2007-10-22

Ein Wochenende in New York

Mein Ausflug in die Stadt, "die niemals schläft", war mein bisher längster in den Vereinigten Staaten außerhalb von Kimberton - und ich kann sagen, dass es trotz der Kürze von drei Tagen die mitunter aufregendste Reise war, die ich je gemacht habe! Man kann sich nicht vorstellen, wie lebhaft und vor allem wie riesig diese Stadt ist, wenn man sie nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Ich möchte trotzdem versuchen, mit diesem kleinen Bericht einen Eindruck von New York City (oder präziser Manhattan) zu vermitteln. Vielleicht ermuntert das ja den ein oder anderen, über einen Urlaub in diese wunderschöne Metropole nachzudenken...

Wie geplant verließen Robert, Florian, Stephanie, Janina, Sangmin und ich am Freitag dem 19. Oktober kurz nach dem Mittagessen das Camphill in Richtung Paoli (ein Provinzbahnhof etwa 15 Min. entfernt). Dort fahren regelmäßig Züge nach Philadelphia und zurück - umweltbewusst wie wir sind haben wir das natürlich ohne Zögern in Anspruch genommen. Zudem ist der Ticketpreis für einen Roundtrip mit 10$ ziemlich preisgünstig. Der Zug führte uns in das Herz von Philly, nach Chinatown, wo wir den Chinatown-Bus nach New York bestiegen (alles sehr zeitnah ohne lange Aufenthalte). An dieser Stelle möchte ich allen, die irgendwann einmal in die Staaten reisen wollen, folgenden Tipp geben: Nutzt auf jeden Fall die Chinatown-Busse!!! Mit keinem anderen Verkehrsmittel kann man so günstig (in unserem Fall für 20$ hin und zurück) zwischen den Großstädten pendeln. Obendrein wird man nicht irgendwo in der Taiga abgesetzt, sondern stets direkt im Zentrum - das funktioniert natürlich nur, solange die jeweilige Stadt ein Chinatown vorzuweisen hat. Der einzige Haken an der Sache ist, dass diese Busse immer voll gefüllt sind und man wirklich pünktlich vor Ort sein sollte, wenn man nicht drei Stunden stehen will.

Wir kamen also gegen sechs Uhr abends in New York an - der Busfahrer hielt es nicht für nötig, an einer Haltestelle anzuhalten, so ließ er uns halt mitten auf einer viel befahrenen Straße aussteigen. Noch etwas verwirrt von dem vielen Trubel um uns herum und dem befreienden Gefühl, endlich in NY zu sein, liefen wir erst einmal in die falsche Richtung. Eigentlich ist es ja ein Kinderspiel, in NY zu navigieren. Alles ist klar strukturiert und nummeriert - Straßen von Nord nach Süd heißen "Avenues" und von West nach Ost "Streets", mit Ausnahme vom Broadway, der etwas schräg verläuft und Manhattan in eine südwestliche und eine nordöstliche Hälfte teilt. Wir hatten nur das Problem, dass wir nicht so recht einschätzen konnten, wo Nord und wo Süd ist, sodass wir uns erst einmal in Richtung Downtown aufmachten, nicht nach Norden, wo sich unser Hostel befand. Na ja, der Fehler ward schnell erkannt und korrigiert. Doch ein Gefühl der Leere in der Magengegend hinderte uns weiterzulaufen. Abhilfe fand sich in einem netten chinesischen Buffet-Restaurant, wo man sich für 4$ eine Kombination aus 5 verschiedenen Spezialitäten zusammenstellen lassen konnte - einfach unschlagbar!

Wir entschieden uns, nicht die Subway in Richtung Central Park zu nehmen sondern lieber die atemberaubende Kulisse zu Fuß zu erkunden, was sich als ziemliche Herausforderung entpuppte, denn NY ist einfach nur eins: RIESIG, nicht nur was die Höhe der Gebäude angeht, sondern auch von den Ausmaßen. Wir liefen insgesamt schätzungsweise dreieinhalb Stunden, ehe wir uns schließlich dazu entschlossen, den restlichen Weg bis zum Hostel, welches etwa noch einmal so weit entfernt war, mit der Subway zu fahren. Doch bis es soweit war, erkundeten wir zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die uns unterhalb der Erde verborgen geblieben wären: Zunächst erreichten wir das Flatiron Building - den ersten Wolkenkratzer New Yorks. Dieser hat eine dreieckige Form und er befindet sich an der Stelle, wo sich die 5th Avenue und der Broadway kreuzen - viele kennen ihn mit Sicherheit von einem Foto oder aus einem Film. Zu Füßen dieses Gebäudes sprach uns eine Frau an, die etwas hysterisch auf den Himmel deutete und uns versicherte, dass sich genau an dieser Stelle das Empire State Building befände - wir sahen absolut nichts! "Wirklich", sagte sie weiter, "ich wohne hier. Es ist dort..."! Doch in dieser Nacht stand ein sehr dichter Nebel über der Stadt und so mussten wir den Worten dieser Frau wohl oder übel Glauben schenken. Unser Weg führte uns weiter zum Times Square. Nachts ist dieser keinesfalls zu verfehlen, denn als Times Square wird der Ort bezeichnet, wo tausende Leuchtreklamen um die Aufmerksamkeit der Besucher ringen und die Nacht nahezu zum Tag werden lassen. Besonders dieser Ort zieht auch nach Mitternacht noch Hundertschaften von Touristen an - doch dafür sind auch die Preise der dort ansässigen Restaurants und Boutiquen astronomisch. Sehenswert ist es allemal! Mit der Subway ging es dann schließlich zum "Central Park Hostel". Und der Name ist in diesem Fall Programm: Für 30$ die Nacht schliefen wir keine 100 Meter vom Central Park entfernt!

Am nächsten Morgen hatten wir zahlreiche Dinge vorgenommen, die wir uns ansehen wollten. Die Besichtigung des Central Parks war im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend. Er befindet sich direkt im Herzen Manhattans - allerdings bekommt man nicht das Gefühl, sich tatsächlich in einer amerikanischen Großstadt zu befinden. Alles ist gepflegt, ruhig und sehr idyllisch. Der noch vor Jahren als Hort für Kriminelle verschriene Park wird jetzt von vielen New Yorkern zum Entspannen und Sport treiben genutzt. Den anschließend geplanten Besuch des American Museum of Natural History vertagten wir auf den folgenden Tag, da einfach zu viele Menschen davor anstanden. Das gleiche Bild bot sich auch vor dem Empire State Buildung. Doch die Gelegenheit, NY vom höchsten Gebäude der Stadt zu erleben, wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Da war auch die zweieinhalb stündige Wartezeit verschmerzbar. Kein anderer Ort bietet einen derart genialen Ausblick über die Manhattan, Brooklyn, Queens und New Jersey. Selbst die Liberty Island (Freiheitsstatue) konnte man sehen - einfach wunderschön.

Die Sightseeing-Tour in einem der vielen Doppeldecker traten wir leider nicht an, da die 37$ einigen von uns etwas zu teuer waren. Dafür fuhren wir mit der U-Bahn nach Downtown, wo wir die (kostenlose) Staten Island Ferry bestiegen. Sie fährt direkt an Ellis Island (dort, wo bis ins letzte Jahrhundert noch die Immigranten in Empfang genommen wurden) und der Freiheitsstatue vorbei. Leider konnten wir nicht auf das Oberdeck, doch auch so war dieser Anblick bei untergehender Sonne absolut lohnenswert. Auch die Skyline von NY ließ sich auf dieser Fähre bestaunen - ein echter Hingucker! Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, führte uns Stephanie entlang der Wallstreet und nach Greenwich Village. Dieser Stadtteil Manhattans hat den Charme einer Vorstadt, mit vielen kleinen Bars und Cafés. Dort trafen wir eine Freundin von Stephanie, die seit Jahren in NY wohnt und arbeitet. Dort aß ich ein Sandwich, von dem ich dachte, es beinhalte Fleisch (es sah aus wie Fleisch und schmeckte auch so), doch man berichtigte mich - dies sei ein vegetarisches Café...So ließen wir den Abend bei einer Partie Mau Mau im Café und später mit einer 4l Flasche Wein im Hostel ausklingen.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes ließen wir es etwas ruhiger angehen. Um 10 verließen wir unsere Unterkunft und suchten entlang des Broadway nach einem gemütlichen Café zum Brunchen. Promt fanden wir das "Broadway Restaurant". Es stellte sich heraus, dass in diesem Film die Eröffnungsszene des Films "Rendezvous mit Joe Black" (mit Brad Pitt) gedreht wurde und auch der neuste Film mit George Clooney dort ein kurzes Intermezzo hat. Diese Erkenntnis machte das Brunch gleich doppelt so gut - ich hatte übrigens ein leckeres Omelett, einen Kaffee (mit kostenlosem Refill!!!), kostenloses Wasser und Orangensaft sowie zwei Blueberry-Muffins, mhhh...

Anschließend machten wir uns dann doch zum Museum of Natural History auf. Auch diese Einrichtung war (so gut wie) kostenlos - zwar gibt es einen "vorgeschlagenen" Eintrittspreis, doch im Grunde kann man so viel geben wie man möchte, quasi als Spende! Und diese ist gut angelegt: Die Ausstellung deckt von den Sauriern bis hin zur Entwicklung vieler Völker in Asien, Amerika und Afrika ein breites Spektrum der Geschichte. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre es sicher noch besser gewesen, doch der geplante Abreisezeitpunkt gegen vier Uhr nachmittags schränkte unsere Möglichkeiten ziemlich ein, sodass wir eigentlich nur einmal von links unten nach rechts oben durchmarschieren konnten. Aber es war ja sicher nicht der letzte Aufenthalt in New York City...Als letzten Punkt im Programm steuerten wir auf Ground Zero in Downtown zu. Man konnte nicht wirklich viel sehen, da dort immer noch fleißig gebuddelt wird. Aber wie heißt es so schön: Gesehen ist gesehen. Und mit dem festen Versprechen an mich selbst, wieder hier her zurück zu kommen, bestieg ich gegen halb fünf den Chinatown-Bus zurück nach Philli. Ein großartiges Wochenende näherte sich seinem Ende. 

Ich hoffe, der Beitrag konnte einen guten Eindruck von New York City vermitteln. Es war mit Sicherheit nicht mein letzter Aufenthalt in dieser fantastischen Stadt, also freut euch schon einmal auf das nächste Mal (oder fliegt einfach selbst in die Stadt der Träume)! Ach übrigens: Bilderabzüge können bei mir für 1$ das Stück geordert werden...*just kidding*!