2008-05-04

Bike New York 2008

...das sind 42 Meilen quer durch Manhattan, Bronx, Queens, Brooklyn und Staten Island, die fünf Stadtviertel der Metropole New York City - und das auf dem Sattel eines Fahrrades, zusammen mit 30.000 anderen Bikern! Ich konnte mir das auf keinen Fall entgehen lassen, zumal mit Andy ein Villager in meinem Haus wohnt, der bei diesem Spektakel schon zum 15. Mal teilnahm und welcher sich bereits Monate vor dem eigentlichen Termin wie ein kleines Kind darauf freute, im Herzen seiner Geburtsstadt in die Pedale zu treten.

[Beitrag übernommen aus meinem ADiA-Blog]


Wie immer - nichts geht ohne Papierkram

Doch zuerst einmal galt es, den Trip zu organisieren, im Village die Werbetrommel zu rühren und alle Interessierten pünktlich vor der Deadline zu registrieren. Dies stellte sich als schwieriger heraus als anfangs gedacht: Kaum einer der Anmeldeformulare kam zum vereinbarten Zeitpunkt zurück, was mich dazu veranlasste, noch einmal bei jedem potenziellen Teilnehmer nachzuhaken - viele waren zwar interessiert, machten aufgrund der relativ hohen Gebühren von fast $50 jedoch einen Rückzieher. Hinzu kam, dass lediglich Einzelanmeldungen durch den jeweiligen Teilnehmer (mit dessen Kreditkarte) möglich waren, was schließlich die Frage aufwarf, ob eine Anmeldung für die Villager überhaupt machbar sei. Doch alle Bedenken waren unbegründet - kurz vor Anmeldeschluss am 28. März waren Jannick, Joung-Ju, Tae-Wan, Lila, Don, ich selbst sowie unsere beiden Villager Andy und Larry registriert und startklar...Die Beschaffung geeigneter Transportmittel war daraufhin kinderleicht: Die Fahrräder sammelte ich am Vortag der Tour mit dem Estate-Truck ein und für die "Sportler" stellte das Sycamore-Haus seinen Van zur Verfügung. Es konnte also losgehen!


Start der Tour

Am Sonntag dem 04. Mai war es dann schließlich soweit. Um 3:30 Uhr verließen wir Camphill in Richtung Atlantikküste. Schließlich lag eine fast dreistündige Autofahrt, die Suche nach einem guten Parkplatz auf Staten Island und die Fahrt mit der Staten Island Ferry hinüber nach Manhattan vor uns (die Parkgebühren dort sind astronomisch und zudem war der halbe Stadtteil wegen der Tour gesperrt). Den leeren Highways und meinem persönlichen Navigator Jannick war es zu verdanken, dass wir die 7 Uhr Fähre erwischten (dort herrschte ein reges Gedränge) und sogar eine halbe Stunde vor dem Start den Battery Park bzw. Ground Zero erreichten, wo um 8 Uhr der Startschuss fallen sollte. Das Wetter war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu rosig, doch zumindest regneten wir nicht ein.

Wie von vielen prophezeit, standen wir bis um 9 Uhr allerdings nur herum: Die Marshalls hatten das Feld in mehrere Abschnitte geteilt, um Verzögerungen auf der Tour selbst zu reduzieren (was offensichtlich fehl schlug). Ich für meinen Teil hatte zu diesem Zeitpunkt bereits meinen Schützling Andy verloren - er hatte sich noch vor dem Start ein Päuschen bei Starbucks gegönnt und ward bis zur Ziellinie nicht mehr gesehen (keine Sorge, Don hatte sich seiner angenommen). Es dauerte nicht lange, bis sich Müdigkeit und ein Hungergefühl bei Jannick und mir breit machten. Der um eine Stunde verzögerte Startschuss sorgte dann aber doch für einen unverhofften Schub - die Tour hatte endlich begonnen!

Die Fahrt durch Manhattan bis zum Rand des Central Park war dann aber doch die Wartezeit wert, wie man in dem Video rechts sehen kann (mit kurzem Blick auf das Empire State Building, 34th Street). Die fast 60 Blocks, für die wir bei unserem letzten New York Besuch zu Fuß über drei Stunden gebraucht hatten, legten wir in einer knappen halben Stunde zurück, bis wir kurz vor Beginn des Parks schließlich stoppen mussten, da die Strecke dort minutenweise für den Autoverkehr von West nach Ost geöffnet wurde. Es folgte eine sehr entspannte Fahrt durch die Grüne Lunge New Yorks. Auch dies möchte ich Euch nicht vorenthalten...


Nach Verlassen des Parks führte uns unser Weg durch das historische Harlem sowie die Bronx, bis wir schließlich die erste "Restarea" erreichten, wo Bananen, Snacks und Getränke auf uns warteten (insgesamt gab es fünf dieser Stationen). Doch nach nur wenigen Meilen stand bereits der nächste, dieses Mal unfreiwillige Stopp auf dem Programm: Ich hatte einen platten Hinterreifen - vermutlich der Albtraum eines jeden Bikers! Einer der Marshalls am Straßenrand versuchte sich an der Reparatur, doch der eingeklebte Flicker schien bei der porösen Beschaffenheit des Reifens keinen großen Unterschied mehr zu machen - nach weiteren 5 Minuten war die Fahrt wiederum beendet. Dank des Marshalls konnten wir jedoch einen Fahrradladen ausmachen, der sich, nicht wie die nächste Restarea sechs Meilen, sondern lediglich 3 Blocks entfernt befand. Dort fand ich dann auch schnelle und professionelle Hilfe, UND (und das ist in New York eher selten) der neue Reifen war auch noch relativ günstig! Glück muss man haben...

Im Anschluss an diese unerwartete Verzögerung ging es hinüber nach Queens, wo der Zug leider ein weiteres Mal ins Stocken gerad. Doch anders als beim Start konnten wir dieses Mal bei herrlichem Sonnenschein die Skyline Upper-Manhattans aus Richtung des East Rivers genießen. Ich empfand besonders die häufigen Stopps als anstrengendsten Teil der Tour - das Rad fahren war eigentlich recht angenehm!Nach einigen Meilen stießen wir auf eine schöne Aussichts-Terrasse zu Füßen der Brooklyn Bridge (links). Eigentlich hatte ich diese ja schon bei meinem letzten New York Aufenthalt besichtigen wollen - leider fehlte dafür die Zeit. Diesmal hat es geklappt - und ich war wirklich beeindruckt: Gegen all die anderen, sehr modernen Bauten wirkt die Brooklyn Bridge wie ein altertümliches Relikt. 

Zum Vergleich, auf der rechten Seite sieht man die Verrazano-Narrows Bridge zwischen Brooklyn und Staten Island - atemberaubend oder? Nun ja, abgesehen von einem weiteren unplanmäßigen Halt auf einem Highway und einem Zwischenstopp bei der letzten Restarea vor der Verrazano-Bridge verlief der Run auf die Ziellinie relativ reibungslos. Jannick und ich erklommen die Brücke, schossen ein paar Panoramabilder und ließen uns dann abwärts bis zur Ziellinie nahezu rollen. Dort kamen wir übrigens trotz platten Reifens vor Don, den Villagern und unseren Koreanern an. Erstere fanden sich schnell wieder. Die Koreaner waren jedoch auch nach einer Stunde unauffindbar, woraufhin wir uns zurück zum Auto aufmachten, in der Hoffnung, sie mögen eventuell dort auftauchen. Doch weit gefehlt! Es kostete uns eine weitere Stunde, sie wiederzufinden (sie hatten sich irgendwo auf dem Festival-Gelände "versteckt"), bevor wir unsere Heimreise antreten konnten.

Doch trotz der widrigen Umstände war es ein sehr lohnenswerter Ausflug, wenn auch sehr ermüdend. Also, solltet ihr irgendwann einmal die Gelegenheit haben, nach New York zu kommen: Mietet doch einfach mal ein Bike und erkundet die Stadt ohne Taxi, Subway und Co. Es gibt wirklich viele Straßen mit separaten Fahrradspuren und besonders im Central Park lohnt sich eine Tour auf zwei Rädern auf jeden Fall! In diesen Sinne danke für die Aufmerksamkeit und allzeit gute Fahrt!