2008-06-22

The Wild West: Eine Reise durch Kalifornien, Nevada und Arizona

Es waren die wohl am meisten herbei gewünschten zwei Wochen während meines Freiwilligendienstes in den Staaten: Nach über zehn Monaten ohne richtigen Urlaub und mit ersten Anzeichen leichter, arbeitsbedingter Ermüdungserscheinungen stand am 10. Juni 2008 endlich der Tag vor der Tür, an dem Florian und ich den über Wochen geplanten Trip ins sonnige Kalifornien antreten würden. Hin- und Rückflug waren gebucht, ein Auto gemietet und auch an guter Laune sowie Vorfreude auf die geplanten Aktivitäten rings um San Francisco, Los Angeles und Las Vegas sollte es keinesfalls mangeln! Also, seit gespannt auf den folgenden Erlebnisbericht von meinem Urlaub an der "Westcoast". Und da jeder weiß, dass Bilder mehr sagen als Tausend Worte, habe ich mir auch die Mühe gemacht, die 1300 auf meiner Reise aufgenommenen Fotos zu sortieren und einige Bildergalerien online zu stellen. Viel Spaß!


San Francisco

Unsere Reise sollte in der von mir mit Hochspannung erwarteten Metropole San Francisco beginnen, wo wir am Dienstag Nachmittag nach mehrstündigem Flug mit Zwischenstopp im texanischen Houston und drei übersprungenen Zeitzonen wohlbehalten ankamen. Ein Shuttle-Service brachte uns anschließend in die Greenstreet, nur wenige Blöcke von der San Francisco Bucht. Ein kleines Zimmer, welches Florian über die Internetseite Couchsurfing entdeckt hatte, sollte für die nächsten drei Tage unsere Bleibe sein! "Was?", wird sich da manch einer fragen. "Ihr habt bei einer wildfremden Person übernachtet? Ist das nicht leichtsinnig?". Nun ja, auch ich war zu Beginn eher skeptisch, doch zum einen war der Aufenthalt dort unschlagbar günstig (gratis!), zum anderen schien unser Gastgeber aufgrund seiner vielen positiven Bewertungen mehr vertrauenswürdig als gefährlich zu sein. Wir gingen das Risiko also ein und wurden nicht enttäuscht! Zwar mussten wir es uns auf dem Boden in unseren Schlafsäcken bequem machen, da die umworbene Couch bereits von einem jungen Reisenden aus Estland okkupiert worden war. Doch anderes als in einem Hotelzimmer hatten wir so zumindest Kontakt zu Insidern wie unserem Gastgeber "Emmanuel" und natürlich auch dem recht international aufgestellten "Klientel" (neben unserem estnischen Freund gesellte sich auch noch ein Franzose zu uns).

Doch kommen wir zu San Francisco: Wie die Überschrift bereits andeutet, bin ich von dieser Stadt absolut begeistert! Die ehemalige Hippie-Metropole beeindruckt vor allem durch ihre viktorianische Architektur (trotz zahlreicher Erdbeben und Feuer haben viele dieser im 19. Jahrhundert erbauten Häuser mit ihren verzierten Holzrahmen bis heute Bestand), die hügeligen Straßen, welche einem beim Hinauf- und wieder Herunterlaufen den Atem rauben (im doppelten Sinne des Wortes), das quirlige Nachtleben (Bars und Restaurants findet man hier wirklich an jeder Ecke) sowie die unzähligen Gärten und Parks, die einfach ein angenehmes Klima entstehen lassen. Hinzu kommen natürlich die touristischen Attraktionen wie die Golden Gate Bridge, die sich über den Eingang der San Francisco Bay erstreckt (nämlich der "Golden Gate"), die wohl weltberühmte Gefängnisinsel Alcatraz oder auch die einzigartigen "Cable Cars", die sich unermüdlich über die Hügel schleppen.

Den ersten Tag unseres Aufenthaltes nutzten Flo und ich erst einmal zum Erkunden der Stadt. So führte uns unser Weg zur Lombard Street, wo die Straße derartig steil ist, dass man in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eine mit acht Kurven versehene Zickzack-Straße erbaute, auf der sich heutzutage hunderte Autos nach unten schlängeln - einfach faszinierend! Ein paar Straßen weiter unten begann dann auch schon die Flaniermeile der Stadt - Fisherman´s Wharf nennt sich der Teil der Stadt, wo sich Pier an Pier reiht und kleine Geschäfte versuchen, ihre Waren an die weit hergekommenen Touristen zu bringen. Entlang der Bucht brachten uns unsere Beine schließlich immer näher in Richtung der Golden Gate Bridge. Doch die Dämmerung war nah, sodass wir an einem sehr römisch anmutenden Kuppelgebäude, dem "Palace of Fine Arts", kehrt machten und nach kurzem Halt in einem mexikanischen Schnellimbiss erschöpft zu "Bett" gingen.


Fahrradtour über die Golden Gate Bridge




Der zweite Tag sollte einer der schönsten, aber auch am anstrengendsten der Reise werden: Am frühen Morgen entschieden wir uns, Fahrräder auszuleihen und eine Tagestour entlang der Bucht zu unternehmen. Die ersten Kilometer bis zur Brücke gingen eher schleppend vorüber - nicht etwa weil die Strecke so anspruchsvoll war sondern vielmehr aufgrund der unzähligen Foto-Stopps, deren Häufigkeit zunahm, je näher wir der sich weit über die Bucht spannenden roten Konstruktion kamen. Die Überfahrt gelang uns dann aber doch recht fix - innerhalb von zehn Minuten befanden wir uns auf der anderen Seite der Bucht, machten ein paar Schnappschüsse von der nun bereits winzig erscheinenden Skyline San Franciscos und erklommen zu guter Letzt den Aussichtspunkt, ein ehemaliges Abwehrgeschütz auf den Hügeln nördlich der Golden Gate.


Nach einer kleinen Erholungspause ging es schließlich weiter durch kleine Küstenorte wie Sausalito, bis uns die gut ausgebauten Fahrradstraßen nach einigen Stunden schließlich zum Old Mill Park führten, in welchem es angeblich die höchsten Bäume der Welt geben sollte. Leider kamen uns die Exemplare dort weder hoch noch besonders breit vor, sodass wir mit einiger Ernüchterung wieder den Heimweg antraten, durch etwas unwirkliche Sumpf- und Steppenlandschaften, über die Berge zurück nach San Francisco. Nach Rückgabe der Bikes schlenderten wir noch entlang der Einkaufsmeile Fisherman´s Wharf bis zum Pier 39, einen in eine zweistöckige Shoppingstraße verwandelten Kai, an dessen Westflanke sich hunderte Seelöwen angesiedelt haben, die mit ihren unnachahmlichen Lauten Massen von Touristen aus den Läden ans Wasser locken.



Alcatraz Island

Das wohl berühmteste (ehemalige) Hochsicherheitsgefängnis der Welt lockt jährlich hunderttausende Besucher an. Auch Flo und ich wollten uns "The Rock", wie die Insel auch genannt wird, keinesfalls entgehen lassen. Die Tickets hatten wir bereits vorbestellt, sodass wir am Morgen nur noch die Fähre besteigen mussten und nach 20 minütiger Überfahrt auf dem Pier ausstiegen, wo zwischen 1934 und 1963 Amerikas gefährlichste Verbrecher ihre Haftstrafe antraten. Der vermutlich bekannteste "Gast" auf der Insel war der Mafia-Boss Al ´Scarface´Capone, der allerdings nie wegen Mordes sondern Steuerhinterziehung eingekerkert wurde und der das Gefängnis nach wenigen Jahren wegen "geistiger Instabilität" verlassen durfte.

Wir konnten uns frei auf der Insel bewegen und neben dem Museum auch das Zellhaus bewundern, in welchem wir an einer Audio-Tour Teil nahmen. Interessante Dinge erfuhr man dort: So war die Insel auch das Zuhause der Familien der Wärter mit ihren Kindern, welche tagsüber mit dem Boot aufs Festland zur Schule gefahren wurden, um abends wieder zurückzukehren, meist ohne die Gefangenen überhaupt je zu Gesicht zu bekommen. Außerdem beherbergt die Insel zahlreiche von den Gefängnisinsassen oder Familien angelegte Gärten und ist zudem ein beliebter Umschlagplatz für vorbeiziehende Seevögel (daher auch der Name "Alcatraz", was auf Spanisch "Pelikan" bedeutet).

Ob es je ein Gefangener geschafft hat zu fliehen, ist umstritten: Während des als "Battle of Alcatraz" in die Geschichte eingegangenen Ausbruchsversuchs im Mai 1946 konnten drei Insassen zwar mehrere Wärter überwältigen und deren Waffen in Beschlag nehmen, die Flucht gelang ihnen allerdings nicht. Einer handvoll soll es gelungen sein, die Insel zu verlassen. Doch sie wurden entweder am Ufer wieder eingefangen oder von der Strömung ins offene Meer gezogen und nie wieder gesehen. Doch wer weiß...


Besuch des Coit Tower, Downtowns und Chinatowns


Noch am gleichen Tag stand die Besichtigung Downtowns auf dem Programm. Doch auch der wie ein Leuchtturm dreinblickende Coit Tower im Nord-Osten der Stadt zog uns magisch an. Von dessen Panorama-Plattform hat man einen perfekten 360 Grad Blick über Stadt und Bucht. Und auch die "Transamerica Pyramid", der pyramidenförmige und wohl bekannteste Wolkenkratzer der Stadt, ließ sich von dort oben in voller Pracht bewundern. Wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, marschierten wir durch die Häuserschluchten Downtowns, die im Gegensatz zu New York zwar eher klein erscheinen und sich auch nicht über eine riesige Fläche erstrecken, dafür wirkt in San Francisco alles etwas kreativer und lebendiger: Überall lässt man Platz für den ein oder anderen Garten, die Hochhäuser sind keine grauen Einheitsblöcke sondern zum Großteil freistehende Unikate und die auf den Straßen allgegenwärtigen Cable Cars verleihen dem Stadtteil zusätzlich einen gewissen Charme.


Einige Minuten Fußweg entfernt von Downtown betritt man dann auch schon die lebhaften Straßen Chinatowns. Hier findet man florierende Geschäftigkeit vor, die farbenfrohen Fassaden und chinesischen Schilder machen den Stadtteil zu einem Ort, den man als Tourist in San Francisco auf jeden Fall gesehen haben sollte! Wir schlenderten durch die Straßen, ließen uns in einem Restaurant nieder und nach einem kurzen Halt im Lafayette Park begaben wir uns dann auch endlich auf den Heimweg. Was für ein Marathon-Tag!


Der Golden Gate Park


Freitag sollte auch schon der letzte Tag für uns in San Francisco sein, ein Tag, den wir erstmals etwas ruhiger angehen wollten: Mit dem Bus ging es zum Golden Gate Park, einer riesigen Parkanlage, die sich vom Zentrum der Stadt über drei Meilen bis an den Pazifik erstreckt. Etwas überrascht von der Kälte, die der zwischen den Bäumen hängende Nebel mit sich brachte, zitterten wir uns durch den botanischen Garten, vorbei an diversen Spiel- und Sportplätzen (darunter einer Außen-Bowling-Anlage auf Gras!) bis zum Japanischen Teegarten. Dieser beeindruckte durch seine penible verschnittenen Sträucher, ausgefeilte Teichanlagen und die typisch japanischen Tempel mit ihren geschwungenen Dächern und raffinierten Ornamenten. Weiter in Richtung Westen gelangten wir schließlich in den Rosengarten und wenig später an den sogenannten Stow Lake, einen Ende des 19. Jahrhunderts angelegten See mit einer Insel in der Mitte, auf welcher später ein chinesischer Pavillon errichtet wurde. Auf der Rückfahrt durchquerten wir schließlich die Haight Street, eine lebendige Straße voller junger Läden und pulsierendem Leben. Der Nachmittag sollte schließlich für den Transport unserer Sachen vom Appartement Emmanuels in ein kleines Hostel auf der Mission Street im Süden San Franciscos genutzt werden. Auch diese Straße ist keinesfalls von Traurigkeit befallen: Besonders lateinamerikanische Händler und Bars haben sich hier niedergelassen.

Von unserem Hostel waren es nur wenige Meter zur nächsten BART-Metro Station (steht für Bay Area Rapid Transit, verbindet San Francisco mit dem Flughafen und umliegenden Städten entlang der Bucht). Dort hieß es am Samstag dann auch schon wieder Abschied nehmen von meiner neuen Lieblingsstadt in den Vereinigten Staaten! Am Flughafen war es dann nämlich endlich an der Zeit, selbst das Steuer in die Hand zu nehmen: Nach einigen Querelen über unser Alter (eigentlich muss man 21, manchmal auch 25 Jahre alt sein, um ein Auto zu mieten) konnten wir schließlich das über eine deutsche Website gebuchte Chrysler Cabrio in Empfang nehmen, welches uns in den nächsten sieben Tag quer durch Kalifornien fahren sollte! Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wir angenehm es ist, bei über 30 Grad Celsius ohne Verdeck über die Highways zu düsen!


Yosemite National Park


Yosemite ist der erste Nationalpark Amerikas! Mit seinen anderthalbtausend Meter hohen Granitfelsen, immergrünen Wäldern, gigantischen Wasserfällen, atemberaubenden Seen und Wiesen und nicht zuletzt auch den riesigen Sequoia Mammutbäumen ist dieser Park das für mich beeindruckendste Naturerlebnis auf dieser Reise! Die Schönheit lässt sich nicht in Worte und kaum in Bilder fassen, so riesig und vielseitig ist alles. Dies ist auch der Grund, warum jährlich Millionen Besucher in den Park strömen und unsereins, die wir kein Hotel oder Campingplatz reserviert hatten, erst einmal eine ganze Weile suchen mussten, bevor ein als "voll" deklarierter Zeltplatz nicht weit vom Eingang des Parks sich bereit erklärte, uns doch noch aufzunehmen.

Am Tag unserer Ankunft begaben wir uns auch gleich auf die erste Erkundungstour: Im sogenannten Mariposa Grove suchten wir nach den uns bereits in San Francisco versprochenen höchsten Bäumen der Welt! Und dieses Mal wurden wir nicht enttäuscht: Mit 80 Metern Höhe und bis zu 10 Metern Durchmesser lassen die phänomenalen Sequoia-Trees, die im übrigen bis zu 3000 Jahre alt werden können, alle anderen Bäume wie Setzlinge erscheinen! Ein etwas konfuses System von Schildern ließ Florian und mich bestimmt fünf Stunden durch dieses südlichne Ende des Yosemite Parks wandern, immer auf der Suche nach noch größeren Bäumen. Fündig wurden wir beim "Giant Grizzly", einem Baum, bei dem man sich an den Fantasy-Film "Herr der Ringe" erinnert fühlt, oder auch beim Telescope-Tree, einem nur noch aus Rinde bestehendem Exemplar, welches man von unten nach oben "teleskopartig" durchblicken kann. Durch einige Sequoias wurden übrigens riesige Löcher gesägt, durch die Autos und ganze Lastwagen fahren konnten. Der bekannteste "Tunnel-Tree" ist allerdings vor einigen Jahrzehnten bereits umgekippt - man frage sich nur warum...

Den zweiten Tag unseres Aufenthaltes im Park widmeten wir der Besichtigung des Yosemite Valleys, dem Tal, durch das sich der Merced Ricer schlängelt und welches durch seine steilen Granitwände und bis zu 740 Meter in die Tiefe stürzende Wasserfälle besonders eindrucksvoll ist. Zu Beginn stand ein Stopp auf dem Aussichtspunkt "Glacier Point", von welchem man hinunter ins Tal blicken kann. Auch der sog. Half Dome, zu sehen auf dem Foto links, lässt sich von diesem Punkt hervorragend einfangen. Einige Minuten und viele Schnappschüsse später traten wir dann die Abfahrt ins Tal an. Erst von unten wird einem die Kraft der Natur, die dieses Fleckchen Erde erschaffen hat, richtig bewusst (die Entstehung des Tals konnten wir im Besucherzentrum in Yosemite Village bestaunen). Und damit bei diesem Naturerlebnis auch der Spaß nicht zu kurz kommt, entschlossen sich mein furchtloser Mitstreiter und ich uns für eine Rafting-Tour auf dem durch das Tal fließenden Fluss. Und die 20 Dollar waren gut investiert! Gemächlich ging es den Merced River hinunter, unsere Laune hatte trotz magerem Mittagessen ihren Höhepunkt erreicht und Flo wollte es sich auch nicht nehmen lassen, während eines kurzen Stopps an einer sandigen Uferzone ins eiskalte Gletscherwasser zu hüpfen. Zugegeben, mit dem umworbenen Rafting hatte die Fahrt wenig zu tun, lediglich eine Stromschnelle musste gemeistert werden. Doch ich nehme an, dass bei so vielen (vor allem amerikanischen) Touristen schlicht eine einfache Strecke ausgesucht wurde, um spätere Schadensersatzklagen weitgehend auszuschließen.

Im Anschluss wanderten wir noch bis zum "Mirror Lake", in dessen ruhigen Wassern sich die Felswände spiegeln. Man hat jedoch vor Jahren aufgehört, in die natürliche Entwicklung des Sees einzugreifen, sodass heutzutage ein Großteil der Oberfläche zugewachsen ist. Die letzten Highlights des Nationalparks erblickten wir am Tag unserer Abreise, als wir um halb fünf Uhr morgens in Richtung Osten aufmachten - auf der einzigen Verbindungsstraße weit und breit! Am sog. Olmsted Point heben sich weiße, wie mit Sandpapier abgeschliffene Felsformationen über das darunter liegende Tal, auf ihnen ruhen Findlinge, die von schmelzenden Gletschern vor Jahrtausenden liegengelassen wurden, und vereinzelt sieht man grüne Bäume oder Büsche aus dem Fels wachsen. Einfach unbeschreiblich! Und nur wenige Kilometer weiter östlich entdeckten wir einen Gletschersee, dessen kristallklares Wasser das Licht der aufsteigenden Sonne reflektierte. Da hat sich das frühe Aufstehen doch gelohnt, oder?


Der Mono Lake und das Tal des Todes


Es klingt verrückt, aber es hatte schon einen Grund, dass wir so früh am Morgen aufgebrochen waren: Unser Plan sah vor, an diesem Tag nicht nur auf die andere Seite des Yosemite Parks zum "Mono Lake" zu gelangen, sondern auch noch bis zum Death Valley, dem Tal des Todes, vorzudringen um anschließend möglichst außerhalb der Wüste ein Motel für die Nacht zu finden. Das funktionierte soweit auch ganz gut: Der Mono Lake, ein dem Toten Meer angeblich sehr ähnlicher See, erreichten wir gegen zehn Uhr morgens. Das extrem salzige und kohlenstoffhaltige Wasser macht Leben darin nahezu unmöglich. Und doch versammeln sich an diesem See, der als einer der ältesten der Welt gilt, jedes Jahr Tausende von Seevögeln, die die Nahrungsvielfalt am Ufer offenbar zu schätzen wissen. Das interessante am Mono Lake sind jedoch die Kaltsäulen, die durch chemische Reaktionen unter der Wasseroberfläche entstanden sind und heute aufgrund von Verdunstung und menschlichen Einflüssen an der Oberfläche stehen und dem See damit einen spektakulären Anblick verleihen.
Der ziemlich faulige Geruch hielt uns jedoch nicht lange an diesem Ort, sodass wir uns endlich in Richtung Süden aufmachten. Doch bevor es in die Wüste ging, wurden Mensch und Maschine noch einmal aufgetankt, Wasserreserven gekauft und noch schnell eine letzte SMS an die Freundin abgesandt, dann ging es los! Bereits das erste Hinweisschild zum Tal des Todes flösste unsereins ordentlich Respekt ein: Nicht nur, dass es bereits jetzt fast vierzig Grad hatte, wo wir uns noch über einhundert Meilen entfernt davon befanden, nein auch das Schild selbst sollte mit seinen zahlreichen Schusslöchern wohl schon einmal eine erste Warnung darstellen. Doch Florian kannte kein Erbarmen, die Wüste war ein, wenn nicht der wichtigste Punkt auf seiner Das-Muss-Ich-Sehen-In-Kalifornien-Liste.


Wir fuhren also hinein, stoppten hin und wieder für Fotos von Kakteen oder auch uns selbst auf endlosen, menschenleeren Straßen. Manchmal sahen wir Häuser, stehengelassene Autos oder auch den ein oder anderen Reisebus oder Wagen. Die Temperaturen stiegen bis auf 109 Grad Fahrenheit (also etwa 43 Grad), als wir die erste Passage erreichten, die wir bereits für das Zentrum hielten. Doch Florian wollte mehr! Während ich langsam Angst um unser Auto bekam (bei steilen Bergen ging die Motortemperatur schon etwas nach oben und die Geräusche des Antriebs schienen mir auch nicht mehr normal), überzeugte mich mein abenteuerlustiger Mitreisender zur Weiterfahrt. Rückenwind bekam er von unserem Navi, welches noch etliche Meilen bis zum eigentlichen Todestal anzeigte. Gesagt, getan. Über die nächste Hügelkette und weitere 70 Meilen, dann tauchten endlich Sanddünen in der staubigen Luft auf. Das Quecksilber hatte die 116 geknackt (47 Grad Celsius) und während Florian begeistert in den Dünen verschwand, wünschte ich mir einfach nur ein kühle Briese...
Es war auf jeden Fall faszinierend, dies einmal gesehen zu haben. Doch man kann sich vorstellen, dass ich nach Stunden in der brennenden Sonne froh war, wieder draußen zu sein (wir waren die ganze Zeit mit offenem Verdeck unterwegs - ich weiß was Ihr denkt, wie blöd kann man sein...). Es dämmerte, als wir wieder den ersten richtig belebten Ort am Rande des Highways zu Gesicht bekamen. Jetzt hieß es, noch so weit wie möglich zu kommen, um am nächsten Morgen möglichst schnell die Küste zu erreichen. Die Suche nach einem günstigen Motel fand in Bakersfield ihr Ende: Nach einem Tag der Extreme, an dem wir morgens über gefrorene Straßen schlidderten und nachmittags bei unerträglich heißen Temperaturen durch die Wüste rauschten, fielen wir beide erschöpft aber zufrieden in unsere Kojen. Was wohl der Morgen bringt...?


Südkalifornien und Los Angeles

 
Der achte Tag unserer Reise führte uns von Bakersfield in die bereits wesentlich kühleren Küstenregionen Kaliforniens. Wir besuchten Santa Maria, eine kleine Stadt unweit des Pazifiks, die jedoch abgesehen von Fastfood-Ketten kaum Interessantes für uns bereit hielt, sodass wir nach kurzer Pause weiter in an die Küste fuhren. Der erste Eindruck war jedoch eher ernüchternd: Graue Wolken hingen über dem Meer, es war windig und kalt und weiter als zu den Füßen konnte man kaum ins Wasser gehen, so eisig kalt war es. Doch je weiter wir die Küstenstraße No. 1 nach Süden fuhren, je sonniger und wärmer wurde es! Ziel der Fahrt war Santa Barbara, eine ehemalige spanische Garnisonsstadt, in deren Zentrum ein Kloster steht, welches seit seiner Gründung 1786 durchgängig als solches verwendet worden ist. Die ganze Stadt wurde im Stile mediterraner Architektur errichtet: Weiße Häuserfassaden, mit roten Ziegel bedeckte Dächer und hin und wieder ein Glockenturm bestimmen das Bild, während mit Palmen gesäumte Alleen und gepflegte Gärten eine mediterrane Atmosphäre entstehen lassen, welche man in Amerika eher selten vorfindet.

Etwas weiter südlich von Santa Barbara entdeckten wir schließlich einen Zeltplatz direkt am Meer, in welchem wir die folgenden zwei Nächte verbringen sollten. Auch hier wollte man uns zuerst nicht hereinlassen, doch auf unseren charmanten Hinweis, unser Zelt sei doch sooooo winzig und wir würden sicher noch ein Plätzchen finden, ließ man uns doch passieren und ein Weitersuchen blieb uns erspart. Neben uns hatten Jugendliche ihr Lager aufgeschlagen, die vermutlich ihren Highschool-Abschluss mit Literweise Cola begossen und Würstchen über offener Flamme grillten. Unsereins hatte mal wieder nichts als Brot, Käse und Wurst...

Überraschender Weise war das Meer an dieser Stelle nicht ansatzweise so kalt wie 100 Meilen weiter nördlich. Während die Sonne also langsam im Meer bzw. hinter den Bergen unterging, ließen wir den Abend entspannt bei einem Spaziergang am Wasser ausklingen und machten ein paar richtig klasse Bilder (die aus der Fernsehserie Baywatch bekannten Rettungstürme machen erst erkennbar, dass man sich tatsächlich an der Westküste Kaliforniens und nicht an der Cote d´Azur oder sonst wo befindet). Den Sprung ins kühle Nass wagten wir jedoch erst am nächsten Tag, schließlich stand da noch der Besuch von Los Angeles auf dem Programm und ganz fit waren wir nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage und hunderten zurückgelegten Meilen auch nicht mehr.


Los Angeles, das Zuhause der Hollywood Stars


Wenn man an Los Angeles denkt, denkt man zweifelsohne an Hollywood, die boomende Filmindustrie, Stars und Sternchen oder vielleicht auch an Menschen, die sich mit ihren runderneuerten Adonis-Körpern in der Sonne rekeln. Doch die andere Seite der Medaille ist weniger rosig: Autolawinen rollen tagtäglich durch die Stadt, was dazu führt dass man je zwei Stunden benötigt, um früh morgens hinein und abends wieder hinaus zu gelangen. Es ist laut und ziemlich dreckig und im Grunde gibt es nur zwei Straßen, die man sich als Tourist, wenn überhaupt, angesehen haben sollte: Der Sunset Boulevard im Norden der Stadt mit seinen vielen Clubs und Hotels bildet das Zentrum des Nachtlebens, wird jedoch in diversen Reiseführern auch als Umschlagplatz für Drogen und Gewalt genannt. Die aus den 60er Jahren bekannten, riesigen Billboards (handgemalte Werbeplakate wie etwa für einschlägige Zigarettenwerbungen) gibt es zwar immer noch, allerdings wird heutzutage nicht mehr für sondern gegen den Glimmstängel Reklame gemacht.

Drei Blöcke weiter nördlich findet sich der Hollywood Boulevard oder auch "Walk of Fame", welchen Flo und ich einmal von quer nach schräg durchliefen und vor den wenigen uns bekannten Sternen der Stars posierten. Im Zentrum der Straße befinden sich die Sterne der zur Zeit offenbar besonders berühmten Persönlichkeiten - dort wimmelte es nämlich nur so von Touristen und Personen, die verkleidet als Captain Jack Sparrow, Darth Vader oder Zorro etwas lächerliche Bilder mit Touristen wie uns machten, gegen ein kleines Trinkgeld versteht sich. Ich war ziemlich froh, aus diesem Trubel wieder heraus zu sein. Ein paar Bilder vor dem berühmten Hollywood-Lettern genügten dann auch, um unser beider Gier auf Attraktionen zu befriedigen, bevor wir uns zurück zum Campingplatz aufmachten.

Von den Studios sahen wir leider nicht mehr als die Außenfassaden, was vor allem daran lag, dass so bekannte wie die Universal Studios ein kleines Vermögen verlangen, um in deren mit Freizeitparks vergleichbare Örtlichkeiten zu gelangen. Ich behaupte einfach mal, dass die wirklich interessanten Dinge ohnehin hinter geschlossenen Türen ablaufen, fernab der Touristenmassen. Auch Downtown LA und die etwas betuchteren Wohngegenden wie Bel Air sahen wir nur von weitem. Aber gesehen ist gesehen. Auch wenn LA in keinster Weise mit San Francisco oder auch den meisten von mir besuchten Ostküstenstädten mithalten kann, den Tagesausflug war es sicherlich wert. Auch wollen wir nicht vergessen, dass am Stadtrand mit Santa Monica und Malibu zwei der angeblich schönsten Strände der Welt liegen: Florian, der immer noch Ausschau nach den "schönsten Menschen der Welt" hielt, musste jedoch spätestens dort feststellen, dass die Unterschiede zu Nordsee- oder Mittelmeerstränden gegen Null gehen. Schön war es trotzdem...


Besuch der Geisterstadt Calico


Der zehnte Tag führte uns wieder zurück in die Wüste: Las Vegas hieß das Ziel. Doch zuvor stand noch ein Zwischenstopp in einer Geisterstadt auf unserem Plan. Calico hieß der Ort, in dem man im späten 19. Jahrhundert Silber und anderes abbaute. Doch die Minen waren schnell erschöpft und so wurde Calico zur Geisterstadt. Heute ist es vor allem eines: Ein Touristenmagnet zwischen LA und Vegas! Die ehemaligen Saloons und Läden wurden restauriert und mit Souvenirgeschäften gefüllt und man versucht alles, um die Gäste mit ziemlich billigem Entertainment bei Laune zu halten. Klar, niemand würde eine "Geisterstadt" ansehen, gebe es nicht irgendetwas zu erleben (Amerikaner fühlen sich dann scheinbar schnell gelangweilt, etwas "Action" muss halt sein). Doch meiner Ansicht nach hätte man ruhig den ein oder anderen Saloon im Originalzustand belassen können. Auch den Minen, die extra auf zweieinhalb Meter Höhe ausgebaut wurden, damit sich der zahlende Besucher auch ja nicht den Kopf stößt, hätte ein wenig Authentizität sicher nicht geschadet. Aber was solls, die Mojave Wüste bietet sonst schließlich nicht viel, da kann man sich schon einmal ein oder zwei Stunden diese von tausenden herumgeisternden Touristen heimgesuchte Stadt ansehen, und wenn es nur für eine Runde auf dem ein Mal um Kreis fahrenden Minenzug ist, damit es den Kids nicht langweilig wird. Ist Amerika nicht großartig!



Las Vegas - The Sin City (Nevada)


Etwas mehr Spaß erhofften wir uns da schon von unserem finalen Ziel, der glitzernden Wüstenstadt Las Vegas! Wir waren unserem Plan einen halben Tag voraus, da Los Angeles und Calico weniger Zeit in Anspruch genommen hatten, als wir erwartet hatten. So trafen wir bereits am Donnerstag Abend in unserem Hotel ein, nur unweit vom "Strip" entfernt (so wird die Straße genannt, an der sich Casino an Casino reiht und auf welcher man rund um die Uhr von hell erleuchteten Neonlichtern umworben wird). Die Klimaanlagen liefen auf Hochtouren - selbst nachts hatte es hier noch um die 40 Grad Celsius! Relativ gut erholt von den vergangenen Tagen am Strand nutzen wir den Abend für eine Erkundungstour durch die Stadt: Angefangen am südlichen Ende des Strips, wo das Hotel "Mandalay Bay" steht, vorbei am "Luxor", einem den Pyramiden von Gizeh nachempfundenen Bau (im Original Maßstab versteht sich und mit Obelisk und Sphinx vor der Eingangshalle). Wenn man will kann man alle Casinos der Stadt durchlaufen, ohne ein einziges Mal seinen Fuß auf die Straße setzen zu müssen - alle sind miteinander verbunden. Problem dabei: Die Dinger sind so konstruiert, dass man rein, aber meist nicht wieder hinausfindet, ohne genau den gleichen Weg wieder zurück zu laufen! So irrten wir etwa eine halbe Stunde im "MGM Grand" umher. Unglaublich!
In eben diesem MGM lief zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes übrigens auch die Show des Magiers David Copperfield! Leider sprengten die $100 pro Karte unser kleines Budget, weshalb wir lieber weiter durch das hell erleuchtete Nachtleben der Stadt marschierten. Ich glaube dass diese Shows für Vegas sogar die Haupteinnahmequelle darstellen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Magie, Zirkus, Musical, Konzert oder Sportevent. Wer Geld hat, kann sich in der "Stadt der Sünde" ganzjährig unterhalten lassen. Das gilt vor allem, wenn man über 21 Jahre alt ist: Viele Bars locken zwar mit kostenlosem Eintritt oder Freigetränken, doch wie bei den Casinos auch muss man mit unter 21 draußen bleiben. Nun ja, wir zwei haben dadurch sicher eine menge Geld gespart.

Doch auch ohne Glücksspiel und Party kann man seine Zeit in Vegas ganz nett über die Runden bringen: Das "New York, New York", ein der Millionenstadt nachempfundenes Ressort, lockt mit Achterbahnfahrten, das "Bellagio" verzaubert Vorbeilaufende alle fünfzehn Minuten mit choreografierten Fontänen-Shows auf dem hauseigenen Riesenpool, im "Paris" kann man den Eiffelturm hinauffahren und das "Venetian" lädt zu Gondelfahrten rings um das Hotel ein. Die Mega-Hotel-Ressorts stehen in ständigem Wettbewerb und buhlen mit immer neuen Kreationen um die Gunst der Gäste. Deshalb gleicht die Stadt auch einer einzigen Baustelle - alte Casinos werden abgerissen, neue innerhalb weniger Jahre wieder hochgezogen. Daher kann es auch sein, dass die von mir erwähnten Namen in Kürze nicht mehr aktuell sind...
Wir liefen etwa vier oder fünf Stunden umher, schauten uns die Glitzerwelt an und versuchten so oft wie möglich, an einem kühlenden Ventilator Halt zu machen. Hin und wieder schauten wir in ein Casino hinein, immer in Versuchung, doch einmal einen Quarter ($0.25) in einen Automaten zu stecken. Doch mich hätte ohnehin eher ein Pokerspiel gereizt, aber so ist das halt wenn man "minderjährig" ist. Auf dem Rückweg wurden wir, wie eigentlich überall entlang des Strips, von diversen Mexikanern "angeschnippt", die versuchten, ihre Kärtchen mit Bildern von Frauen in eindeutigen Posen unter die Leute zu bringen. Ja, Prostitution ist in Nevada legal und für dieses Wissen muss man in Vegas nicht mal einen Anwalt konsultieren...

Gegen zwei Uhr nachts fielen wir schließlich erschöpft in unsere Hotelbetten, um am nächsten Morgen in Ruhe zu frühstücken (hatte ich erwähnt, dass wir nur Brot mit Käse hatten?), eine Fahrt nach Downtown zu unternehmen und für einige Stunden den Hotelpool zu okkupieren. Dort stellten wir auch fest, dass wir nicht die einzigen Europäer in der Gegend waren: Auch eine Großfamilie aus Schweden und eine Niederländerin suchten Abkühlung, während es draußen schon wieder die 43 Grad Marke überschritt. Unser hübsches Auto mussten wir an diesem Tag leider auch abgeben. Doch die Investition hat sich bei Weitem rentiert und trotz der für amerikanische Verhältnisse hohen Spritpreisen ($4.80 für eine Gallone, also umgerechnet 80 Eurocent pro Liter, je nach Umrechnungskurs) und über 1700 zurückgelegten Meilen konnten wir auch finanziell recht zufrieden sein. Doch einen Tag im goldenen Westen hatten wir schließlich noch und diesen nutzten wir für eine Bustour zum...


Hoover Dam & The Grand Canyon (Arizona)


Die ebenfalls Online vorbestellte Bustour zur Südseite des Grand Canyon begann am Samstag Morgen gegen halb sieben. Mit einem Shuttle Bus ging es vom Tropicana-Hotel zur Zentrale des Tour-Unternehmens, wo wir eine kurze Einleitung und ein winziges Frühstück erhielten. Im Anschluss daran machen wir es uns im Bus bequem - bis zum Mittag sollten wir nichts anderes mehr zu Gesicht bekommen! Der Fahrer war guter Laune und ausgesprochen mitteilsam: Es war zwar recht unterhaltsam, doch spätestens als er anfing, seine Urlaubspläne mit dem Rest des Busses zu teilen, wurde es doch ein wenig viel. Habe ich erwähnt, dass dieser Herr ursprünglich aus Hawaii kommt und große Ähnlichkeit mit Elvis vorzuweisen hatte? Wie auch immer, nach einer Stunde Fahrt wurde er in seinem Redefluss erst einmal unterbrochen: Wir näherten uns dem Hoover Dam! Dieser Damm staut den Colorado River zu einem riesigen See am Rande von Las Vegas. Seit 9-11, wie die Amerikaner den 11. September kurz und knapp nennen, muss man hier "erhöhte" Sicherheitsvorkehrungen über sich ergehen lassen. In unserem Fall lief ein verdammt cooler Cop mit Sonnenbrille und Hut einmal durch den Bus, machte einige Scherze und ließ uns dann gewähren. Da fühlt man sich doch gleich viel sicherer, oder nicht?
Vom Damm selbst sahen wir leider nicht zu viel, da wir ihn nur einmal überquerten und für die Fotosession lediglich die Rückseite abzulichten war. Wir fuhren also weiter in Richtung Canyon. Bald mussten Flo und ich feststellen, dass wir hinter uns zwei besonders scharfsinnige und humorvolle Damen zu sitzen hatten: Die eine versuchte alle fünf Minuten, Kontakt mit irgendwelchen Verwandten aufzunehmen, welche sie am Canyon treffen wollte. Sie war sich allerdings nicht ganz sicher, wohin die Reise eigentlich ging. Das andauernde Krächzen Ihrer Stimme und die andauernden Fragen und Kommentare, die die beiden von der Mitte des Busses mit dem Fahrer austauschen mussten, rissen mich und meinen Leidensgenossen zwischen Verzweiflung und minutenlangen Lachkrämpfen hin und her. Die Amerikaner im Bus schienen so etwas gewohnt zu sein - keine Miene wurde da verzogen. Erst auf der Rückfahrt dämmerte es den meisten und mitleidige Blicke erreichten uns. Doch was rede ich, hier soll es schließlich um den Grand Canyon gehen...
Diesen erreichten wir gegen Mittag, nachdem wir uns im nahe gelegenen Besucherzentrum einen Film über diesen fast 300 Meilen langen Canyon und dessen Geschichte angesehen hatten. Der Canyon selbst war dann nur noch eines: Atemberaubend! Die schiere Größe ist so unglaublich und aus jeder Position sieht man neue Facetten, andere Rottöne und noch tiefere Schluchten. Von einem der Aussichtspunkte wagten Florian und ich dann auch gleich einen kurzen Abstieg auf einen tieferliegenden Felsvorsprung. Auch hier gilt: Berichte und Bilder helfen nur minimal, etwas derartiges zu beschreiben. Den sich über zweitausend Meter in die Tiefe schürfenden Colorado River sieht man nur an wenigen Stellen - das Tal ist einfach zu breit und verwinkelt, als dass man jede Ecke gut einsehen könnte. Emmanuel, unser weit gereister Gastgeber in San Francisco, hatte uns ja empfohlen, auf einem der vielen Wege entweder zu Fuß oder mit dem Esel nach unten zu wandern. Doch wir mussten uns mit diesem fantastischen Ausblick vom "South-Rim" zufrieden geben, bevor wir am Nachmittag wieder den Heimweg antraten. Ja, das war auch schon mein Bericht zum Jahresurlaub in Kalifornien! Ich verzichte jetzt einfach mal auf nähere Erläuterungen zum etwas chaotischen Rückflug, auf dem wir zuerst keinen Piloten hatten und später auch noch unseren Anschlussflug fast verpasst hätten, weil amerikanische Flughäfen mit Änderungen im Flugplan irgendwie immer hinterher sind. Nun ja, ich hatte eine fantastische Zeit mit vielen prägenden Erlebnissen und Eindrücken, die ich sicher so schnell nicht vergessen werde. Jetzt habe ich noch einen Monat hier an der Eastcoast, dann geht es auch schon wieder zurück nach Deutschland - ganz bereit dafür fühle mich aber noch keinesfalls. Ich bedanke mich für die Geduld, der Bericht ist dieses Mal zugegebener Maßen sehr umfangreich geworden.