2011-02-14

Südostasien erleben - Thailand, Singapur und Malaysia

Wir waren bereits über dreieinhalb Wochen auf Achse, als wir am Vorabend des chinesischen Neujahres Bangkok erreichten. Die ganztägige Busfahrt und minderschwere Probleme am Grenzübergang hatten uns zugesetzt; und so blickten wir alle mit Vorfreude auf die kommenden drei Tage, die wir auf der vier Busstunden von Bangkok entfernten Thai-Insel Ko Samet verbringen würden. Doch bevor es soweit war, stiegen wir noch für eine Nacht in einem Minus-1-Sterne Hotel in Bangkoks Touristenmeile, der Khao San Road, ab. Draußen steppt der Bär, Menschenmassen wohin das Auge sieht und eine Bar reiht sich an die nächste. Für unerprobte Asien-Reisende ist das mit Sicherheit überwältigend; wir fühlten uns einfach nur unnötig gestresst: An jeder Ecke boten uns Männer mittleren Alters zuerst ihre Tuk-Tuk-Fahrdienste an, im selben Atemzug folgten dann eindeutige Angebote für hier nicht näher zu beschreibende, weibliche Dienstleistungen, die mit obszönen Lautmalereien umschrieben waren. Womit wir auch wieder bei Klischees wären...

Wir setzten uns in ein Lokal mit Livemusik, gönnten uns ein Feierabend-Bier und fielen dann erschöpft in unsere viel zu harten Betten. In ein paar Tagen würden wir uns Bangkok noch etwas genauer ansehen, doch bis dahin hieß das Motto erst einmal Sommer-Sonne-Urlaub auf Ko Samet!


Ko Samet

Ao Pai Strand auf Ko Samet
Ko Samet ist vergleichsweise klein - nur 6km lang und kaum 2km breit - und per Fähre vom Festland in 30min zu erreichen (kostenintensivere Schnellboote sind vorhanden). Die Insel ist Teil eines Nationalparks, was nicht etwa bedeutet, dass hier keine Hotels errichtet werden dürfen, sondern lediglich dass man als Tourist pro Besuch 200 Baht (etwa 5 Euro) aufzubringen hat. Doch es lohnt sich! Die Insel ist nicht so touristisch wie Strände in Phuket oder Pattaya. Als Besucher kann man zwischen luxuriösen Ressorts und preisgünstigen Bungalows wählen und findet fast überall perfekte, weiße Sandstrände vor. Kleine, meist an die Hotels angegliederte Bars bieten lokale und internationale Leckereien, Cocktails sowie BBQ; und abends kann man sich wahlweise bei ruhiger Musik am Strand entspannen oder 50m weiter in kleinen Diskotheken feiern. Ein Paradies auf Erden! Ursprünglich hatte ich vor, die Insel einmal mit dem Rad zu umrunden und ein paar ruhigere Ecken zum Fotografieren zu finden. Doch die sommerlichen Temperaturen und das gute Essen waren für meine Motivation eher ab- als zuträglich, weshalb aus dieser Idee letztlich doch nichts wurde. Nichtsdestotrotz habe ich mich auf Ko Samet hervorragend regeneriert und war bereit für die letzte Etappe der Reise... 

Bangkok

Ich möchte es nicht verhehlen: Bangkok hat mir von allen Städten auf dieser Reise am wenigsten gefallen. Die Stadt ist ein hervorragender Hub für Südostasienreisende, die von hier aus weiter durch Thailand bzw. nach Kambodscha, Laos und Vietnam touren wollen. Doch kulturell hat die Metropole meiner Ansicht nach nur wenig zu bieten. Natürlich gibt es unzählige (gute) Restaurants und hippe Clubs; das Wetter ist großartig und die Stadt ist so lebendig wie New York oder Shanghai. Allerdings fehlt es irgendwie an Authentizität bzw. nationaler Identität! Im Zentrum von Bangkok ist einfach alles auf die Wünsche der westlichen Touristen zugeschnitten, die - betrachtet man die lokalen Angebote - allesamt den weiten Weg nach Südostasien geflogen sind, um kitschige T-Shirts zu erwerben, sich von jungen Thai-Mädchen "traditionelle" Massagen verpassen zu lassen oder sich in hochprozentigem Alkohol zu ertränken (Zitat: "We do NOT check ID"). Und wäre das nicht schon traurig genug, muss man sich als Ausländer nach Einbruch der Dunkelheit auch noch mit zu Zuhältern mutierten Tuk-Tuk Fahrern herumärgern. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was die Einheimischen für ein Bild von Europäern haben...

Goldene Chedi in Wat Phra Kaeo
Natürlich gibt es auch positive Aspekte: Dank der weiten Verbreitung der englischen Sprache kann man sich fast überall hervorragend verständigen; öffentliche Verkehrsmittel und schnelles Internet gehören längst zum Standard; und die Verfügbarkeit von westlichen Sport-Sendern und Speisen aus aller Welt schaffen eine beinahe heimische Atmosphäre (vorausgesetzt man betrachtet dies als positiv). Und ja, es gibt durchaus auch einige touristische Attraktionen in Bangkok, die sich jedoch nicht so recht in das sonstige Erscheinungsbild der Stadt fügen. Drei davon haben wir uns genauer angesehen:

Der Grand Palace ist die ehemalige Residenz der Könige des Siam-Reiches (heutiges Thailand). Der Komplex umfasst den Großen Königspalast Chakri Maha Prasat sowie den wohl bedeutendsten Tempel seiner Art, den Wat Phra Kaeo (wörtlich Tempel des Smaragd-Buddha). Die gesamte Anlage ist von großzügig vergoldeten und mit Edelsteinen verzierten Bauten geprägt. Im Zentrum stehen das königliche Pantheon und eine Halle, in welcher der besagte grüne Smaragd-Buddha thront. Ein weiterer Hingucker ist die Goldene Chedi, ein glockenförmiger Reliquienschrein, der ein Bruchstück vom Brustbein des Buddha enthalten soll (so zumindest ist es auf Wikipedia zu lesen). Weitere Pavillons, Denkmäler, Statuen und als Prangs bezeichnete Turmbauten machen Wat Phra Kaeo zu einem atemberaubenden, wenn auch ziemlich kitschigen Gesamtkunstwerk, das man sich trotz des horrenden Eintrittspreises von 350 Baht nicht entgehen lassen sollte.


Wat Arun
Der Königspalast selbst ist (glücklicherweise) nicht ganz so kitschig-pompös wie der Buddha-Tempel nebenan und erinnert stark an den Palast in Phnom Phen: Weiße Mauern, rot-goldene Dächer und eine kleine Gartenanlage machen den Palast alles in allem absolut sehenswert. Leider konnten wir - vermutlich aufgrund von Bauarbeiten - keinen Blick ins Innere der Residenz erhaschen. Aber ich muss zugeben, dass uns diese Tatsache nach fast vier Wochen exzessiven Sightseeings auch nicht übermäßig gestört hat...Von der Mittagshitze getrieben verließen wir also den Palast und ließen uns in einem kleinen Café nieder, dessen Klimaanlage locker mit jedem Kühlschrank hätte mithalten können: Während draußen bei gefühlten 45 Grad die Erde brannte, genossen wir drinnen bei etwa 15 Grad einen frisch gepressten Orangensaft und ein Stück Schokoladenkuchen.

Unser Weg führte uns zu einem weiteren Tempelkomplex, dem Wat Pho. Die Hauptattraktion des Tempels ist eine 46m lange und 15m hohe, liegende Buddha-Statue. Die Statue befindet sich in einer Halle, die man nur ohne Schuhe betreten darf. Sie ist vergoldet und ihre Fußsohlen sind mit Mustern aus Perlmutt versehen. Sehr originell! Ansonsten finden sich auf dem Gelände des Tempels wieder unzählige prunkvolle Hallen und vier jeweils 42m hohe Chedis, die mit kunstvollen Mosaiken verziert sind. Schlussendlich unternahmen wir noch eine Bootstour auf dem Chao Phraya-Fluss, um einen Blick auf Wat Arun am anderen Flussufer zu werfen. Wir beendeten unseren Rundgang in Chinatown, wo wir uns eine Suppe mit Fleischbällchen gönnten, bevor wir den langen Fußmarsch zurück zum Hotel antraten.

Zusammenfassend muss man sagen, dass Bangkok zwar einiges zu bieten hat, leider aber mehr Wert auf die Pflege seines Images als Party- und Sextouristen-Stadt zu legen scheint als auf seine kultur-historischen Wurzeln. Schade eigentlich.
 

Singapur

"Singapore is a fine country", Singapur ist ein schönes Land. Das besagt zumindest ein bekanntes Sprichwort über den Stadt-Staat an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel. Und ja, das ist es tatsächlich! Doch es ist vor allem der zweiten Konnotation des englischen Wortes "fine" zu schulden (heißt so viel wie Geldstrafe), warum es dieses Sprichwort gibt. Gesetze und die damit verbundenen Strafen sind überaus streng: An vielen Orten herrscht ein striktes Rauchverbot; in öffentlichen Verkehrsmitteln muss man mit einem Bußgeld von 500 Singapur-Dollar rechnen, wenn man Speisen oder Getränke zu sich nimmt; Straßenunterführungen dürfen nicht mit einem Fahrrad durchfahren werden (1000$); und bei bestimmten Vergehen (insbesondere Drogendelikten) wird sogar die Todesstrafe verhängt. Bis vor kurzem war selbst der Verkauf von Kaugummis strafbar. Doch wie man so hört dienen zumindest die Bußgelder vorrangig der Abschreckung und werden in der Praxis eher selten angewandt. Das hat zur Folge, dass die Kriminalitätsrate in Singapur gegen Null geht und die Straßen der Stadt sauberer sind als irgendwo sonst in der Welt. 

Marina Bay Sands (Skypark)
Was gibt es sonst noch interessantes über Singapur zu berichten? Nun, die Stadt war dank ihrer günstigen Lage an der stark befahrenen Straße von Malakka lange Zeit Dreh- und Angelpunkt für Seeräuber und Händler. Dieser geographische Vorteil spielt dem "Tigerstaat" bis heute in die Hände. Darüber hinaus ist Singapur Heimat zahlreicher Ethnien und Religionen, die allesamt friedlich und auf engstem Raum zusammenleben. Offiziell werden vier Sprachen gesprochen: Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamil. Wirtschaftlich spielt Singapur heute in der ersten Liga der Industriestaaten, wobei vor allem (Finanz-) Dienstleistungen und der internationale Handel zum nationalen Wohlstand beitragen. Dieser ist mittlerweile so hoch, dass Singapur weltweit zu den Städten mit den höchsten Lebenshaltungskosten gezählt wird!

Ich persönlich war vor allem von den vielen grünen Flecken in der Stadt positiv überrascht. Bereits auf der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt fielen uns die vielen Parks und Grünflächen zwischen den Wohn- und Geschäftshäusern auf. Auch die Luft war überraschend frisch und selbst der Verkehrslärm hielt sich in Grenzen. Eine sehr angenehme Atmosphäre für eine Stadt mit über fünf Millionen Einwohnern! Wir nahmen die U-Bahn bis nach Chinatown, wo wir in einer kleinen Seitenstraße bereits ein Zimmer im "Beary Nice Hostel" reserviert hatten. Das Hostel muss an dieser Stelle einfach namentlich genannt werden, da es mit Abstand das Beste war, in dem ich je untergebracht war: Freundliches Personal, gutes Frühstück, ein kuscheliger Aufenthaltsraum mit Computern und Fernseher, saubere Schlaf- und Badezimmer. Das nenne ich Urlaub.


Riverside & Finanzdistrikt
Von Chinatown aus begaben wir uns zur sogenannten Riverside, einem besonders attraktiven Viertel im Zentrum Singapurs. Entlang des Singapore-River reihen sich hier schicke Bars, Hafengebäude und Museen aneinander. Gleichzeitig hat man einen famosen Blick auf den Finanzdistrikt mit seiner berühmten Skyline. Wir waren überrascht, wie wenig Menschen auf den Straßen unterwegs waren. Offenbar verlassen die Singapuries erst später am Abend ihre klimatisierten Büros und bevölkern dann langsam die Straßen und Plätze rund um Riverside und die Marina Bay. Wir genossen die Ruhe vor dem Sturm, schlenderten vorbei am berühmten Fullerton Hotel und erreichten schließlich die Marina Bay. Von hier aus sieht man quasi alle Highlights der Stadt auf einen Blick: Die Skyline, das erst kürzlich errichtete Marina Bay Sands Ressort mit seinem drei Gebäude überspannenden Skypark, das an eine Stinkfrucht erinnernde Kulturzentrum "Esplanade" sowie die Formel-1-Rennstrecke, in deren Mitte das mit 165m höchste Riesenrad der Welt, der Singapore Flyer, steht. 

Shopping in der Orchard Road
Sichtlich beeindruckt drehten wir eine kleine Runde durch den Esplanade Park bis hin zum Civilian War Memorial, vorbei an der Nationalgalerie und dem futuristischen Gebäude des Obersten Gerichts (ähnelt einer fliegenden Untertasse). Schließlich gönnten wir uns ein Abendessen in einem der kleinen Restaurants am Flussufer. Spätestens dort wurde uns bewusst, wie kostspielig das Leben in dieser Metropole tatsächlich ist...

Den nächsten Tag begannen wir mit einem Rundgang durch Singapurs Little India, einem unscheinbaren Viertel im Norden. Außer einem hinduistischen Tempel mit überdurchschnittlich vielen Keramik-Kühen auf dem Dach gab es dort allerdings nicht viel zu bestaunen, weshalb wir uns dort auch nicht sehr lange aufhielten. Mit der U-Bahn ging es weiter zur Orchard Road, DER Einkaufsstraße Singapurs. Wer sein Geld nicht so wie wir bereits im Rahmen der Anreise auf den Kopf gehauen hat, kann es in dieser Straße bei Gucci, Chanel oder D&G an den Mann bringen. Die Straße ist mehrere Kilometer lang, deshalb brauchten wir auch fast zwei Stunden, bis wir alles gesehen hatten und - mit dem befriedigenden Gedanken hier kein Geld verprasst zu haben - wieder zurück nach Chinatown fahren konnten. 


Singapur Skyline bei Nacht

Am Nachmittag recherchierte ich mögliche Ausflugsziele in Malaysia und begab mich mit Henry auf die Suche nach einem Busunternehmen, welches laut Internet Fahrten nach Mersing an der Südostküste Malaysias im Programm hatte. Vom Fährhafen in Mersing wollten wir am folgenden Tag zur Insel Tioman übersetzen, um unsere letzten Tage an einem tropischen Strand ausklingen zu lassen. Der Monsun machte uns jedoch einen Strich durch die Rechnung: Es gab schlicht und ergreifend keine Busse, die Mersing zu dieser Jahreszeit anfuhren. Unabhängig davon war auch nicht klar, ob wir während der Monsunzeit überhaupt auf die Insel kommen würden und was uns dort erwartete.

Dieser Rückschlag sollte unsere Stimmung an diesem Abend jedoch nicht allzu sehr beeinflussen, schließlich waren wir nach wie vor in Singapur und hatten den besten Teil des Tages noch vor uns: Die Besteigung des Marina Bay Sand Skyparks mit einem atemberaubenden Blick über die Bucht und auf die in bunten Lichtern erstrahlende Skyline! In der Ferne konnte man das offene Meer und die vielen vor Anker liegenden Schiffe sehen. Ein unglaublicher Anblick! Nach fast einer Stunde fuhren wir wieder nach unten, liefen über die blau erleuchtete, spiralförmige Helix Fußgängerbrücke und folgten dem Neujahrs-Spektakel am Ufer der Bay. Es war Stephans letzter Abend mit uns, deshalb entschieden wir uns für ein Abendessen in einem exzellenten italienischen Restaurant mit Pizza, Lasagne und Rotwein. Für Stephan war es der gelungene Abschluss einer abenteuerlichen Reise. Für den Rest unserer Gruppe sollte das Abenteuer noch ein paar Tage weitergehen...

Malaysia

Blick vom Menara KL
Am folgenden Tag brach unser zusammen geschmolzenes Grüppchen mit dem Zug in Richtung Kuala Lumpur auf. Von dort aus wollten wir unsere letzten Tage in der Region planen. Der Grenzübertritt verlief mehr oder weniger problemlos: Man ließ uns ohne Probleme aus Singapur ausreisen, nur offiziell nach Malaysia einreisen ging irgendwie nicht. Später wurde uns gesagt, dass Malaysia den Grenzverlauf nicht anerkenne und es deshalb auch keinen offiziellen Grenzposten gebe, an dem man uns einen Einreisestempel hätte geben können. Nun ja, wir dachten uns nichts weiter dabei und schlichen mit der Bimmelbahn knapp sieben Stunden durch die Landschaft, bevor wir am Abend endlich Kuala Lumpur erreichten.

Die Hauptstadt Malaysias ist vor allem durch ein markantes Bauwerk berühmt: Die Petronas Zwillingstürme, die vormals als höchste Gebäude der Welt in den Rekordbüchern standen. Heute überragen sie die Stadt mit einer Höhe von 452m und spiegeln gewissermaßen die rasante wirtschaftliche Entwicklung Malaysias wieder. An unserem ersten Tag in KL konzentrierten wir uns daher auch voll und ganz auf die Erkundung der Zwillingstürme und der sie umgebenden Gegend. Von unserem Hostel in Chinatown liefen wir durch die geschäftigen Straßen bis zum Menara KL, dem mit 421m höchsten Fernsehturm des Landes. Es steht auf einer kleinen Anhöhe in einem Park und ermöglicht einen fantastischen Blick über KL und auf die Petronas Towers nebenan. Auf der Aussichtsplattform werden kleine Filme gezeigt, die Informationen zu den umliegenden Stadtteilen geben und auf die Geschichte, Kultur und Regierungsform des Landes eingehen. Letztere Information fand ich persönlich am interessantesten: Malaysia ist eine konstitutionelle Monarchie. Anders als in den meisten Monarchien wird der König allerdings nicht entsprechend einer Erbfolge bestimmt, sondern aus der Runde von neun Sultanen für lediglich fünf Jahre gewählt.


Petronas Towers
Wir verließen den Menara KL und wanderten eine halbe Stunde durch den Dschungel-ähnlichen Park, der den Fernsehturm umgibt. Anschließend liefen wir zielstrebig zum Malaysia Tourist Centre, von dem wir uns Informationen zu lohnenswerten Tagesausflügen versprachen. Dazu jedoch später mehr. Dann war es soweit: Vor uns erhoben sich die beeindruckenden Zwillingstürme aus Glas und Stahl. Ihre Architektur ist Motiven aus der islamischen Kunst nachempfunden, quasi als Hommage an Malaysias überwiegend muslimische Bevölkerung. 

Die beiden Türme verbindet eine gläserne Brücke, die gleichzeitig als höchste öffentlich zugängliche Aussichtsplattform fungiert. Wir schossen fleißig Bilder, durchquerten das im unteren Teil des Gebäudes befindliche Shopping-Center und beendeten unseren Tagesausflug im KLCC Park. Hier kann man nicht nur entspannte Stunden abseits der Großstadthektik verbringen, sondern auch den wohl besten Blick auf die Petronas Towers erhaschen. Für Kinder gibt es einen öffentlichen Wasserspielplatz, der bei solch tropischen Temperaturen jedoch auch von Erwachsenen gern in Anspruch genommen wird. Später am Nachmittag fing es an zu regnen und wir zogen uns zurück in unser Hostel. Zum Abendessen ließen wir uns dann in einem sogenannten Hawker Centre in Chinatown nieder. Als Hawker Centre werden größere Hallen bezeichnet, in denen mehrere kleine Essensbuden und dergleichen untergebracht sind. Hier kann man sich mit einheimischen Gerichten zu passablen Preisen verköstigen lassen und rhythmisch zu Liedern von Modern Talking und Lady Gaga schunkeln. Toll! 

Roter Platz in Malakka
Am nächsten Morgen brachen wir zu einem Tagesausflug in die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Malakka an der gleichnamigen Wasserstraße auf. Besonders sehenswert ist die Altstadt Malakkas, die von gut erhaltenen Kolonialbauten aus Zeiten der Portugiesischen, Holländischen und Britischen Besetzung geprägt ist. Zentrum der Stadt ist der Rote Platz mit einer anglikanischen Kirche, der sog. Christ Church. Darüber hinaus kann man sich die historische Uferfront des sich durch die Stadt schlängelnden Flusses Sungai Melaka, ein Segelschiff sowie die Überreste eines alten portugiesischen Forts ansehen. Wir liefen lange umher, erkundeten die Hafenpromenade (wenn man diese dann als solche bezeichnen kann) und setzten einen Fuß in die Straße von Malakka, die den Pazifik mit dem Indischen Ozean verbindet. Am Ende eines schweißtreibenden Tages und mit einem kräftigen Sonnenbrand gesegnet traten wir die zweistündige Busfahrt zurück nach Kuala Lumpur an. 

Merdeka Square & das Sultan Abdul Samad Gebäude
Die letzten drei Tage unserer großartigen Reise möchte ich nur kurz zusammenfassen: Unsere Gruppe genehmigte sich noch einen kompletten Tag in Kuala Lumpur und besichtigte den Merdeka Square, wo 1957 zum ersten Mal die Malaiische Flagge gehisst wurde (bis dahin war Malaysia eine britische Kolonie). Der Platz wird heute für Volksfeste und öffentliche Paraden genutzt. An seiner Ostflanke steht das Sultan Abdul Samad Gebäude (siehe Bild). Früher war es Sitz des Obersten Gerichtshofes, heute beherbergt es ein Ministerium. Anschließend sahen Henry und ich uns den Vogelpark Kuala Lumpurs an und besichtigten die Nationale Moschee, wo uns eine Dame mit den Besonderheiten der Baus vertraut machte und uns von der friedlichen Koexistenz der Religionen in Malaysia berichtete.

Am folgenden Tag flogen Rouven und Stoil zurück nach China, während Henry und ich uns noch für zwei Tage in Port Dickson niederließen. Das Städtchen beansprucht den einzigen Strand in unmittelbarer Nähe zu Kuala Lumpur und ist dementsprechend ein beliebtes Wochenendziel für viele Großstädter. Wir quartierten uns in einem Ressort direkt am Strand ein. Die Qualität des Etablissements war durchaus akzeptabel (2 Zimmer inkl. Küche, Fernseher, Balkon mit Meerblick, Zimmerservice) und auch der Preis war mit 10 Euro pro Person und Nacht alles andere als überhöht. Trotzdem schien uns das ansonsten recht verlassene Ressort nicht recht geheuer, sodass wir nach der zweiten Nacht nicht allzu unglücklich waren, diesen Ort wieder zu verlassen. Ich wäre gern auf eine nette Tropeninsel gefahren, aber letztlich habe ich mich auch in Port Dickson gut erholen können. Außerdem konnte ich weite Teile dieses Berichts dort fertigstellen - das ist doch auch etwas wert!

Fünfeinhalb Wochen waren wir insgesamt unterwegs. Es waren anstrengende aber natürlich auch sehr erlebnisreiche Wochen. Ich werde diese Reise nie vergessen und noch lange darüber berichten. Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Bericht ein wenig an diesem Abenteuer teilhaben lassen. Und solange sich beim Lesen niemand gelangweilt hat, habe ich wohl nicht alles falsch gemacht :) Danke an dieser Stelle an Henry, Stephan, Stoil und Rouven für die tolle Kameradschaft und die vielen unterhaltsamen Stunden. Es war mir eine Freude mit Euch zu reisen.

2011-01-30

Südostasien erleben - Kambodscha und die Tempel von Angkor

Grenzübergang nach
Kambodscha
Den wohl ungewöhnlichsten Grenzübergang auf unserer Reise fanden wir zwischen Vietnam und Kambodscha vor: Wir waren mit dem Boot auf einem Ausläufer des Mekong in Richtung Phnom Phen unterwegs, als wir plötzlich an einem unscheinbaren blau-grauen Häuschen festmachten. Alle Passagiere mussten von Bord; die Pässe inkl. einer Bearbeitungsgebühr von 25 USD hatte man uns bereits vorher abgenommen. Wir warteten ein paar Minuten, dann durften wir wieder zurück aufs Boot. Nach wenigen hundert Metern stoppten wir erneut, diesmal vor einem klapprigen Pier, hinter dem auf einem blauen Schild geschrieben stand: Kaamsamnar-Kohrokar International Border Check-Point Police Station. Wir nahmen auf einer Bank im Schatten Platz, während ein paar Beamte eifrig die Visa in unsere Pässe klebten. Am Ende der etwas langwierigen aber an gutem Service kaum zu übertreffenden Prozedur hatten wir ein grünes Visum des Königreichs Kambodscha sowie ein halbes Dutzend zusätzlicher Stempel in unserem Pass. Stressfreier geht es kaum. 

Auf unserem Weg nach Phnom Phen machten wir uns mit der leidvollen Geschichte Kambodschas vertraut und uns wurde bewusst, warum die Menschen hier unter dermaßen ärmlichen Verhältnissen leben: Das Reich der Khmer, wie sich die Kambodschaner selbst nennen, war lange Zeit eine hoch entwickelte Kultur. Die Khmer errichteten beeindruckende Tempel, widmeten sie buddhistischen und hinduistischen Gottheiten und festigten durch erfolgreiche Schlachten ihre Vormachtstellung in Indochina bis hinein ins 14. Jahrhundert. Dann jedoch geriet das Land von Seiten der Cham auf dem Gebiet des heutigen Vietnams und westlicher Thaistämme unter Druck und verfiel zu einem Versallenstaat, die Hauptstadt musste 1431 von Angkor nach Phnom Phen verlegt werden. Im 19. Jahrhundert wurde das Land zu einem Protektorat Frankreichs. Immer wieder kam es zu blutigen Konflikten. Erst 1954 erlang das Land die Unabhängigkeit, nachdem es über Jahrhunderte zwischen Cham, Thai, Franzosen und zuletzt Japanern aufgeteilt worden war. Es folgte eine 10-jährige friedliche Phase, in der Kambodscha eine strikt-neutrale Position gegenüber den Supermächten des Kalten Krieges einzunehmen versuchte, damit jedoch erst recht zwischen die Fronten geriet: Während des Vietnamkrieges wurde Kambodscha von amerikanischen Flächenbombardements erschüttert, 1970 kommt es schließlich zum ersten von drei Bürgerkriegen, die nur von einer Terror-Herrschaft der "Roten Khmer" und einer blutigen vietnamesischen Besetzung unterbrochen wurden. Erst Mitte der 90er Jahre kehrte Frieden in das Land ein. Zurück blieben hunderttausende Opfer und Millionen von Landminen. 

Phnom Phen

Heute ist neben der Landwirtschaft der Tourismus die treibende Kraft in Kambodscha. Viele Südostasien-Reisende besuchen die berühmte Tempelanlage Angkor Wat nahe der Stadt Siem Reap. Doch auch die Hauptstadt Phnom Phen kann sich sehen lassen! Es gibt viele kleine Bars und Restaurants, die sich qualitativ und preislich auf ihre westlichen Besucher eingestellt haben. Mit Moped-Rikschas, den sog. Tuk-Tuks, kommt man überall günstig hin und auch die Hotels in der Stadt sind alles andere schlecht. Wir nächtigten im Hostel Encounters im überschaubaren Zentrum. Der Besitzer, ein aus England zugewanderter, freundlicher Mann namens Martin, gab uns einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten Phnom Phens und versicherte uns, dass es auch nachts vollkommen ungefährlich sei, durch die Straßen zu laufen (nur Taschen jedweder Größe solle man besser nicht herumtragen). Guten Gewissens machten wir uns also auf den Weg, sahen uns eine weiße Pagode an und liefen im Anschluss an ein verspätetes Abendessen noch über den örtlichen Nachtmarkt, auf dem Jugendliche gerade eine Art Gesangswettbewerb veranstalteten.

Königspalast von Phnom Phen
Mit diesen positiven Eindrücken im Kopf und einem kostenlosen Frühstück im Magen begannen wir am nächsten Morgen unsere eigentliche Stadtbesichtigung. Bei drückender Hitze schlenderten wir entlang des Tonle Sap Flusses nach Süden, wo sich ein beeindruckender buddhistischer Tempel im Stile khmeischer Architektur sowie der Königliche Palast Phnom Phens befindet. Vor dem Tempel steht ein staudenförmiger Turm mit vielen Reliefs, wie er auch für die Tempel von Angkor charakteristisch ist. Im Gegensatz dazu beeindruckt der Königspalast durch seine von unzähligen, schlichten Säulen getragenen und mit gelb-goldenen Dächern versehenen Prunkbauten, die ihrerseits von Skulpturen, Türmen und einer gut gepflegten Gartenanlage umgeben sind. Der Palast wurde erstmals 1434 erbaut und besteht in seiner heutigen Form seit 1866. Die bereits von weitem zu sehenden goldenen Türme auf den Dächern des Palastes symbolisieren den "Wohlstand" des Königreiches - ein krasser Gegensatz zur heutigen Realität wie ich finde.

Ich fühlte mich an diesem Tag nicht besonders, weshalb ich auch auf die Besichtigung der etwas außerhalb der Stadt befindlichen Killing Fields verzichtete. Die Felder zeugen von dem Massenmord der Roten Khmer während des ersten Bürgerkriegs und dienen als eine Art Freilichtmuseum bzw. Mahnmal.
 

Tempel von Angkor 

Angkor Wat
Genesen von den Magenverstimmungen des Vortages bestiegen wir am nächsten Tag einen Bus, der uns zu meinem persönlichen Highlight der Reise bringen sollte: Angkor. Es fällt schwer, die vielen Eindrücke unserer zweieinhalbtägigen Entdeckungstour durch die Ruinen der bis zu 1100 Jahre alten Tempel niederzuschreiben: Die beiden größten Tempel sind der im frühen 12. Jh. errichtete Hindutempel Angkor Wat mit seinen fünf (ursprünglich neun) Lotus-ähnlichen Türmen, die bis zu 65m in den Himmel ragen; sowie Bayon, ein buddhistischer Bau aus dem späten 12. Jahrhundert. Angkor Wat wurde in der Blütezeit des Khmer Imperiums von König Suryavarman II gebaut, nachdem seine Vorgänger das Reich nach Westen und Osten ausgedehnt hatten. Der Tempel ist umgeben von einer Mauer und einem breiten Wassergraben und umfasst eine Fläche von etwa einem Quadratkilometer. Doch es ist nicht nur die schiere Größe Angkor Wats, die den Besucher in ihren Bann zieht, sondern auch die vielen künstlerischen, detailierten Reliefs und Gravuren, die Geschichten über historische Schlachten und mythologische Legenden erzählen. 

Bayon
Bayon auf der anderen Seite ist weniger durch seine Reliefs als vielmehr durch seine riesigen Steingesichter bekannt. Der Besucher kann sich durch die gut erhaltenen Säulengänge auf der ersten Ebene bewegen und sich dann schrittweise der oberen Ebene mit ihren mächtigen Türmen nähern. Der Bayon-Tempel mit seinen 37 Türmen repräsentiert den Höhepunkt einer unerreichten Bau-Kampagne unter König Jayavarman VII, der den Buddhismus zur Staatsreligion erklärte und innerhalb von 40 Jahren u.a. Bayon, die mehrere Tempel umfassende Hauptstadt Angkor Thom sowie die heute zum Teil von Dschungel überwucherten Prunkstücke Ta Prohm und Preah Khan schuf. In den zuletzt genannten Tempeln kann man sich stundenlang aufhalten, dunkle Korridore erkunden und sich wie Indiana Jones fühlen - wären da nicht noch hunderte andere Touristen. 

Ta Prohm
Die Tempelanlagen liegen zum Teil mehrere Kilometer voneinander entfernt, sodass es eigentlich unerlässlich ist, sich ein Fahrrad oder Tuk-Tuk inkl. Fahrer zu mieten. Innerhalb von Angkor Thom, der letzten Hauptstadt des Angkor Reiches, kann man sich frei zu Fuß bewegen und die vielen kleineren Bauwerke wie beispielsweise die Elefanten-Terrassen besichtigen. Für Tempel aus dem 9. und 10. Jh. muss man schon mal etwas weiter raus fahren. Banteay Srey ist einer von ihnen. Er liegt 38km nördlich von Siem Reap und dient als beeindruckendes Beispiel klassischer Khmer Kunst. Tiefe, sehr feine und gut erhaltene Reliefs auf rotem Stein machen den Hindutempel zu einem Besuchermagneten erster Güte. Aus der gleichen Zeit stammt der Tempel-Berg Phnom Bakheng, der als erster Tempel der neuen Hauptstadt Angkor im Jahre 893 fertig gestellt wurde und heute als bester Ort für das Betrachten des Sonnenuntergangs gilt.



Wie gesagt, es ist schwierig all diese Eindrücke in Worte zu fassen und ich muss gestehen, dass mir auch das Wissen fehlt, detailliert über die kulturellen und geschichtlichen Hintergründe zu schreiben. Ich hoffe trotzdem, dass dieser kurze Abriss (und die dazugehörigen Bilder) einen kleinen Eindruck von der Bedeutung dieses Ortes geben können. Ich kann nur jedem empfehlen, sich Angkor einmal selbst anzuschauen und sich vielleicht auch etwas mehr Zeit zu nehmen, als wir es getan haben...

Neben den Tempeln besichtigten wir auch das Landminen-Museum, in dem uns ein amerikanischer Freiwilliger von den Bemühungen berichtete, die 5 Mio. noch in Kambodscha vermuteten Minen aus den zahlreichen Kriegen zu beseitigen. Das Museum zeigt alte und neue Techniken der Minenräumung und gibt interessante Hintergrundinformationen über die Konflikte und deren Opfer. Nach diesen überwältigenden Impressionen setzte unsere Gruppe ihre Reise in Richtung Thailand fort. Unser Bus folgte einer über weite Strecken nur rudimentär befestigten Straße, die sich durch die kahlen, trockenen Landstriche und auch durch Dschungel-gleiche Abschnitte schlängelte, vorbei an kleinen Siedlungen und braunen Tümpeln, in denen Kinder spielten und Frauen ihre Wäsche wuschen. Willkommen zurück in der Gegenwart.

2011-01-26

Südostasien erleben - Vietnam

Hanoi & Halong Bucht


Es war bereits später Nachmittag, als wir mit dem Taxi vom Flughafen in der Innenstadt Hanois ankamen. Der erste Eindruck war überwältigend: Die Straßen waren überfüllt mit Mopeds, die wie ein Schwarm Bienen zwischen einem Mix aus vietnamesischen und kolonial-französischen Bauten über den Asphalt rollten. Ein selbst für chinesische Verhältnisse überdurchschnittlich lautes Hupkonzert erfüllte die Luft und an jeder Ecke versuchten geschäftstüchtige Einheimische, ihre (zum Großteil gefälschten) Waren zu überhöhten Preisen an den ortsunkundigen Mann zu bringen. Rikscha-Fahrer waren ebenso prominent vertreten wie die stereotypen, spitzen Reishüte der Vietnamesen, die auf den ersten Blick etwas lächerlich erscheinen, auf den zweiten Blick jedoch einen sehr effektiven Schutz gegen die starke Sonneneinstrahlung bieten.

Das historische Zentrum der Hauptstadt Vietnams ist besonders beeindruckend. Der bereits erwähnte koloniale Baustil, die mediterran gefärbten Fassaden sowie die vielen Straßenhändler verleihen Hanoi einen Charme, wie er mir in Asien so bisher noch nicht begegnet ist. Die Menschen sind freundlich, man muss aber trotzdem immer wieder aufpassen, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Einmal kam etwa eine Frau mit Reis-Hut und einer auf beiden Seiten mit einem Korb behängten Tragestange auf mich zu, legte mir völlig unerwartet die Stange über die Schulter und den Hut auf den Kopf. Für das daraus entstandene Foto verlangte die Dame anschließend 1 USD oder den äquivalenten Betrag von 20000 in der einheimischen Währung Dong. So wird's gemacht! Auch das Essen in Vietnam ist erste Klasse: In einer der vielen belebten Seitenstraßen nahmen wir vor einem kleinen Restaurant Platz, auf dessen Speisekarte sich lediglich ein Gericht befand. Es war ein Teller mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten, die man sich auf einem Rost selbst braten und mit einer delikaten Limetten-Soße würzen konnte. Großartig! Später genehmigten wir uns noch eine Runde einheimischen Biers und beendeten den Abend in einem kleinen Café. 

Halong Bucht
Die nächsten drei Tage verbrachten wir in der Halong Bucht, die unter Vietnamesen als schönstes Naturwunder des Landes gehandelt wird. Die Anfahrt mit dem Minibus (Betonung liegt auf dem Wort Mini) war ziemlich beschwerlich und bis wir auf das Boot zu unserer eigentlichen Destination, Cat Ba Island, steigen konnten, verging aus Gründen vietnamesischer Desorganisation auch eine knappe Stunde. Doch die Fahrt durch die Bucht mit ihren aus dem Wasser ragenden Felsen war die Wartezeit definitiv wert. Auf dem Boot trafen wir zwei deutsche Studentinnen, mit denen wir und auf Anhieb gut verstanden und die uns an den folgenden Tagen auf quasi allen Touren durch die Bucht begleiteten. Unser Hotel auf Cat Ba hatte das beste Preis-Leistungsverhältnis, dass mir in Asien bisher untergekommen ist: 2-Mann Zimmer mit Blick auf die Bucht, sehr sauber, schicke Einrichtung, freundliche Bedienung, Wäscheservice. Und das für nur 4 USD die Nacht. Die Tage in der Bucht verflogen wie im Flug: Bootstouren, Höhlenbesichtigungen, Kajaktouren. Wäre das Wetter nicht so trist und kühl gewesen, hätten wir auch Schwimmen und Schnorcheln gehen können. Für den Norden Vietnams kann ich daher nur empfehlen, in der warmen Jahreszeit anzureisen, dann kann man auch die ganze Pracht dieser Region genießen.

Wie eigentlich überall in Südostasien finden sich in der Halong Bucht sogenannte Schwimmende Dörfer und Märkte. Einheimische Fischer haben sich hier ihre Häuser direkt neben bzw. über ihre Fischfarmen auf dem Wasser errichtet. Dort leben sie mit Kind und Hund, fahren tagsüber auf das Meer hinaus oder verdienen sich alternativ mit dem Verleih von Kajaks an Touristen ein paar Dong dazu.

Ho Chi Minh Mausoleum
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließen wir nach zwei Tagen Halong in Richtung Hanoi. Lachend deshalb, weil wir uns nach anderthalb Wochen mit eher minderprächtigem Wetter auf die tropischen Temperaturen im Süden freuten; weinend, weil wir hier ohne Probleme noch mehrere Tage hätten verbringen können. Zurück in Hanoi quartierten wir uns in dem an dieser Stelle besonders positiv hervorzuhebenden Hanoi Backpackers Hostel in der historischen Innenstadt ein und erkundeten den verbleibenden Tag über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dazu gehören der Flaggenturm und das daneben liegende Militärmuseum (beide waren an diesem Tag - wie an jedem anderen Freitag auch - leider geschlossen), das Mausoleum des vietnamesischen Unabhängigkeitshelden Ho Chi Minh, dessen Abbild überall im Land und nicht zuletzt auch auf den Geldscheinen zu finden ist, sowie der Tempel der Literatur, ein konfuzianischer Tempel , in dem lange Zeit die geistige Elite des Landes ausgebildet wurde.

Hanoi ist eine sehr übersichtliche Stadt und die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtkern, was das Mieten von Fahrrad-Rikschas eigentlich überflüssig macht. Wer sich trotzdem einmal im kolonialen Stil für wenige Dollar durch die Stadt chauffieren lassen will, kann das natürlich tun. Nur sollte man den Preis bis zum Ziel unbedingt vorher vereinbaren, damit man am Ende keine bösen Überraschungen erlebt. Und anders als in China kommt man prima ohne Kenntnisse der Landessprache zurecht: Englisch und z.T. Französisch sind weit verbreitet und selbst auf den bunten Märkten der Stadt kann man mit rudimentärem Englisch das ein oder andere Schnäppchen erhandeln. Eine sehr schöne Stadt, die ich mit Sicherheit nicht das letzte Mal besucht haben werde...


Saigon und die Sanddünen von Mui Ne


Am Flughafen von Saigon trafen wir das letzte Mitglied unserer nun fünfköpfigen Reisegruppe, Stoil. Es war bereits spät und wir hatten noch kein Zimmer gebucht, sodass wir uns auf gut Glück per Taxi in eine belebte Touristen-Straße fuhren ließen. Die Dame an der Rezeption des ersten Hotels sprach Deutsch und teilte uns mit, dass es keine Zimmer mehr gebe und dass in der Stadt auch sonst alles ausgebucht sei. Etwas verunsichert zogen wir weiter, stellten aber bereits am nächsten Hotel fest, dass es durchaus noch reichlich Unterkünfte gab, für die man auch kein Vermögen berappen musste. Nach dem Einchecken genehmigten wir uns einen Willkommensdrink in einer Straßenbar voller Menschen und blickten mit Vorfreude auf die Erkundung Saigons am nächsten Tag...

Saigon heißt offiziell eigentlich Ho Chi Minh Stadt, wird aber von den meisten Leuten nach wie vor bei seinem alten Namen genannt. Überall im Zentrum ist der sozialistische Einschlag deutlich zu sehen; gelbe Sterne auf rotem Grund hängen an jedem zweiten Baum und viele Gebäude wie die Regierungspalast oder das Ho Chi Minh Museum hätten in dieser Form auch in der ehemaligen DDR stehen können. Ebenso wie in Hanoi dominieren Mopeds und tausende scheinbar planlos zwischen den Häusern aufgespannte Stromleitungen das Straßenbild. Händler kommen bis ins Restaurant oder die Hotellobby, um ihre Bücher, Sonnenbrillen oder Tabakwaren an den Mann zu bringen. Und auch wenn ich eigentlich kein Freund von Klischees bin muss ich doch sagen, dass jenes Klischee des älteren weißen Herren auf der Suche nach einheimischen Frauen mit kindlichen Gesichtszügen und modelgleichen Figuren hier des Öfteren zu beobachten ist.


Kriegsmuseum von Saigon
Wir liefen durch den für Touristen wohl am interessantesten Distrikt 1, durch den zentralen Park, vorbei an Märkten und Monumenten bis hinunter zum Saigon Fluss, einem braun-gefärbten, nicht besonders einladenden Gewässer, auf dem Transportschiffe und Fischerboote ihre Runden drehten. Die Besteigung des einzigen Wolkenkratzers der Stadt, des Bitexco Financial Towers, ließen wir dank des horrenden Preises von 20 USD pro Person bleiben und investierten ein Teil dieses Geldes lieber in ein lokales Restaurant, bevor wir uns schließlich vorbei an der eindrucksvollen City Hall zum Kriegsmuseum begaben. Das Museum sollte man auf jeden Fall gesehen haben: Es vermittelt einen gut dokumentierten Eindruck von den Schrecken des Vietnamkrieges und der jahrzehntelangen Besetzung des Landes und erinnert mit unzähligen Bildern von Kriegsopfern und bis heute mit Behinderungen geborenen Dioxin-Geschädigten, warum es solche Kriege nie wieder geben darf.

Neben dem Museum kann man sich noch die im Vietnamkrieg von den Guerilla-Kämpfern des Vietkong angelegten Tunnel anschauen, was wir aus Zeitgründen jedoch nicht mehr zustande gebracht haben. Stattdessen bestiegen wir einen Bus in Richtung Mui Ne, einem Kitesurf-Paradies fünf Autostunden nördlich Saigons. Wie überall in Vietnam war der Hinweis des Reiseführers, Dinge würden mitunter länger dauern als erwartet, auch hier wörtlich zu nehmen. Der Bus startete mit deutlicher Verspätung, tuckerte anschließend über die viel befahrene Straße nach Norden, hielt an der obligatorischen Touristen-Falle irgendwo im Nirgendwo und erreichte lange nach Einbruch der Dunkelheit schließlich sein Ziel.

In Mui Ne wartete ein traumhafter Bungalow direkt am Strand auf uns. Eine kleine Strandbar mit ganztägigen Happy-Hour-Preisen stand gleich nebenan und die riesigen Wellen ließen erahnen, warum der halbe Ort Kite- und Windsurfschulen betreibt. Am nächsten Morgen konnten wir die meist russischen Surfer dann auch gleich in Aktion erleben und verstanden, warum alle Restaurants russische Speisekarten im Programm hatten. Der Tag endete genauso faul wie er begonnen hatte - in einer Hängematte unter Palmen. 


Sanddünen so weit das Auge reicht
Doch Mui Ne hat mehr zu bieten als nur weiße Sandstrände und russische Surfer. Unweit der Stadt gibt es neben einem äußerst sehenswerten Fischerdorf gleich mehrere atemberaubende Naturwunder, wie ich sie so nie in Vietnam erwartet hatte. In meiner Vorstellung war Vietnam ein von dichtem Dschungel überwuchertes Land mit kleinen Dörfern und Reisplantagen. Stattdessen fanden wir nur sporadisch bewaldete Landstriche und sogar Wüsten! In Mui Ne gibt es weiße und rote Sanddünen, die man auf organisierten Tagestouren per Jeep erkunden kann. Die Dünen ziehen sich über ein riesiges Areal und könnten in dieser Form sicher auch in der Sahara zu finden sein. Eine spektakuläre Erfahrung! Nach der Dünen-Besichtigung zeigte uns unser Fahrer noch einen kleinen Canyon, der sich mehrere hundert Meter weit durch die trockene Erde gerissen hatte, sowie einen kleinen Bach, der sich seinen Weg entlang einer faszinierenden Kalksteinformation gebahnt hatte. All das lässt sich recht schwer in Worte fassen, von daher schaut Euch am besten die nebenstehenden Bilder an.

Mekong-Delta

Zurück in Saigon bestiegen wir erneut einen Bus, diesmal jedoch in Richtung Süden. Wir hatten eine 3-Tagestour durch das Mekong-Delta bis hinauf in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Phen gebucht. Ich hätte am liebsten auf eine allzu touristische Tour mit all ihren unnötigen Attraktionen verzichtet. Doch ohne Reiseveranstalter scheint man in Vietnam nicht von A nach B zu gelangen, sodass wir uns letztlich doch dafür entschieden. Der Bus stoppte an einem buddhistischen Tempel mit einer übergroßen, sehr beleibten Buddha-Figur, und erreichte nach drei Stunden einen Arm des mächtigen Mekong Flusses. Mit Unmengen an Sonnencreme und großen Hüten ausgestattet bestieg unsere Reisegruppe ein kleines Boot, das uns flussaufwärts in eine nur spärlich besiedelte Ecke des Mekong-Delta schipperte, wo wir zu Mittag aßen und anschließend eine traditionelle Kokos-Schokoladen-Produktionsstätte besichtigten. Es folgte eine kurze Fahrt mit kleinen 4-Mann Booten durch die schmalen, von Mangroven überwucherten Adern des Mekong. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir noch mehrere Stunden auf diese Art weiterreisen können. Stattdessen mussten alle nach kaum 10-minütiger Fahrt wieder aussteigen und an der zweiten unnötigen Station des Tages halt machen, um Früchte mit Honigtee zu verzehren und dabei dem eigentümlichen Gesang zweier Dorfbewohner zu lauschen. Selbstverständlich konnte man sowohl den Honig als auch die Musik (in Form einer DVD) käuflich erwerben, was wir jedoch bleiben ließen. Die Tagestour fand in dem Städtchen Can Tho ihr Ende, wo ein moderates Hotel auf uns wartete. Can Tho ist eine kaum touristisch erschlossene Stadt, in der man noch das "richtige" Vietnam erleben kann. Wir liefen ein wenig durch die Straßen, besichtigten den örtlichen Nachtmarkt und ließen den Abend in einem Café ausklingen. 

Das Highlight des zweiten Tages war definitiv der schwimmende Markt von Can Tho. Auf einem Seitenarm des Mekong versammeln sich hier morgens mehrere Hundert Händler mit ihren Booten und verkaufen Gemüse, Blumen oder auch Kaffee. Die Einheimischen kommen ihrerseits mit kleinen Ruderbooten, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. Und natürlich sind die Boote gut situierter Touristen bei diesem Spektakel gern gesehen, bringen sie doch zusätzlichen Absatz. Wir fuhren also durch den Markt, stoppten hin und wieder für Ananas oder Eistee und setzten unsere Reise schließlich fort. Auf dem Programm standen noch eine Produktionsstätte für Kokos-Papier, eine Obstplantage sowie eine Krokodilfarm. Letztere Station war die für mich interessanteste, nicht zuletzt deshalb, weil ich diese Tiere zum ersten Mal mit meinen eigenen Augen sehen konnte.

Kurz vor der kambodschanischen Grenze in der Stadt Chau Doc bezogen wir erneut ein Hotelzimmer, bevor es am nächsten Tag mit dem Schnellboot nach Phnom Phen gehen sollte...

2011-01-18

Südostasien erleben - Guangzhou, Shenzhen und Hong Kong

Südostasien - ein Traum wird wahr! Schon immer wollte ich durch die Straßen von Hong Kong und Bangkok streifen, mit dem Boot durch Mangrovensümpfe fahren und die weltberühmten Tempel von Angkor im kambodschanischen Dschungel mit eigenen Augen sehen. Durch mein Studium in Peking bot sich mir die einmalige Möglichkeit, diese Pläne ohne große Umstände und vor allem ohne hohe Kosten zu realisieren. Positiver Nebeneffekt: Mir blieben fünf Wochen im eisigen Peking erspart und ich konnte die Blässe in meinem Gesicht durch etwas Sonnenbräune ersetzen...

 Guangzhou

Smogwolke über Guangzhou
Vor uns lag ein aufregender Urlaub, der uns durch nicht weniger als sieben Länder führen sollte. "Wir" sind übrigens Henry, ein Freund aus Peking, ich, sowie drei weitere Kommilitonen aus Deutschland: Rouven, Stephan und Stoil. Die beiden letzteren sollten jedoch erst in Hanoi bzw. Saigon zu uns stoßen. Los ging es am 9.1.2011 in Guangzhou, Südchina. Die Stadt ist im deutschen Sprachraum wohl eher unter dem Namen "Kanton" bekannt. Sie liegt etwas nördlich von Hong Kong und ist eine der größten Industriestädte Chinas. Die umliegende Provinz Guangdong gehört zu den reichsten des Landes, was vor allem damit zusammenhängt, dass hier über Jahrzehnte der Handel mit den europäischen Kolonialmächten abgewickelt wurde und seit 1979 mehrere Städte zu Sonderwirtschaftszonen erklärt wurden. Laut diversen Reiseführern ist Guangzhou touristisch eher weniger interessant, dennoch wollte ich es mir nicht entgehen lassen, die vielgelobte südchinesische Freundlichkeit und die kantonesische Küche am eigenen Leib zu erfahren.

Ein ganz offensichtlicher Grund, warum viele Touristen um Guangzhou einen weiten Bogen machen, ist der Smog! Bereits beim Anflug auf die Millionenstadt hieß uns eine dichte Staubwolke willkommen, die den Blick auf die Skyline bzw. die Berge rings um die Stadt vollkommen blockierte. Unser erster Tagesausflug führte uns daher auch in den Bai Yun Shan Park (zu Deutsch "Weiße Wolken Berg") im Norden, um ein wenig durchzuatmen und uns einen Überblick über die Gegend zu verschaffen.



Buddha-Tempel im Baiyunshan Park
Etwas planlos stiegen wir in einen Bus, der uns durch den dichten Verkehr bis zu einer kleinen Seilbahnstation am Südende des Parks brachte. Sehr gemächlich fuhren wir bergauf: Vor uns erhob sich ein Meer von Grün, hinter uns verschwanden die Umrisse der Wolkenkratzer hinter einer undurchdringlichen grauen Wand. Bei unserer Ankunft war Guangzhou nur noch schemenhaft zu erkennen. Neben dem Smog machte uns eine unerwartete Kälte zu schaffen. Anstelle der erhofften 20 Grad plus X mussten wir uns mit 5-10 Grad begnügen. Lediglich mit einem Pullover und einer dünnen Jacke ausgestattet begaben wir uns auf eine mehrstündige Wanderung durch den Park. Der Blick von den zahlreichen Aussichtspunkten war naturgemäß stark eingeschränkt. Stattdessen überzeugte der Park mit seinen sehr gut beschilderten Wanderwegen, einigen kleinen Pagoden und gepflegten Gartenanlagen, die dem gestressten Großstädter offenbar als willkommener Rückzugsort dienen. Bevor wir den Rückweg antraten, besichtigten wir noch einen buddhistischen Tempel, bestehend aus mehreren prachtvollen Hallen. Aus kleinen Lautsprechern tönten die aufgezeichneten Gesänge von Mönchen und der Duft abgebrannter Weihrauchstäbchen erfüllte die Luft. Im Zentrum der Anlage stand ein Baum, der fast gänzlich mit roten Schleifen behängt war, auf denen chinesische Gebete und Wünsche notiert waren.

Guangzhou bei Nacht
Bei unserem späteren Rundgang durch die Innenstadt von Guangzhou sollten wir noch einmal auf einen ähnlichen Tempel treffen. Dort fand zufällig auch gerade eine Messe statt. Sehr interessant! Bis zur Abenddämmerung liefen wir durch die Wohnviertel und Einkaufsstraßen. Letztere waren mit dem Hereinbrechen der Nacht hell erleuchtet und von Menschenmassen bevölkert. Der Tag endete mit einem Rundgang entlang des Pearl River, wo sich uns ein farbenfrohes Lichtermeer offenbarte.

Mit dem International Youth Hostel von Guangzhou hatten wir eine günstige Unterkunft gefunden, die leicht mit der U-Bahn erreichbar war und obendrein an einer verkehrsberuhigten Barstraße direkt am Fluss lag. Abends spielten wir zuweilen Billard und besprachen die Pläne für den nächsten Morgen; morgens genossen wir ein ausgezeichnetes Frühstück, das uns überraschender Weise von einem Deutsch-sprechenden Barmann serviert wurde! 


Fleisch-Verkäufer in Foshan
Auch den zweiten und dritten Tag in Guangzhou waren wir vor allem zu Fuß unterwegs. So besichtigten wir die berühmte Militärakademie Whampoa, die 1924 von Chinas erstem republikanischen Präsidenten, Sun Yatsen, gegründet worden war, um das zersplitterte Reich militärisch zu einen. Die Akademie nimmt in der chinesischen Geschichte eine Schlüsselstellung ein, nicht zuletzt deswegen, weil dort Offiziere ausgebildet wurden, die sich wenige Jahre später im Chinesischen Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten gegenüber standen. Ein Museum führt den Besucher durch die moderne chinesische Geschichte von den Opiumkriegen bis zur Machtübernahme Maos 1949. Ich persönlich fand die Ausstellung sehr gelungen. Schade nur, dass viele Exponate und Bilder zum Ende hin nur noch mit chinesischen Beschriftungen versehen waren.

Der letzte Tagesausflug führte uns nach Foshan, einem Vorort von Guangzhou, wobei das Wort "Vorort" etwas unpassend scheint, schließlich leben in Foshan selbst bereits üppige 5 Mio. Menschen! Eigentlich hatte ich geplant, dort eine riesige Buddha-Statue zu besichtigen. Doch es stellte sich heraus, dass sich die Statue irgendwo in einem unerreichbaren Außenbezirk befand. Stattdessen sahen wir uns also das Zentrum der Stadt an, das früher für seine Keramikindustrie bekannt gewesen sein soll und sich auch im Bereich des Kampfsports einen Namen gemacht hat. Eine Art Tempel zeugt heute von den berühmten Kampfsportlern, die in Foshan gelehrt oder gelernt haben, darunter auch der in die Hollywood-Annalen eingegangene Bruce Lee. Ansonsten hat die Stadt aber eher wenig zu bieten. Erwähnenswert ist vielleicht noch die überdurchschnittliche Verbreitung von muslimisch-chinesischen Händlern und Restaurants. Bei einem solchen genossen wir nämlich ein hervorragendes Mittagessen, das wir in dieser Form noch nirgends sonst in China bekommen hatten.

Shenzhen

Bevor wir unsere Reise nach Hong Kong fortsetzten, stand noch Shenzhen auf dem Programm. Den wenigsten Nicht-Sinologen oder anderweitig mit China in Verbindung stehenden wird diese Stadt ein Begriff sein. Doch wie keine andere Metropole spiegelt Shenzhen den Aufstieg Chinas in die erste Liga der wirtschaftlichen Global Player wider. Vor 30 Jahren stand an dieser Stelle nicht mehr als ein Fischerdorf. Dann entschloss sich die Regierung, ein Experiment zu wagen und dort die erste Sonderwirtschaftszone des Landes einzurichten, wo im kleinen Rahmen ausgelotet werden sollte, inwieweit marktwirtschaftliche Kräfte das Land zurück auf den Wachstumspfad bringen könnten. Das Ergebnis war überwältigend: Heute ist Shenzhen die reichste Stadt Chinas, hat 9 Mio. Einwohner und gilt nach wie vor als Magnet für ausländische Investoren. 

Shenzhen bei Nacht
Wir begannen unsere Besichtigung mit einem Fußmarsch zu einem kleinen Park im Südwesten der Stadt. Zum ersten Mal auf unserer Reise bekamen wir das offene Meer zu Gesicht; und zum ersten Mal konnten wir (zumindest in der Ferne) die Berge des an Shenzhen grenzenden Hong Kong erkennen. Auf gut Glück bestiegen wir einen Bus in die Innenstadt, wo moderne Hochhäuser in den Himmel ragen und sich teure Edelboutiquen aneinander reihen. Bei einem Kaffee ließen wir die quirlige Atmosphäre auf uns wirken, dann begann es auch schon zu dämmern. Die hereinbrechende Dunkelheit erlaubte es mir, ein paar experimentelle Fotos zu schießen, die das rasant vorbeiziehende Leben in der Stadt festhalten sollen...

Nach unserer Rückkehr zum Hostel versuchten wir noch ein günstiges Restaurant zu finden, mussten jedoch schnell feststellen, dass unsere Geldbörsen für die Speisekarten in dem umliegenden Künstlerviertel nicht groß genug waren. Schließlich fanden wir doch noch eine preisgünstige chinesisch-japanische Küche und fielen dann erschöpft in unsere Betten.

Hong Kong

Am nächsten Morgen brachen wir zu einem meiner persönlichen Highlights auf dieser Reise auf: Hong Kong. Bis dahin hatte ich von vielen Seiten nur Positives über diese Stadt gehört und war dementsprechend enthusiastisch, diese Erfahrung nun endlich auch einmal selbst zu machen. Die Reise von Shenzhen nach Hong Kong könnte einfacher nicht sein: Man nimmt schlichtweg die U-Bahn! Ab der Grenze muss man sich zwar ein wenig gedulden, kann sich dank europäischem Pass aber an den langen Schlangen chinesischer Touristen vorbei schlängeln und ohne umständliche Visaformalitäten einreisen. Auf der anderen Seite angekommen besteigt man erneut eine U-Bahn, die einen zunächst überland durch die recht spärlich besiedelten New Territories im Norden der Stadt fährt. Erst mit der Ankunft im Stadtteil Kowloon wird aus dem Zug tatsächlich auch eine U-Bahn.

Kleiner historisch-kultureller Hintergrund zu Hong Kong: Die Finanzmetropole war ein Jahrhundert lang britische Kolonie, genoss politisch aber weitgehende Unabhängigkeit und konnte durch eine sehr liberale Wirtschaftspolitik zu einem der wichtigsten Handels- und Finanzzentren in Südostasien aufsteigen. 1997 ging das Territorium zurück an China und es wurde vertraglich festgehalten, dass Hong Kong für 50 Jahre sein bestehendes politisches System und seine Autonomie behalten dürfe. Für mich als Sinologen ist noch interessant, dass in Hong Kong nicht die in Festland-China gebräuchlichen, vereinfachten Kurzzeichen verwendet werden, sondern die weitaus komplexeren traditionellen Schriftzeichen, die heutzutage ansonsten nur noch in Taiwan üblich sind. Hinzu kommt, dass in Hong Kong kein Mandarin sondern Kantonesisch gesprochen wird. Das bedeutet, dass die Menschen hier zwar nach wie vor chinesische Zeichen verwenden, diese aber komplett anders ausgesprochen werden als zumindest ich es gelernt habe. Unsere gebündelten Chinesisch-Kenntnisse waren damit nahezu wertlos und wir konnten uns nur noch mit Englisch behelfen. Das ist in Hong Kong "dank" britischer Kolonialherrschaft jedoch unproblematisch! 

Blick vom Victoria Peak über Hong Kong
Was muss man sonst noch über die Stadt wissen? Nun ja, Wohnraum ist vor allem in der Innenstadt äußerst begehrt, was zum einen dazu führt, dass die Preise für Hotelzimmer fast nicht bezahlbar sind, zum anderen muss man sich (zumindest im Low-Budget-Segment) meist mit fensterlosen Mini-Apartments begnügen. Wie man es von einer ehemaligen britischen Kolonie erwartet wird in Hong Kong links gefahren. Taxis sind allesamt rote Toyotas aus den 90er Jahren und Doppeldecker-Touri-Busse, wie man sie aus London kennt, sind aus Hong Kong auch nicht wegzudenken.

Wir erkundeten die Stadt an unserem ersten Tag zu Fuß; liefen von unserem Hostel im Zentrum Kowloons in Richtung Hafen, wo sich die weltberühmte Hong Konger Skyline bestaunen lässt. Mit der Star Ferry setzten wir anschließend nach Hong Kong Island über, von der aus man den wohl besten Blick auf die Skyline genießen kann. Auf der anderen Seite angekommen, begaben wir uns zur Peak Tram, einer Bahn, die die Besucher den steilen Abhang des sich über die Stadt erhebenden Victoria Peaks hinauf fährt. Die Peak Tram gilt als ein touristisches Highlight Hong Kongs und ist entsprechend beliebt. Die mitunter lange Wartezeit und der stolze Preis von HK$55 sind jedoch gut angelegt: Oben wartet eine futuristische Aussichtsplattform, die bei gutem Wetter einen famosen Blick auf Hong Kong Island und das gegenüber liegende Kowloon gewährt.




Mit der Dämmerung wurde die Stadt von einer dichten Nebel- bzw. Smogwolke verhüllt, sodass wir kaum die Umrisse der Wolkenkratzer erkennen konnten. Gegen halb sieben hatte schließlich die Dunkelheit die Oberhand gewonnen und Hong Kong erstrahlte in seinem vollen Glanz. Ein unvergesslicher Anblick! Erschöpft und hungrig traten wir die Rückfahrt zu unserem Hostel an. Doch das erhoffte Abendessen verzögerte sich, da wir in unserem Viertel einfach keine bezahlbaren Restaurants fanden (erst am letzten Abend stieß ich zufällig auf eine einsame Seitenstraße mit günstigen lokalen Küchen en masse). In letzter Verzweiflung kehrten wir bei der Fastfood-Kette mit dem goldenen "M" ein. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein...

Buddha auf Lantau Island
Am zweiten Tag stand die zweite große Insel Hong Kongs, Lantau Island, mit ihrer gewaltigen Buddha-Statue auf unserem Plan. Zu erreichen ist diese entweder zu Fuß über einen längeren Trampelpfad, oder aber über eine 5,7km lange Seilbahn. Wir wählten aus Effizienzgründen die komfortablere aber leider auch kostenintensivere Variante, die mit einem 360°-Blick und einem Kristall-Glasboden beworben wurde. Die Deluxe-Variante mit Glasboden hatte - im Nachhinein betrachtet - optisch zwar kaum einen Mehrwert, allerdings war die Schlange dort deutlich kürzer. Die Seilbahn ist - unabhängig von der Art des Wagens - auch absolut empfehlenswert! Bei gutem Wetter, wie wir es hatten, kann man über die halbe Bucht und den Hong Konger Flughafen blicken, Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen, bevor irgendwann der mächtige Buddha hinter einem Berg auftaucht. Wie es sich für solche touristischen Hot Spots gehört finden sich ringsherum kleine Stände, wo man Miniatur-Buddhas, Räucherstäbchen oder auch einfach nur Eis kaufen kann, bevor der Aufstieg zum Heiligtum beginnt.

Oben angekommen erwartete uns eine heftige Brise und eitler Sonnenschein, der das imposante Bauwerk ins rechte Licht rückte. Wer des Laufens noch nicht überdrüssig ist, kann im Anschluss an die Besteigung des Buddhas noch einem Wanderweg folgen, der zum sogenannten Wisdom-Path führt. Dieser Pfad ist gesäumt von 38 hölzernen Säulen, die allesamt mit Kalligraphie versehen sind und der natürlichen Steigung des Berges folgen. Nach nicht ganz vier Stunden fuhren wir mit der Seilbahn zurück ins Tal. Die zweite Hälfte des Nachmittags habe ich schließlich damit verbracht, meinen fast fünf Monate in die Länge gewachsenen Haaren einen frischen Sommerschnitt verpassen zu lassen. Der Vorher-Nachher Vergleich fiel durchaus positiv aus, auch wenn mich der Kahlschlag zunächst etwas erschrak. 


Abends waren wir fest entschlossen, das Hong Konger Nachleben unsicher zu machen. Rouven hatte aus unserem Reiseführer ein paar Tipps für Bars und Clubs im Stadtteil SoHo rausgesucht. Nach SoHo kommt man über den sog. Midlevel-Escalator, einer über 800m langen, überdachten Rolltreppe, von der man jederzeit absteigen kann. Bis zur gewünschten Bar muss man allerdings noch selbst laufen. Nach einem vorzüglichen Mahl in einer kleinen Hinterhof-Küche bestiegen wir also den Aufzug nach SoHo. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass die meisten Lokalitäten in der Gegend weniger für Studenten als vielmehr für schick angezogene Geschäftsleute zwischen 25 und 35 gemacht waren und entsprechend utopische Preise verlangt wurden. Wir genossen einen Drink, zogen ein wenig durch die Straßen und fanden schließlich auch einen der vom Reiseführer angepriesenen Clubs, der sich jedoch als kleine dunkle Bar mit DJ-Pult entpuppte, indem wir den Altersdurchschnitt um vermutlich 10 Jahre gesenkt hätten. Lange Rede kurzer Sinn, SoHo ist für Backpacker wohl eher die falsche Adresse. Nächstes Mal besser informieren und nach Möglichkeit lokale Kontakte konsultieren, dann kann man in Hong Kong mit Sicherheit auch richtig gut Party machen :) 

Hong Kong Park
Der letzte Tag hat mir persönlich fast am besten gefallen: Wir schliefen etwas länger als sonst und fuhren mit der Metro in den Stadtteil Central auf Hong Kong Island, wo wir zuerst durch den Finanzdistrikt schlichen und es uns anschließend im Hong Kong Park bequem machten. Bei herrlichem Wetter konnten wir dort nach über einer Woche Dauer-Stadtbesichtigung die Seele baumeln lassen, an den künstlichen Teichen Schildkröten und Vögel beobachten und die umstehenden architektonischen Leckerbissen bestaunen. In dem Park befindet sich auch das älteste noch erhaltene Gebäude Hong Kongs, ein früheres britisches Offiziershaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem zur Zeit unseres Besuchs eine Tee- und Porzellanausstellung zu sehen war. Auf unserem Rückweg zum Hafen kamen wir auch am Verfassungsgericht (Court of Final Appeal) und dem Parlament (Legislative Council) vorbei, die zwischen all den Hochhäusern der Stadt schon ein wenig verloren wirken.

Mit der Star Ferry ging es zurück nach Kowloon, wo wir am Abend mit Tanja, einer Freundin aus Deutschland, an der Hafenpromenade verabredet waren. Wie jeden Abend fand um 20 Uhr an selbiger Promenade eine spektakuläre Lichtershow statt, die die ohnehin beeindruckende Skyline in ein farbenfrohes Häusermeer verwandelte. Und als wäre der Abend noch nicht perfekt genug gewesen, führte uns eine Bekanntschaft Tanjas in ein hervorragendes Restaurant in Central, wo wir zwar eine halbe Stunde für einen Tisch anstehen mussten, dafür aber auch superleckeres Essen zu überraschend günstigen Preisen verspeisen durften. Diese Erfahrung bestätigt meinen Eindruck, dass man in Hong Kong wirklich alles für jeden Geldbeutel bekommt, solange man weiß wo man suchen muss. Klasse! Die drei Tage waren wie im Flug vergangen, schon am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Schnellzug zurück nach Guangzhou, wo wir unseren 4. Mitfahrer Stephan trafen und mit dem Flugzeug in Richtung Vietnam aufbrachen. Goodbye Hong Kong; Indochina, wir kommen! ABER, ich komme mit Sicherheit wieder...