsächlich ist...

Den nächsten Tag begannen wir mit einem Rundgang durch Singapurs Little India, einem unscheinbaren Viertel im Norden. Außer einem hinduistischen Tempel mit überdurchschnittlich vielen Keramik-Kühen auf dem Dach gab es dort allerdings nicht viel zu bestaunen, weshalb wir uns dort auch nicht sehr lange aufhielten. Mit der U-Bahn ging es weiter zur Orchard Road, DER Einkaufsstraße Singapurs. Wer sein Geld nicht so wie wir bereits im Rahmen der Anreise auf den Kopf gehauen hat, kann es in dieser Straße bei Gucci, Chanel oder D&G an den Mann bringen. Die Straße ist mehrere Kilometer lang, deshalb brauchten wir auch fast zwei Stunden, bis wir alles gesehen hatten und - mit dem befriedigenden Gedanken hier kein Geld verprasst zu haben - wieder zurück nach Chinatown fahren konnten. 


Singapur Skyline bei Nacht

Am Nachmittag recherchierte ich mögliche Ausflugsziele in Malaysia und begab mich mit Henry auf die Suche nach einem Busunternehmen, welches laut Internet Fahrten nach Mersing an der Südostküste Malaysias im Programm hatte. Vom Fährhafen in Mersing wollten wir am folgenden Tag zur Insel Tioman übersetzen, um unsere letzten Tage an einem tropischen Strand ausklingen zu lassen. Der Monsun machte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung: Es gab schlicht und ergreifend keine Busse, die Mersing zu dieser Jahreszeit anfuhren. Unabhängig davon war auch nicht klar, ob wir während der Monsunzeit überhaupt auf die Insel kommen würden und was uns dort erwartete.

Dieser Rückschlag sollte unsere Stimmung an diesem Abend jedoch nicht allzu sehr beeinflussen, schließlich waren wir nach wie vor in Singapur und hatten den besten Teil des Tages noch vor uns: Die Besteigung des Marina Bay Sand Skyparks mit einem atemberaubenden Blick über die Bucht und auf die in bunten Lichtern erstrahlende Skyline! In der Ferne konnte man das offene Meer und die vielen vor Anker liegenden Schiffe sehen. Ein unglaublicher Anblick! Nach fast einer Stunde fuhren wir wieder nach unten, liefen über die blau erleuchtete, spiralförmige Helix Fußgängerbrücke und folgten dem Neujahrs-Spektakel am Ufer der Bay. Es war Stephans letzter Abend mit uns, deshalb entschieden wir uns für ein Abendessen in einem exzellenten italienischen Restaurant mit Pizza, Lasagne und Rotwein. Für Stephan war es der gelungene Abschluss einer abenteuerlichen Reise. Für den Rest unserer Gruppe sollte das Abenteuer noch ein paar Tage weitergehen...

Malaysia

Blick vom Menara KL
Am folgenden Tag brach unser zusammen geschmolzenes Grüppchen mit dem Zug in Richtung Kuala Lumpur auf. Von dort aus wollten wir unsere letzten Tage in der Region planen. Der Grenzübertritt verlief mehr oder weniger problemlos: Man ließ uns ohne Probleme aus Singapur ausreisen, nur offiziell nach Malaysia einreisen ging irgendwie nicht. Später wurde uns gesagt, dass Malaysia den Grenzverlauf nicht anerkenne und es deshalb auch keinen offiziellen Grenzposten gebe, an dem man uns einen Einreisestempel hätte geben können. Nun ja, wir dachten uns nichts weiter dabei und schlichen mit der Bimmelbahn knapp sieben Stunden durch die Landschaft, bevor wir am Abend endlich Kuala Lumpur erreichten.

Die Hauptstadt Malaysias ist vor allem durch ein markantes Bauwerk berühmt: Die Petronas Zwillingstürme, die vormals als höchste Gebäude der Welt in den Rekordbüchern standen. Heute überragen sie die Stadt mit einer Höhe von 452m und spiegeln gewissermaßen die rasante wirtschaftliche Entwicklung Malaysias wieder. An unserem ersten Tag in KL konzentrierten wir uns daher auch voll und ganz auf die Erkundung der Zwillingstürme und der sie umgebenden Gegend. Von unserem Hostel in Chinatown liefen wir durch die geschäftigen Straßen bis zum Menara KL, dem mit 421m höchsten Fernsehturm des Landes. Es steht auf einer kleinen Anhöhe in einem Park und ermöglicht einen fantastischen Blick über KL und auf die Petronas Towers nebenan. Auf der Aussichtsplattform werden kleine Filme gezeigt, die Informationen zu den umliegenden Stadtteilen geben und auf die Geschichte, Kultur und Regierungsform des Landes eingehen. Letztere Information fand ich persönlich am interessantesten: Malaysia ist eine konstitutionelle Monarchie. Anders als in den meisten Monarchien wird der König allerdings nicht entsprechend einer Erbfolge bestimmt, sondern aus der Runde von neun Sultanen für lediglich fünf Jahre gewählt.


Petronas Towers
Wir verließen den Menara KL und wanderten eine halbe Stunde durch den Dschungel-ähnlichen Park, der den Fernsehturm umgibt. Anschließend liefen wir zielstrebig zum Malaysia Tourist Centre, von dem wir uns Informationen zu lohnenswerten Tagesausflügen versprachen. Dazu jedoch später mehr. Dann war es soweit: Vor uns erhoben sich die beeindruckenden Zwillingstürme aus Glas und Stahl. Ihre Architektur ist Motiven aus der islamischen Kunst nachempfunden, quasi als Hommage an Malaysias überwiegend muslimische Bevölkerung. 

Die beiden Türme verbindet eine gläserne Brücke, die gleichzeitig als höchste öffentlich zugängliche Aussichtsplattform fungiert. Wir schossen fleißig Bilder, durchquerten das im unteren Teil des Gebäudes befindliche Shopping-Center und beendeten unseren Tagesausflug im KLCC Park. Hier kann man nicht nur entspannte Stunden abseits der Großstadthektik verbringen, sondern auch den wohl besten Blick auf die Petronas Towers erhaschen. Für Kinder gibt es einen öffentlichen Wasserspielplatz, der bei solch tropischen Temperaturen jedoch auch von Erwachsenen gern in Anspruch genommen wird. Später am Nachmittag fing es an zu regnen und wir zogen uns zurück in unser Hostel. Zum Abendessen ließen wir uns dann in einem sogenannten Hawker Centre in Chinatown nieder. Als Hawker Centre werden größere Hallen bezeichnet, in denen mehrere kleine Essensbuden und dergleichen untergebracht sind. Hier kann man sich mit einheimischen Gerichten zu passablen Preisen verköstigen lassen und rhythmisch zu Liedern von Modern Talking und Lady Gaga schunkeln. Toll! 

Roter Platz in Malakka
Am nächsten Morgen brachen wir zu einem Tagesausflug in die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Malakka an der gleichnamigen Wasserstraße auf. Besonders sehenswert ist die Altstadt Malakkas, die von gut erhaltenen Kolonialbauten aus Zeiten der Portugiesischen, Holländischen und Britischen Besetzung geprägt ist. Zentrum der Stadt ist der Rote Platz mit einer anglikanischen Kirche, der sog. Christ Church. Darüber hinaus kann man sich die historische Uferfront des sich durch die Stadt schlängelnden Flusses Sungai Melaka, ein Segelschiff sowie die Überreste eines alten portugiesischen Forts ansehen. Wir liefen lange umher, erkundeten die Hafenpromenade (wenn man diese dann als solche bezeichnen kann) und setzten einen Fuß in die Straße von Malakka, die den Pazifik mit dem Indischen Ozean verbindet. Am Ende eines schweißtreibenden Tages und mit einem kräftigen Sonnenbrand gesegnet traten wir die zweistündige Busfahrt zurück nach Kuala Lumpur an. 

Merdeka Square & das Sultan Abdul Samad Gebäude
Die letzten drei Tage unserer großartigen Reise möchte ich nur kurz zusammenfassen: Unsere Gruppe genehmigte sich noch einen kompletten Tag in Kuala Lumpur und besichtigte den Merdeka Square, wo 1957 zum ersten Mal die Malaiische Flagge gehisst wurde (bis dahin war Malaysia eine britische Kolonie). Der Platz wird heute für Volksfeste und öffentliche Paraden genutzt. An seiner Ostflanke steht das Sultan Abdul Samad Gebäude (siehe Bild). Früher war es Sitz des Obersten Gerichtshofes, heute beherbergt es ein Ministerium. Anschließend sahen Henry und ich uns den Vogelpark Kuala Lumpurs an und besichtigten die Nationale Moschee, wo uns eine Dame mit den Besonderheiten der Baus vertraut machte und uns von der friedlichen Koexistenz der Religionen in Malaysia berichtete.

Am folgenden Tag flogen Rouven und Stoil zurück nach China, während Henry und ich uns noch für zwei Tage in Port Dickson niederließen. Das Städtchen beansprucht den einzigen Strand in unmittelbarer Nähe zu Kuala Lumpur und ist dementsprechend ein beliebtes Wochenendziel für viele Großstädter. Wir quartierten uns in einem Ressort direkt am Strand ein. Die Qualität des Etablissements war durchaus akzeptabel (2 Zimmer inkl. Küche, Fernseher, Balkon mit Meerblick, Zimmerservice) und auch der Preis war mit 10 Euro pro Person und Nacht alles andere als überhöht. Trotzdem schien uns das ansonsten recht verlassene Ressort nicht recht geheuer, sodass wir nach der zweiten Nacht nicht allzu unglücklich waren, diesen Ort wieder zu verlassen. Ich wäre gern auf eine nette Tropeninsel gefahren, aber letztlich habe ich mich auch in Port Dickson gut erholen können. Außerdem konnte ich weite Teile dieses Berichts dort fertigstellen - das ist doch auch etwas wert!

Fünfeinhalb Wochen waren wir insgesamt unterwegs. Es waren anstrengende aber natürlich auch sehr erlebnisreiche Wochen. Ich werde diese Reise nie vergessen und noch lange darüber berichten. Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Bericht ein wenig an diesem Abenteuer teilhaben lassen. Und solange sich beim Lesen niemand gelangweilt hat, habe ich wohl nicht alles falsch gemacht :) Danke an dieser Stelle an Henry, Stephan, Stoil und Rouven für die tolle Kameradschaft und die vielen unterhaltsamen Stunden. Es war mir eine Freude mit Euch zu reisen.