2016-01-03

Das (wunderschöne) Ende der Welt - Teil 2: Die Südinsel Neuseelands & Sydney




Zunächst den 1. Teil lesen: Die Nordinsel Neuseelands
 

Mountainbiking in den Marlborough Sounds

Die Kiwis, wie sich die Neuseeländer selbst nennen, sind ein zutiefst gastfreundliches und hilfsbereites Volk! Und wie sich herausstellt ist diese Freundlichkeit auf der Südinsel noch ein kleines bisschen ausgeprägter als im Norden - zumindest wenn man unseren ersten Gastgeber Gary von Tombstone Backpackers in Picton als Maßstab anlegt. Das kleine Hostel befindet sich in der Nähe des Fährhafens und gleich gegenüber eines Friedhofs - daher auch der ungewöhnliche Name. Gary schraubte bei unserer Ankunft gerade an einem Fahrrad (eines von vielen welches Gäste kostenlos nutzen dürfen!) und gab uns nach dem Check-in zunächst eine ausführliche Tour durch das liebevoll eingerichtete Haus (u.a. mit Spa, Billardtisch und Fitnessgeräten). Anschließend nahm er sich die Zeit, 7 oder 8 Personen im Ort anzurufen, um uns eine maßgeschneiderte Mountainbiketour inkl. Wassertaxi zu organisieren, während er sich parallel den Bedürfnissen anderer Gäste widmete. Wahnsinn!

Hafen von Picton
Picton ist ein kleines Hafenstädtchen im Herzen der Marlborough Sounds, einer wunderschönen, fjordähnlichen Landschaft im Nordosten der Südinsel. Die Sounds sind von türkisfarbenen Wasserarmen, (Halb-)Inseln und geschützten Buchten geprägt und sind ein Muss für jeden Besucher! Die Stadt selbst ist überschaubar, aber es fand sich an diesem Abend tatsächlich ein Kino, wo wir zusammen mit 30 weiteren Filmfans die - in Deutschland seit Monaten ausverkaufte - Premiere des neuen Star Wars erleben durften. Grandios! Da haben sich die 12 Stunden Zeitunterschied tatsächlich mal ausgezahlt:)
Mountainbiking in den Marlborough Sounds
Am nächsten Morgen wartete das bereits erwähnte Wassertaxi darauf, uns über den Queen Charlotte Sound zur Punga Cove, dem Ausgangspunkt unserer Mountainbikeroute, zu chauffieren. Die Fahrt dauerte über eine Stunde, da zwischendurch nicht nur weitere Gäste aus- und zustiegen, sondern auch noch diverse Pakete in abgelegenen Hütten entlang des Sounds abgeliefert werden mussten. Nach einem Aufmunterungskaffee traten wir schließlich in die Pedale. Vor uns lagen 28km und teils über 400m hohe Bergketten entlang des spektakulären Queen Charlotte Tracks. Stellenweise war der Weg ziemlich matschig bzw. so steil, dass wir unsere Räder schieben mussten. Doch die traumhafte Szenerie war alle Anstrengungen wert! Außerdem trifft man unterwegs nicht nur zahlreiche Wanderer aus der ganzen Welt, sondern wird am Ende (in unserem Fall in einem Restaurant in der Portage Bay) noch mit einem kühlen Drink belohnt.

Angekommen im Paradies: Abel Tasman

Erschöpft aber glücklich setzten wir am Nachmittag unsere Reise in Richtung Abel Tasman Nationalpark fort. Mit im Gepäck: ein Handtuch, das uns Gary mitgegeben hatte, um es einem vergesslichen Tombstone Backpacker in Nelson zu übergeben...Wir machten vor den Toren des Abel Tasman in Motueka Rast, wo wir unsere Kohlehydratespeicher mit leckerer Pasta wieder auffüllten und mit zwei Amerikanerinnen eine leidenschaftliche Diskussion über die US Präsidentschaftsvorwahlen führten. Neben Motueka bietet sich übrigens auch Nelson als Zwischenstation an - etwas weiter entfernt aber allem Anschein nach noch etwas lebendiger.

Per Kajak durch den Abel Tasman
Abel Tasman ist ein landschaftliches Juwel - selbst für neuseeländische Verhältnisse! Geschützt von den Gebirgen im Westen herrscht hier ein Mikroklima mit wenig Niederschlag und angenehmen Temperaturen. Gepaart mit langen Sandstränden und kristallklarem Wasser ergibt sich ein fast karibisches Flair! Wir hatten eine Kajaktour entlang der Küste gebucht, genauer gesagt von Marahau nach Anchorage. Während die ersten Kilometer niemanden, der schon einmal in einem Kajak gesessen hat, vor ernsthafte Herausforderungen stellen sollte, hat es der letzte Abschnitt entlang der "Mad Mile" in sich: Hier weht gern mal eine steife Brise, die das Meer und damit das Kajak ziemlich durchschüttelt - Kentern nicht ausgeschlossen...Davon abgesehen war die Tour jedoch ein absoluter Traum. Sehr empfehlenswert!

In Anchorage ließen wir das Kajak am Strand zurück und bauten kurzerhand unser Zelt auf. Zeltplätze müssen übrigens immer vorab auf der Website des Department of Conservation (DOC) gebucht werden...Den Abend verbrachten wir dann zusammen mit zwei Belgierinnen, einem halben Dutzend Deutscher sowie einer neuseeländischen Familie am Lagerfeuer. Mangelnde Vorbereitung auf das Campingerlebnis zwang uns jedoch, die Tags zuvor erworbenen Bohnen kalt und mit Hilfe eines aus einer Paprika geschnitzten Löffels zu uns zu nehmen (Merke: Nächstes Mal Besteck einpacken!). Später wurden wir von einem Ortskundigen noch in das "Geheimnis" einer von Glühwürmchen bevölkerten Höhle in der Nähe des Strandes eingewiesen. Sowas nimmt man natürlich dankend mit...


Paradies auf Erden
Als zweite Station im Abel Tasman stand Bark Bay auf dem Programm: Die weniger als dreistündige Wanderung von Anchorage führte uns u.a. durch eine nur bei Ebbe passierbare Bucht und über die Falls River Hängebrücke. Die von Wäldern flankierte Strecke ist auch für wenig erfahrene Wanderer problemlos zu schaffen und bietet an vielen Stellen einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Naturwunder. Für uns war an diesem Nachmittag aber vor allem die Tatsache interessant, dass Bark Bay - wie die meisten anderen Buchten auch - über einen traumhaften langen Sandstrand verfügt, der uns nach all den Abenteuern der vergangenen Tage sehr gelegen kam:)

Im Westen nichts Neues

Pancake Rocks
Mit dem ersten Wassertaxi fuhren wir am nächsten Tag zurück nach Marahau und setzten unsere Reise in Richtung Westküste fort. Viele Tankstellen gibt es hier nicht, also sollte man besser früher als später einen Pitstop einlegen. Nun ja, die sich über Serpentinen und entlang der Küste schlängelnden Straßen sind zwar hübsch anzusehen, mit Ausnahme der sogenannten Pancake Rocks am Paparoa Nationalpark gibt es jedoch kaum nennenswerte Sehenswürdigkeiten. Außerdem ist das Wetter in dieser Ecke des Landes eher bescheiden. Wer allerdings etwas mehr Zeit mitbringt, kann von Greymouth aus weiter nach Süden fahren und sich z.B. den Franz Joseph Gletscher ansehen.

Boulders nahe Castle Hill
Wir wählten stattdessen die Route über die südlichen Alpen und den Arthur's Pass in Richtung Christchurch. Relativ spontan entschieden wir uns für eine Pause in Castle Hill, einer von Findlingen übersäten Hügellandschaft am Rande des Highways. Für Boulder- und Fotoenthusiasten wie mich ist dieser Ort wie ein großer Abenteuerspielplatz! Hinter jeder Ecke gibt es noch größere Felsen und noch schönere Motive. Eine Schande, dass ich mein Boulder-Equipment nicht dabei hatte...Und apropos schöne Motive: Just als wir wieder den Rückweg zum Auto antreten wollten, lief mir Lizzy, eine Studienfreundin aus Tübingen, in die Arme, die ebenfalls ihren Weihnachtsurlaub in Neuseeland verbrachte. Ich sag euch, die Welt ist ein Dorf!

Französisches Flair in Akaroa
Bei leichtem Regen erreichten wir die Küstenstadt Akaroa auf der Banks Halbinsel südlich von Christchurch. Die Stadt wurde einst von französischen Siedlern gegründet, weshalb heute noch fast alle Straßen und Geschäfte französische Namen tragen. Hier gönnten wir uns ausnahmsweise ein Abendessen im besten Restaurant des Ortes: "The Little Bistro" bietet nicht nur erstklassige Steaks und Austern, sondern hat auch eine Weinkarte, die viele französische Restaurants wohl vor Neid erblassen ließe. Lecker!

Stephan wollte schließlich noch in der Bucht vor Akaroa mit Hector Delfinen schwimmen gehen - sie aber offenbar nicht mit ihm. Von daher war ich froh, bei dieser Aktivität ausgesetzt zu haben. Stattdessen schlenderte ich ein wenig durch die französischen Gassen und verlor mich im ein oder anderen Ramschladen...


Weihnachten in Neuseeland: Sonnenbrand und Natur pur!

Überreste der Kathedrale
Der Besuch in Christchurch, der größten Stadt der Südinsel, hinterließ einen eher faden Beigeschmack. Noch immer prägt das Erdbeben von 2011 das Stadtbild: Zahllose Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht (bzw. stehen kurz davor), die ehemals prachtvolle Kathedrale ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, und nur wenige Straßenzüge laden zum flanieren ein. Doch die Einwohner scheinen voller Tatendrang zu sein, ihre Stadt wieder aufzubauen. Auch die Kathedrale, die Kirchenvertreter eigentlich schon durch einen modernen Neubau ersetzen wollten, soll nun restauriert werden!

Lake Tekapo
Am Heiligabend setzten wir unsere Reise in Richtung Lake Tekapo fort, wo wir zu Füßen der Southern Alps ein letztes Mal unser Zelt aufstellten. Der See wird von den Gletschern der Alpen gespeist und ist, wie sein Nachbar Lake Pukaki, kristallklar und unvorstellbar blau! Wir nutzten das abermals gute Wetter für eine Wanderung auf den Mt. John. Hier oben befindet sich auch eines der wichtigsten Observatorien des Landes - aus dem einfachen Grund, dass in der Umgebung relativ wenig Menschen leben und die "Lichtverschmutzung" sehr gering ist.

Christmesse in der Church of the Good Shepherd
Diese Tatsache wollten wir uns eigentlich zunutze machen, um den hiesigen Sternenhimmel fotografisch festzuhalten und ggf. sogar ein paar Polarlichter zu erspähen. Doch ein leichter Wolkenfilm und der Vollmond richten aus, diesen Plan zu durchkreuzen. So lauschten wir lediglich der Weihnachtsmesse in einer kleinen Kapelle am Rande des Sees: Angeblich ist die "Church of the Good Shepherd" das am meisten fotografierte Gebäude des Landes. Ich wage das einfach mal zu bestätigen - gemessen an der Anzahl der Stative, die selbst gegen Mitternacht noch davor positioniert waren...

Dem Lake Pukaki, an dessen nördlichem Ende sich Neuseelands höchster Berg Mt. Cook befindet, statteten wir am Weihnachtsvormittag einen Besuch ab. Im Westen des Sees führt eine Straße fast bis an den Fuß des Berges; den Umweg sollte man allein wegen der zahlreichen Aussichtspunkte über den See und auf die schneebedeckten Berggipfel auf sich nehmen! Wer sich dann noch ein paar Meter weiter in das Tasman Valley begibt, wird mit einem famosen Blick auf den Mt. Cook und den Tasman Gletscher belohnt:


Mt. Cook

Goodbye, Neuseeland!

Bahnhof von Dunedin
Die letzten 3 Tage unserer Neuseeland-Tour verbrachten wir in der Küstenstadt Dunedin sowie in Queenstown. In Dunedin waren am Abend des Weihnachtsfeiertags die Bürgersteige hochgeklappt, sodass die sonst wohl sehr lebhafte Universitätsstadt einzig mit ihrem schottischem Charme überzeugen konnte (tatsächlich soll Edinburgh den Erbauern als Vorbild gedient haben). Am darauf folgenden Boxing Day erwachte zumindest die zentrale Einkaufsmeile aus ihrem Tiefschlaf...Wir beließen es bei einem kurzen Stadtrundgang und nahmen dann die letzte Etappe nach Queenstown in Angriff, wo wir auch unseren Mietwagen wieder abgaben.

Paraglider in Queenstown
Queenstown gilt als die Hochburg des Spaßtourismus in Neuseeland: Adrenalinjunkies können sich hier mit oder ohne Fallschirm von Brücken und Berghängen sowie aus Flugzeugen stürzen, diversen Wassersportarten nachgehen oder auch Mountainbike- bzw. Quadtouren buchen. Da ich persönlich kein Freund des "Fallens" bin, überließ ich Stephan das Paragliden und unternahm stattdessen eine Tagestour nach Glenorchy am nördlichen Ende des Wakatipu Sees. 

Dart River Jet Boot
Hier wartete die "Dart River Wilderness Jet" Tour auf mich: Mit 700PS und bis zu 90 Stundenkilometern jagt man hier in einem Jetboot den Fluss entlang; teilweise ist das Wasser nur wenige Zentimeter tief und hin und wieder setzt der Pilot zu einem 360° Spin an. Das macht nicht nur mega viel Spaß, sondern ist dank der herrlichen Landschaft auch noch ein richtiger Augenschmaus! An diesem Tag lag keine einzige Wolke über der Region, aber starker Wind wirbelte vielerorts den feinen Sand am Rande des Flusses auf. Wohl dem der bei solchen Bedingungen eine Sonnenbrille zur Hand hat...

Pier in Glenorchy
Neben mehreren Abstechern in kristallklare Seitenarme des ansonsten eher trüben Dart Rivers bot die Tour noch einen eher unspektakulären Waldspaziergang sowie einen Stop an einer Stelle des Tals, in dem quasi im Wochenrhythmus Szenen bekannter Hollywoodfilme gedreht wurden bzw. werden. Wenn man den Aufenthalt am Strand von Glenorchy mitzählt, war die Aktion alles in allem ihr Geld wert. Wer nur auf das Jetboating Wert legt, findet jedoch mit Sicherheit günstigere Alternativen (vor allem in Queenstown scheinen alle Freizeitaktivitäten immer etwas teurer zu sein als im Rest des Landes).

An dieser Stelle sei noch unser Abendessen in einem Etablissement hervorzuheben, dass in Neuseeland als Institution gilt: Bei Fergburger gibt es die (subjektiv) besten Burger im Land; dafür mussten wir allerdings auch 30min bei enormer Hitze in der Warteschlange stehen und durften anschließend noch weitere 30min auf unsere Burger warten. Aber ich kann zu Protokoll geben, dass das Produkt wirklich überzeugt hat:)

Und noch ein Tipp: Wer so wie wir plant, über die Weihnachtszeit nach Neuseeland zu fliegen, sollte vor allem in den größeren Städten seine Unterkünfte vorbuchen. Wir wollten flexibel bleiben, mussten aber schnell feststellen, dass das halbe Land seine Feiertage in Queenstown verbringen wollte. Unsere Rettung war ein nettes Airbnb Apartment mit Blick auf den See, aber es wäre mit Sicherheit auch deutlich preiswerter gegangen...


Sydney - Jahreswechsel der Superlative

Als finale Destination unserer Reise stand Sydney auf dem Programm, wo wir uns noch ein paar Tage erholen und den Jahreswechsel feiern wollten - der Urlaub vom Urlaub sozusagen. Vor unserem Flug hatten wir jedoch noch ein paar Stunden in Queenstown totzuschlagen, die ich für zwei Luge-Abfahrten nutzte, während Stephan sich das neuseeländische Nationaltier im Kiwi & Bird Park ansah. Anschließend hieß es auch schon Abschied nehmen von Neuseeland...Es war eine tolle (und leider viel zu kurze) Reise durch ein faszinierendes Land, welches sich drei Wochen lang von seiner Schokoladenseite gezeigt hatte, und das noch so viel mehr zu bieten hat! Ich komme auf jeden Fall wieder:) 

Skyline von Sydney
Der Flug nach Sydney war vergleichsweise kurz; so blieben uns nach der "Bio-Security" (u.a mit einer Prüfung von Schuhen und Campingequipment auf übermäßige Verschmutzung) noch einige Stunden Zeit, die Stadt zu erkunden: Von unserem Hotel in der Nähe des Bahnhofs Central liefen wir die geschäftigen Straßen in Richtung Hafen hinunter. Ich muss zugeben, die schiere Masse an Menschen hat mich schon ein wenig erschlagen. Zwischen dieser Metropole und jeder neuseeländischen Stadt liegen einfach Welten! 

Opernhaus in Sydney
Im Thai-Restaurant Abb Air nahmen wir unter kontinuierlicher Beschallung durch eine deutsche Urlauberin (die sich wohl einfach nur freute, sich mal auf Deutsch unterhalten zu können) unser Abendessen ein. Ich sag euch, so scharf habe ich das letzte Mal vor 6 Jahren in Taiwan gegessen! Mit angesengter Zunge begaben wir uns zum sogenannten Circular Quay zwischen der berühmten Oper und der Harbour Bridge, beließen es an diesen Abend aber bei einem kurzen Rundgang. Erst am nächsten Morgen gönnten wir uns eine längere Besichtigung, die uns bis in den Botanischen Garten führte. Von hier aus (genauer gesagt von Mrs. Macquarie's Chair) hat man übrigens den besten Blick auf Oper und Brücke.

Three Sisters
Am Nachmittag starteten wir schließlich noch einen Tagesausflug in die Blue Mountains vor den Toren Sydneys. Die Gegend sieht ein wenig aus wie der Grand Canyon in Arizona, ist aber komplett von Urwald überwuchert. Unweit der Stadt Katoomba befindet sich das touristische Highlight: die Three Sisters. Diese Gesteinsformation entstand den Aborigines zufolge, als sich drei Schwestern in Männer eines gegnerischen Stammes verliebten und so einen Krieg verursachten. Ein Stammesältester verwandelte sie zu ihrem eigenen Schutz in Felsen, fiel jedoch im Kampf, woraufhin niemand die Schwestern zurückverwandeln konnte. Im direkten Vergleich zu den Landschaften Neuseelands sind die Blue Mountains sicher nicht ganz konkurrenzfähig. Trotzdem lohnt sich ein Ausflug für alle, die dem Trubel der Großstadt entfliehen wollen! Schön wandern gehen kann dort man obendrein:)

Die übrigen Tage zurück in Sydney lassen sich eigentlich recht knapp zusammenfassen: Den Silvesterabend verbrachten wir auf Bradley's Head, einer Halbinsel im Hafen von Sydney mit bestem Blick auf das pompöse Feuerwerk zum Jahreswechsel (Tickets sollten zeitnah im Voraus gebucht werden!). Aber Bilder sagen bekanntlich mehr als Tausend Worte...Die restliche Zeit aalten wir uns in der australischen Sonne am Manly Beach - mit Smoothies in der Hand, die nächste Welle vor Augen - um möglichst entspannt und gut gebräunt wieder im Büro zu erscheinen:) 

Silvesterfeuerwerk im Hafen von Sydney (Blick von Bradley's Head)
Damit sind wir auch schon am Ende meines Berichts angelangt. Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Weihnachtszeit und habt das neue Jahr gebührend gefeiert. Bis zum nächsten Mal!

2015-12-17

Das (wunderschöne) Ende der Welt - Teil 1: Die Nordinsel Neuseelands

Neuseeland übte schon immer eine enorme Anziehungskraft auf mich aus. Spätestens mit der "Herr der Ringe" Trilogie hatte sich in meinem Kopf eine Vorstellung dieses Landes formiert, welche eigentlich unmöglich der Realität standhalten konnte: tiefgrüne Grasweiden, schneebedeckte Gebirgszüge, vulkanische Kraterlandschaften, abgelegene Strände und pulsierende Städte. Alles komprimiert auf zwei überschaubaren Inseln im Südpazifik. Lediglich die enormen Reisestrapazen, die man für einem Besuch dieser 12 Zeitzonen entfernten Nation auf sich nehmen muss, hatten mich bisher von einem solchen abgehalten. Das sollte sich 2015 ändern: Nach mehrmonatiger Planung starteten ich und mein ehemaliger Tübinger Kommilitone Stephan am Morgen des 5. Dezember auf eine 4-wöchige Reise, die uns von Auckland über Wellington bis nach Queenstown und abschließend zu den Neujahrsfestivitäten nach Sydney führen sollte. Dieser Bericht fasst die Highlights dieser einmaligen Erfahrung zusammen.

24 Stunden bis Auckland 

Skyline von Auckland bei Nacht
Bisher gibt es keinen Direktflug von Europa nach Neuseeland. Daher dürfen sich Reisende zwischen ihren beiden 10-13 stündigen Flügen auf dem Weg nach Neuseeland noch kurz in Singapur, Dubai oder einer anderen asiatischen Metropole (bzw. auf deren Airports) die Beine vertreten. Und glaubt mir, das ist auch dringend nötig, zumindest für Passagiere der Holzklasse;) In jedem Fall würde ich empfehlen, bei der Wahl des Fluges nicht primär nach dem Preis sondern vielmehr nach einer kurzen Verbindung Ausschau zu halten, sonst wird aus einem ohnehin schon anstrengenden Langstreckenflug schnell eine sehr langwierige Angelegenheit mit mehr als 40 Stunden bis zum eigentlichen Ziel...

Auckland Harbour
Aber kommen wir zu unserem ersten Ziel auf dieser Reise, Auckland! Die mit 1,4m Einwohnern größte Stadt des Landes gehört aus gutem Grund zu den lebenswertesten Städten der Welt. Sie ist auch als "Stadt der Segel" bekannt, da sich in ihrem Hafen mehr Segelboote pro Einwohner befinden als anderswo auf der Welt. Aber auch sonst kann sich die Metropole sehen lassen! Das Zentrum rings um die geschäftige Einkaufsstraße Queen St. ist fußläufig zu erkunden und von unzähligen, attraktiven Geschäften und Bars geprägt. Mit minimalem Jetlag begaben wir uns in Richtung Hafen, wo wir uns dem Bann des "Pride & Joy" nicht entziehen konnten. Dieses Café warb (womöglich zurecht) mit der besten Eiscreme der Welt - zumindest wenn man "Tony's friend Guy" Glauben schenken mag:) Frisch gestärkt drehten wir eine große Runde um den Hafen, schossen am Viaduct Basin ein paar Fotos von der Skyline mit ihrem beeindruckenden Skytower, und genossen bei herrlichem Sonnenschein ein kühles einheimisches Bier in dem von industriellem Charme geprägten Wynyard Quarter. Hier zogen sowohl Stephan als auch ich uns auch gleich einen ziemlich penetranten Sonnenbrand zu. Aber das war es wert! 

Den restlichen Tag verbrachten wir in dem per Fähre gut zu erreichenden Devonport auf der anderen Seite des Hafens. Von der Spitze des Victoria Hill bietet sich dem geneigten Besucher ein exzellenter Ausblick auf die Skyline. Überdies sollte man hier einen Stopp im Manuka Café einlegen, um sich einen "Flat White" Kaffee zu gönnen. Ihr werdet es nicht bereuen:)

Traditioneller Haka im War Memorial Museum
Und was sollte man noch in Auckland sehen? Wir entschieden uns für einen Besuch in der Art Gallery, in der wir nicht nur unsere Wissenslücken über den wohl bekanntesten neuseeländischen Maler Charles Goldie schließen konnten, sondern auch den interessanten Anekdoten eines sehr unterhaltsamen Tour-Guides über die Anti-Atom-Bewegung und die Ursprünge der Maori lauschen durften. Apropos Maori, wer die Lebensweise und Kunst dieses indigenen Volkes und seiner polynesischen Vorfahren interessiert, sollte einen Blick in das Auckland War Memorial Museum werfen. Hier findet in regelmäßigen Abständen eine kurzweilige Maori-Performance mit traditionellen Gesängen und Tänzen statt, unter anderem dem Haka. 

Mittelerde lässt grüßen 

Farm in der Nähe von Thames
Nach einem abschließenden Tapas-Abend in der Mezze-Bar verließen wir Auckland mit unserem Mietwagen in Richtung Süden. Die anfänglichen Orientierungsprobleme aufgrund des Linksverkehrs waren schnell überwunden; lediglich beim Abbiegevorgang kam es hin und wieder noch vor, dass anstelle des Blinkers unverhofft der Scheibenwischer seinen Dienst aufnahm;) Das sollte uns jedoch nicht daran hindern, unsere Erkundungstour der Nordinsel zu beginnen! Wir fuhren zunächst entlang der Küste, immer mit Blick auf die Bergketten der Coromandel Halbinsel auf der anderen Seite der Bucht. Mit zunehmender Strecke offenbarte sich vor unseren Augen eine aberwitzig schöne Szenerie aus sattgrünen Hügeln mit vereinzelten, massiven Bäumen und an den Hängen grasenden Schafen. 
Hobbiton Movie-Set in Matamata
Diese traumhafte Landschaft diente Peter Jackson als Kulisse für seine epochale Herr der Ringe Trilogie, genauer gesagt für das Shire/Auenland. Da konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, das noch heute bestehende Filmset von "Hobbiton" in Matamata zu besichtigen! Während einer zweistündigen Tour lassen sich hier die liebevoll in die Hügellandschaft integrierten Hobbithöhlen und die dazugehörigen Gärten bewundern. Die Ticketpreise sind gesalzen, doch zumindest Fans der Filmreihe werden den Besuch nicht bereuen. Neben interessanten Anekdoten zum Film (z.B. dass der Baum über Bilbos Behausung 100% Fake ist und aus ca. 300000 aus Taiwan importierten Plastikblättern besteht) gibt es am Ende der Tour auch noch ein Kaltgetränk im Lokal Green Dragon serviert.

"Original" Hobbithöhle
Ein Motel in der Universitätsstadt Hamilton diente uns an diesem Abend als Unterkunft.  Leider ist die Stadt als solche touristisch eher uninteressant. Einziges Highlight hier blieb daher das Ausschwimmen in unserem leicht unterdimensionierten Pool...

Die Glühwürmchen von Waitomo

Der nächste Tag führte uns zu den landesweit bekannten Grotten von Waitomo, keine Stunde westlich von Hamilton. Hier hatten wir Tickets für eine dreistündige "Black Labyrinth" Tour gebucht: Nachdem man uns in ziemlich kalte Neoprenanzüge gequetscht hatte, fuhren uns unsere Guides Beth und Kate zum "Aufwärmen" an einen kleinen Bach, in den sich jeder in der Gruppe mit luftgefülltem Reifen unter dem Hintern rücklings hineinfallen lassen sollte. Aus irgendeinem Grund wurde ich als Versuchskaninchen ausgewählt. Somit durfte ich als erster erfahren, was uns an diesem Morgen erwartete: eiskaltes Wasser! Anschließend stiegen wir gemeinsam hinab ins Ungewisse...

Ausstieg aus der Ruakuri Cave
Die Tour startete relativ simpel: Mit geducktem Kopf folgten wir einem kleinen Wasserlauf, der sich seinen Weg durch das Gestein gebahnt hatte. Unsere Stirnlampen erhellten die unmittelbar vor uns von der Höhlendecke hängenden Stalaktiten, ansonsten blieb es ringsherum dunkel. In der Zwischenzeit hatte der Wasserstand Brusthöhe erreicht und wir mussten uns - jeder auf seinem Reifen sitzend - rückwärts an der wenige Zentimeter entfernten Decke entlang hangeln. Als schließlich alle wieder festen Boden unter den Füßen hatten und die Stirnlampen ausgemacht waren, kamen über unseren Köpfen Tausende Glühwürmchen zum Vorschein - ein Anblick ähnlich dem nächtlichen Sternenhimmel! Gleich im Anschluss sprangen wir - wie zu Beginn geübt - rücklings in eine tiefschwarze, mit Wasser gefüllte Höhle. Insgesamt war die Tour ein echtes Highlight unserer Reise; leider durften wir selbst keine Bilder machen - wäre aber vermutlich auch nichts brauchbares bei rausgekommen...

Rotorua & Wai-o-Tapu

Der Geruch fauler Eier kann einem sicherlich überall begegnen. Rings um Rotorua nimmt dieses Phänomen jedoch besondere Auswüchse an, denn hier ist die geothermale Aktivität besonders stark. Es gibt diverse heiße Quellen und brodelnde Schlammtöpfe; und überall steigen Schwefelschwaden in den Himmel.

Jubilee Track in Rotorua
Wir folgten der Empfehlung der Hotelrezeption (der hervorragenden Accolade Lodge!) und aßen im Fat Dog Café & Bar zu Abend, bevor wir uns schließlich im Brew Craft Beer Pub zum Genuss verschiedener Bierspezialitäten niederließen. Solltet ihr je in Rotorua bzw. dieser Lokalität Halt machen, probiert unbedingt das vier Sorten umfassende "Tasting Rack" :)
Rotorua bietet eine Bandbreite verschiedener Aktivitäten: Wir entschieden uns für einen kurzen Morgenspaziergang, der uns durch einen atemberaubenden Urwald bis auf die Spitze des Mt. Ngongotaha führte. Anschließend stürzten wir uns auf der gegenüberliegenden Seite des Berges in kleinen, von der Schwerkraft betriebenen "Go-Carts" die Sommerrodelbahn herunter.

Bei herrlichem Sonnenschein zog es uns schließlich in das "thermische Wunderland" von Wai-o-Tapu, wo sich farbenfrohe, brodelnde Seen, Krater, Geysire und Terrassen aus Mineralien aneinander reihen. Insbesondere der riesige, ocker-farbene "Champagner Pool" ist eine Augenweide! Aber seht selbst:

Champagner Pool in Wai-o-Tapu

Zurück in Rotorua ließen wir den Abend entspannt in den heißen Pools des Polynesian Spa ausklingen. Auch das kann ich nur empfehlen, vorausgesetzt es befinden sich keine chinesischen Tourgruppen vor Ort, die sich durchgängig in maximaler Lautstärke unterhalten. 

Sledging im Kaituna
Nach dem Check-out am nächsten Morgen wurden wir von einem kleinen, etwas in die Jahre gekommenen Bus abgeholt, der uns zur Basisstation von Kaitiaki Adventures östlich des Lake Rotorua chauffierte. Hier erwartete uns ein Spektakel der besonderen Art: Sledging! Mit Neoprenanzügen, Helmen und Schwimmflossen ausgestattet fuhren wir zum Fluss Kaituna, wo wir nach einigen Instruktionen und Trockenübungen eine Art Schlitten aus Plastik in die Hand bekamen. Mit diesem stürzten wir uns - immer begleitet von einem unserer vier Guides - ins kühle Nass. Die Steuerungsmechanismen waren schnell erlernt, sodass das Hinuntergleiten von Stromschnellen und Reiten von Wellen einfach nur mega viel Spaß machten! Dazu schlängelt sich der Kaituna durch ein wunderschönes Fleckchen Erde, das Ganze ist also auch optisch ein Augenschmaus. Eins mit Sternchen! 

Im Hexenkessel von Taupo

Gut gelaunt (und etwas ausgelaugt) setzten wir unsere Reise nach Süden fort, genauer gesagt an den Lake Taupo. Der See ist mit fast 200km Umfang übrigens nicht nur der größte Neuseelands, es handelt sich tatsächlich um einen Vulkankrater, der bei einer riesigen Eruption vor etwa 26000 Jahren entstand! Etwas beängstigend...Nun ja, die Stadt Taupo ist trotzdem ein recht lebhafter Ort, was vermutlich an den vielen Backpackern liegt. Insbesondere deutsche Work & Traveller scheinen sich hier wohlzufühlen. In unserer Unterkunft, der Haka Lodge, kamen wir gleich mit vier davon ins Gespräch: Gemeinsam mit Deria, Sophia, Fred und Jerrick verbrachten wir den Abend bei gepflegter Live-Musik in Finn MacCuhal's Irish Pub. Das war zwar ein Riesenspaß, trotzdem glaube ich, dass Stephan den Abend rückwirkend ein wenig bereut hat. Er hatte nämlich für den nächsten Tag einen Fallschirmsprung geplant...

Stephan und sein Tandem-Partner
Hierfür wurden wir standesgemäß von einer gelben Stretchlimo abgeholt, die Stephan zum Absprungort bringen sollte. Deria und Sophia begleiteten uns zur moralischen Unterstützung. Der Sprung aus 12000 Fuß Höhe war zumindest vom Boden aus nicht zu sehen, aber Stephan scheint seinen Spaß gehabt zu haben:) Um diesen Erfolg auch gebührend zu feiern, organisierten wir ein leckeres Barbecue und gönnten uns abschließend noch ein ausgiebiges Bad im Hot Pool. Sehr entspannt!

Alpine Crossing im Tongariro National Park

Der Aufstieg
Der absolute Höhepunkt unserer Tour über die Nordinsel folgte jedoch erst am nächsten Tag: Um 5 Uhr klingelte der Wecker, 30 Minuten später standen wir abholbereit am Straßenrand. Ein Bus transportierte uns und mehrere Dutzend andere Wanderer nach Mangatepopo, von wo aus wir bei kühlen Temperaturen und tief hängenden Wolken die 19,4 Kilometer lange Tour durch die unwirkliche Vulkanlandschaft des Tongariro National Park begannen.
Die Route entlang der drei Vulkane Ngauruhoe, Tongariro und Ruapehu gilt als anspruchsvoll, gleichzeitig wird sie von vielen als schönste 1-Tagestour Neuseelands bzw. als eine der besten weltweit bezeichnet. All das kann ich nur bestätigen! Filmfans werden in Mt. Ngauruhoe, dessen perfekter roter Kegel sich im Zentrum des Parks erhebt, sicher als "Schicksalsberg" aus den Herr der Ringe Filmen wieder erkennen. Und auch wenn der Berg aktuell kein Feuer speit, so nötigt einem die schroffe, von Lavafeldern geprägte Landschaft doch großen Respekt ab.

Blick auf den Ngauruhoe (Schicksalsberg)
Der erste steile Aufstieg (genannt "Devil's Staircase") ging zumindest mir ordentlich in die Beine. Stephan hatte jedoch noch nicht genug und entschied sich für die Besteigung des Ngauruhoe, die zusätzliche drei Stunden dauern sollte und wohl auch nicht ganz ungefährlich ist. Ich nahm also den zweiten Anstieg zum Red Crater allein in Angriff: Der Wind hatte deutlich aufgefrischt und die Temperatur lag zwischenzeitlich im  Minusbereich, zumindest hatten sich an den wenigen Gräsern Eiskristalle gebildet. Gute Ausrüstung, insbesondere gute Schuhe, sind hier ein Muss! Erst auf der anderen Seite des Bergkamms wurde es wieder angenehmer: Der dichte Nebel verzog sich und machte den Blick frei auf die türkisfarbenen Emerald Lakes. Ein traumhafter Anblick, der für alle Strapazen entschädigt!

Emerald Lakes im zentralen Krater
Die verbleibenden 10km der Strecke sind dann nicht mehr besonders anstrengend, sodass ich mir viel Zeit zum Fotografieren ließ, eine großzügige Mittagspause einlegte und problemlos den ersten Bus zurück nach Taupo erwischte. Stephan kam etwa 2 Stunden später zurück - deutlich gezeichnet von der Torturen des Schicksalsbergs. Ich glaube wir beide werden noch lange von dieser großartigen Erfahrung erzählen...

Blick auf den Nationalpark auf dem Weg nach unten

Wellington: Abschied von der Nordinsel

Einkaufsstr. in Whanganui
Noch am gleichen Abend fuhren wir weiter nach Whanganui an der Südwestküste. Die wenigen Tankstellen in der Gegend hatten ob der späten Stunde bereits geschlossen, sodass wir gezwungen waren, auf einen größeren Highway auszuweichen. Schlussendlich erreichten wir dann aber doch noch unsere Unterkunft, von wo aus wir am nächsten Morgen zu unserer letzten Station auf der Nordinsel aufbrachen: Wellington. 

Strand am Rande von Wellington
Das Städtchen Paekakariki 30 Autominuten vor Neuseelands Hauptstadt diente uns als Raststätte, doch der ursprünglich anvisierte Strand lud nicht unbedingt zum Verweilen ein. Daher entschieden wir uns nach dem Lunch für die Weiterfahrt und für eine 30km  lange Rundtour entlang der Küstenstraße südlich von Wellington. In einer geschützten Bucht fand sich hier tatsächlich ein kleiner Strand, wo wir uns ein wenig von unserer Wanderung erholen konnten.

In Wellington selbst besichtigten wir dank Dauerregen eigentlich nur das nationale Museum Te Papa Tongarewa, wo es Ausstellungen über den neuseeländischen Einsatz im ersten Weltkrieg, die Besiedlung des Landes durch Maori und die Europäer, sowie zu den Themen Natur und Vulkanismus zu sehen gab. Sehr interessant und für alle Altersgruppen geeignet!

Fährüberfahrt von Wellington nach Picton
Den Abschluss dieses ersten Abschnitts unserer Reise bildete der Besuch eines Pubs in der Nähe unserer Unterkunft. Hier luden uns vier einheimische Ladies mittleren Alters an ihren Tisch. Neben gutem IPA Bier erhielten wir so auch noch einige wertvolle Tipps für die Südinsel. Ein unglaublich sympathisches Volk, diese Kiwis:)

Heute setzen wir mit der Autofähre auf die Südinsel über, genauer gesagt nach Picton. Also, es bleibt spannend! Euch wünsche ich eine frohe Weihnachtszeit und einen guten Rutsch!!

2015-08-09

Abenteuerspielplatz Skandinavien - Von Stockholm nach Kopenhagen

Willkommen im Land der Elche!
"Mittsommer - Da wird die Nacht zum Tag!", sagte man mir. Von wegen! Als mein Flieger an diesem Abend am Flughafen Arlanda in Stockholm landete, war es bereits zappenduster! Irgendwie hatte ich mir das mit der Sommersonnenwende anders vorgestellt... Zugegeben, es war bereits 23 Uhr und für DAS Highlight im schwedischen Kalender war ich einige Wochen zu spät dran. Trotzdem sollte sich über 1.000km nördlich von Frankfurt doch ein Unterschied am Firmament feststellen lassen, oder? Doch keine Panik! Der Pilot hatte sich nicht etwa verflogen; es lag lediglich eine riesige Gewitterzelle über dem Ballungszentrum von Stockholm. Während sich in der Ferne bereit zahlreiche Blitze ihren Weg Richtung Erde bahnten, wurde ich am Ausgang des Terminals bereits von ersten Regentropfen empfangen. Toll, dachte ich. So stellt man sich den Beginn seines Sommerurlaubs vor...

Zum Glück wurde ich bereits von meinem Gastgeber Jannick erwartet. Er sollte zumindest einigen von Euch noch aus meinen USA-Berichten bekannt sein. Mittlerweile arbeitet er für die Kranich-Fluglinie in Stockholm und hat sich mit seiner Freundin Emma eine Wohnung am Rande von Schwedens Hauptstadt gekauft. Wie die Zeit vergeht - plötzlich sind alle erwachsen und seriös! Aber egal wie viele Jahre ins Land ziehen, auf gute Freunde kann man sich eben verlassen! Und das gilt natürlich nicht nur für den Flughafentransfer oder die dreitägige Logis. Nein, Jannick hatte sich auch extra ein paar Tage frei genommen, um mir sein neues Land zu zeigen - zu Wasser, an Land und aus der Luft. Jannick, tack för det!


Schwanensee. Lötsjön, Stockholm
Der Morgen begann zumindest für Emma und Jannick früh, schließlich war es Freitag und beide mussten arbeiten. Ich genoss in der Zwischenzeit meinen ersten Urlaubstag seit Monaten, und schlenderte - gut eingepackt in eine in weiser Voraussicht am Vortag erworbene Regenjacke - durch das Viertel Sundbyberg. Die Gegend ist keine touristische Offenbarung, aber es gibt eine nette Einkaufsstraße und etwas nördlich findet sich ein großer Park mit mehreren Seen, an denen es sich prima entspannen und fotografieren lässt. Immerhin hatte ich mich vor wenigen Wochen selbst mit einer neuen Kamera inklusive Stativ und Tasche beschenkt und wollte dieses Equipment natürlich nicht ungenutzt im Schrank liegen lassen (für alle Interessierten: das Modell heißt Olympus OM-D E-M5).

Segeln im Schärengarten 

Skipper Jannick
Wie der Titel des Eintrags suggeriert, habe ich nicht 9 Tage auf der faulen Haut gelegen: Da man in Schweden gefühlt nie weiter als einige Gehminuten vom nächsten Gewässer entfernt ist, sollte man sich als Besucher auf jeden Fall von diesem reichhaltigen Angebot inspirieren lassen. Ich für meinen Teil musste mich nicht zweimal bitten lassen, als Jannick mit der Idee eines ein- bis zweitägigen Segeltörns auf mich zu kam. Einer seiner Kollegen besitzt eine feine 7m Yacht, die auf den klangvollen Namen Karin-Elisabeth hört und nur darauf wartete, mit uns in See zu stechen. Der Plan war, einen Nachmittag durch die als Schären bezeichneten Felsinseln vor den Toren Stockholms zu segeln, in einer windstillen Bucht vor Anker zu gehen, das eigens vorher erworbene Grillgut zu verspeisen, und am nächsten Morgen wieder zurückzukehren. Und für diesen Spaß braucht man in Schweden nicht mal einen Segelschein, zumindest solange das Boot nicht länger als 12m ist. Man muss es ja auch nicht übertreiben...

Ganz großer Segelspaß im Schärengarten
Jannick das alte Nordlicht hat das Segeln zum Glück im Blut, sodass wir nicht völlig hilflos in die Ostsee hinaustrieben. Mit wenigen Handgriffen waren die Segel gesetzt, das Bier kaltgestellt und die Schlafsäcke verstaut. Und wenn man weiß, wie man das Boot in den Wind drehen muss bzw. wann man die Segel besser straffen sollte, ist das Ganze eigentlich ziemlich leicht. 

Nach 2,5 Stunden auf Deck machte sich bei uns beiden ein leichtes Hungergefühl bemerkbar. Doch weder die Grillwürstchen noch die sehnlichst erwarteten Kanelbullar (schwedische Zimtschnecken) waren irgendwo an Bord auffindbar. Diese lagen, man ahnt es schon, nach wie vor im Auto. Wenigstens das Bier hatten wir nicht vergessen. Trotzdem blieb uns nichts weiter übrig: zurück auf LOS! Der Rückweg war dank mäßigem Wind allerdings etwas mühselig, sodass wir nicht nur einige Haken schlagen mussten, sondern fast in der Fahrrinne eine Autofähre zum Stillstand kamen. Aber mit solchen Widrigkeiten gehen zwei erfahrene Seemänner wie wir natürlich absolut souverän um;) 

Zurück am Ausgangspunkt hatte sich schließlich auch der letzte Rest Wind "in Luft aufgelöst". Kurzerhand entschlossen wir uns also, nicht erneut in See zu stechen, sondern zusammen mit dem Besitzer des Boots Dennis das wohlverdiente Abendessen vorzubereiten. Und zugegebenermaßen war das mit dessen Gasgrill auch deutlich komfortabler! Und während Dennis versuchte, sich per Angel einen Nachtisch zu fangen, fing ich den herrlichen Sonnenuntergang fotografisch ein. SO sieht Urlaub aus:


Einige weitere schöne Bilder dieses Abends finden sich übrigens auf Flickr.

Über den Wolken

Nach einer etwas schaukligen Nacht auf der vor Anker liegenden Karin-Elisabeth machten sich Jannick und ich uns wieder auf den Rückweg nach Stockholm. An diesem Tag stand ein Ausflug nach Västerås auf dem Programm (spricht man ähnlich aus wie das Königreich in Game of Thrones). Hier befindet sich der Flugklub des Freizeitpiloten Jannick, der nach unserer ersten gemeinsamen Flugeinheit nahe Frankfurt vor gut einem Jahr nun auch regelmäßig am Himmel über Schweden zu finden ist. Nach einer kurzen Einweisung in die Cessna und den nötigen Checks ging es auch schon los. Dummerweise sind Kleinflugzeuge deutlich wackliger als ein Linienjet (bei dem ich das ein oder andere Luftloch meist sogar recht unterhaltsam finde). Und so trug der böige Wind dazu bei, dass ich trotz des grandiosen Blicks über die schwedischen Seen und Wälder ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengegend verspürte.

Dieses Gefühl legte sich erst etwa 40 Minuten nach dem Start, als wir wieder sicher auf der Landebahn in Västerås aufsetzten. Trotzdem, so einen Flug kann man nur empfehlen (zumal bei schönem Wetter)! Schließlich erlaubt er einen völlig anderen Blick auf dieses Land, welches enormen Wert auf den Erhalt seiner Umwelt legt und dank seiner geringen Bevölkerungsdichte noch viele unberührte Landstriche zu bieten hat. Toll!


Entrecote in Gamla Stan

Shopping Straße in Gamla Stan, Stockholm
Ein Besuch in Stockholm ist nicht vollständig, wenn man nicht auch die historische Altstadt Gamla Stan besichtigt hat. Hier befindet sich der königliche Palast (Kunglia Slottet), das Parlament und unzählige prunkvolle Gebäude aus den glanzvollen Zeiten der schwedischen Monarchie. Übrigens, im ganzen Land lassen sich noch Schlösser und Verteidigungsanlagen besichtigen, die von der militärischen Dominanz des Landes im 17. und 18. Jahrhundert zeugen. Heute schätzt man als Tourist vor allem das Flair der Altstadt und die belebten Straßenzüge, die von vielen kleinen Cafés und Shops gesäumt sind. Nachts wird daraus ein gleißendes Lichtermeer, in dem Musiker und Straßenkünstler zu unterhalten wissen.

Meine Gastgeber Jannick und Emma nach
einem hervorragenden Abendessen
Die fortgeschrittene Uhrzeit und der Hunger hielten Emma, Jannick und mich davon ab, die touristischen Highlights im Detail in Augenschein zu nehmen. Stattdessen bahnten wir uns unseren Weg durch die Gassen auf der Suche nach einem Restaurant. Im Sally's wurden wir fündig. Emma entschied sich für einen Topf Miesmuscheln, während Jannick und ich uns Rentiersteak bzw. Entrecote gönnten. Sicher, das ist kein günstiges Vergnügen in einer der teuersten Städte Europas, aber es war köstlich! Obendrein haben wir uns hervorragend mit einem der italienischen Kellner des Ladens unterhalten (auf Deutsch!), der eine Zeit lang in Stuttgart gearbeitet hatte. Die Welt ist klein.

In der Zwischenzeit war es merklich dunkler geworden, sodass wir nach einem kurzen Rundgang durch die Innenstadt ein nettes Irish Pub im Süden Stockholms (Södermalm) aufsuchten, wo wir meinen letzten Abend in der schwedischen Hauptstadt gemütlich bei osteuropäischem Bier ausklingen ließen. 

Vasa Museum & Aufbruch nach Trosa

Vasa - Galeone von 1628
So ganz ohne einen Besuch eines der kulturellen Highlights dieser Stadt wollte ich meine Reise dann aber doch nicht fortsetzen. Deshalb nutzten wir den etwas wechselhaften Sonntagvormittag für einen Besuch im Vasa-Museum. Hier befindet sich das sehr gut erhaltene Kriegsschiff Vasa, das als Stolz der schwedisch-königlichen Marine bereits auf seiner Jungfernfahrt im frühen 17. Jahrhundert kenterte und erst in den 60er Jahren wieder geborgen wurde. Die Ausmaße des prächtig dekorierten Schiff sind enorm, und die vielen Details (über 700 Statuen!) lassen dieses Kriegsgerät zu einem wahren Kunstwerk werden. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass dieses Werk ohne den Konstruktionsfehler, der zum Untergang dieses Schiffes geführt hat, wahrscheinlich irgendwann zerstört worden und somit für die Nachwelt verloren gegangen wäre.


Trosa
Nachdem wir Emma bei ihrer Schwester abgesetzt hatten, machten Jannick und ich uns samt Camping-Ausrüstung und Proviant auf den Weg nach Süden. Das idyllische Küstenstädtchen Trosa mit dem treffenden Beinamen "Ende der Welt" war unser erstes Ziel. Der Kanal, der sich durch diesen Ort schlängelt, ist von den typischen schwedischen Holzhäusern gesäumt. Am Hafen liegen - wie eigentlich überall in Schweden - Segelboote an Ufern und Stegen. Nach einem kurzen Rundgang, leckerem Eis und einer kurzen Pause am Pier fuhren wir aber doch relativ zügig weiter zum eigentlichen Ziel unserer Reise...

Camping am Vätternsee und Wandern im Tiveden Nationalpark


An den kommenden beiden Tagen wollten wir den Vätternsee und die umliegenden Orte erkunden. Ich gebe zu, ein großer Fan von Camping bin ich eigentlich nicht. Für ein paar Nächte übersteht aber auch mein Rücken derartige Strapazen. Und sind wir doch mal ehrlich: Nichts geht über ein leckeres Steak, ein kühles Bier und gute Gesellschaft mit Seeblick!

Feierabendbier am Vätternsee
Doch bevor sich dieser Traum erfüllen konnte, mussten wir zunächst einen Platz für unser Zelt finden, an dem wir möglichst nicht von hunderten Campern umgeben waren, deren kreischende Kinder uns morgens aus dem Schlaf holen. In so einer Situation ist guter Rat teuer - oder man nutzt Google Earth. Nach einem Fehlversuch, der uns zu einem netten (Hunde-)Strand mit explizitem Camping-Verbot führte, wurden wir in der Nähe der Stadt Vadstena fündig. Über einen holprigen Schleichweg mit 40cm hohem Gras und unter dem Eindruck, nach einem möglichen Niederschlag nie wieder umkehren zu können, gelangten wir nach einigen hundert Metern an einen aufgeschütteten Steg. Zu unserer Überraschung gab es sogar eine Bank mit einem 180° Blick über den Vätternsee! Zugegeben, unser Zeltplatz war hart wie Beton und das Auto mussten wir wegen des Geländes in einiger Entfernung stehen lassen. Aber wer will sich beklagen:) 

Deutsches Boot im Göta Kanal
Der harte Untergrund und das andauernde Surren der Insekten rings um das Zelt ließen zumindest mich mit einem leichten Schlafmangel in den nächsten Tag starten. Mit einem belegten Baguette und einem (kostenlosen!) Kaffee im Magen konnten wir uns aber dann doch auf die nächste Etappe fokussieren. Der Ort Vadstena mit seinem Kloster aus dem 16. Jahrhundert, einem charmanten alten Bahnhof und einer hübschen Fußgängerstraße mit mittelalterlichen Gebäuden waren ein willkommener Start! Anschließend begaben wir uns nach Motala, wo der berühmte Göta Kanal in den Vätternsee mündet. Dieser Kanal durchläuft Schweden einmal von Ost nach West. Er war nach seiner Fertigstellung 1832 einer der wichtigsten Transportwege für Eisen und Holz. Heute wird er von Ausflugsschiffen und natürlich privaten Segel- bzw. Motorbooten genutzt, die die 192km Länge, 58 Schleusen und insgesamt 92 Höhenmeter überwinden, um von der Ostsee zu Schwedens größtem See, dem Vänern, zu gelangen. Ein bautechnisches Meisterwerk! Wenn man nur ein Boot und etwas mehr Zeit hätte...

Der Reiseführer führte uns schlussendlich auf die andere Seite des Sees, in den Nationalpark Tiveden. Mit Wanderschuhen an den Füßen und dem Fotorucksack auf dem Rücken begaben wir uns auf eine etwa dreistündige Wanderung. Es war der mit Abstand beste Teil dieser Reise! Der Nationalpark wartet mit verschieden langen Routen über bizarre Felsformationen auf. Aus jeder noch so kleinen Ritze sprießt entweder Gras oder wachsen ganze Bäume. Und hinter jeder Biegung erwarten einen Seen, kleine Bäche oder satte Vegetation. Unglaublich!


Empfehlung: Wandern im Tiveden Nationalpark
Im weiteren Verlauf des Nachmittags fuhren wir noch nach Karlsborg, um unsere Vorräte mit neuem Grillfleisch, Kartoffelsalat und etwas Bier aufzufüllen. Erneut machten wir uns per Smartphone auf die Suche nach einem - diesmal hoffentlich etwas komfortableren - Zeltplatz. Und das Glück war auf unserer Seite! Nahe der Stadt Olshammar entdeckten wir eine Lichtung mit einer Feuerstelle direkt am See, die durch einen leichten Abhang windgeschützt war. Und dichtes Gras bot die perfekte Unterlage für unser Zelt. Wahnsinn!

Grillen am Vättern
(K)ein Badevergnügen
Nach dem Aufbau des Zeltes und dem Genuss dreier saftiger Steaks spielten wir eine Weile Frisbee (die Scheibe hatten wir intelligenterweise bereits in Stockholm gekauft) und wagten schließlich den Sprung in die Fluten! Dabei war nicht etwa die Wassertemperatur das größte Problem! Auf dem Grund des (äußerst flachen) Sees reihten sich aalglatte Steine aneinander, auf denen man sich kaum einen Millimeter bewegen konnte, ohne sofort auszurutschen. Es blieb also bei einem kurzen Ausflug. Nichtsdestoweniger war es der Abschluss eines grandiosen Tages, der gleichzeitig das Ende unserer gemeinsamen Reise markieren sollte. Denn am nächsten Morgen machte sich Jannick wieder auf den Rückweg nach Stockholm, während ich meine Reise in Richtung Göteborg fortsetzte!


Göteborg

Hafen von Göteborg vom Maritiman Museum
Etwa drei Stunden war ich nach Göteborg unterwegs, inklusive Schienenersatzverkehr. Meine Unterkunft, ein Zimmer im Hotel Lorensberg, hatte ich tags zuvor per Smartphone gebucht. Etwas erschöpft checkte ich ein, erkundete nur ein wenig die unmittelbare Umgebung und ließ den Abend ansonsten eher ruhig ausklingen. 

Nach einem leckeren Frühstücksbuffet am nächsten Morgen zog es mich in die Innenstadt. Göteborg ist die zweitgrößte Stadt Schwedens und hat einiges zu bieten! Von holländischen Siedlern gegründet, ist die Hafenstadt bis heute äußerst lebhaft und von Immigration geprägt. Nach einem langen Spaziergang durch einen der größten Parks im Zentrum (trägt den unaussprechlichen Namen Trädgårdsföreningen) besuchte ich das Maritiman Museum im Hafenareal. Hier liegen aktuell 13 historische Schiffe vor Anker, darunter der beeindruckende Zerstörer Småland aus den 60er Jahren. Alle Schiffe lassen sich ausgiebig erkunden, und für den kleinen Hunger gibt es ein durchaus annehmbares Restaurant mit maritimer Atmosphäre. 

Kleiner Shop im Viertel Haga
Was sollte man außerdem gesehen haben? Da wäre zum einen die Kungsportsavenyn, eine Boulevardstraße mit schicken Villen aus den 19. Jahrhundert, einem prachtvollen Theater und einer Oper. Nachts wird die Straße zum Szeneviertel der Stadt, wo Bars zu teilweise unerhört hohen Preisen Alkohol ausschenken und das gemeine Partyvolk nach hippen Clubs Ausschau hält. Etwas weiter abseits im westlichen Teil der Stadt herrscht weniger Trubel. Hier im historischen Arbeiterviertel Haga sieht man Göteborg, wie es früher einmal ausgesehen haben soll - mit verwinkelten Straßen, hölzernen Fassaden und kleinen Shops, in denen u.a. Handwerker ihre Waren an den Mann oder die Frau bringen. Meine Tour endete in der Nähe meines Hotels, auf dem zentralen Götaplatsen mit der berühmten, 7 Meter hohen Poseidonstatue des Künstlers Carl Milles. Auf dem Platz befinden sich zudem das Kunstmuseum und die Konzerthalle. Wer also etwas Zeit mitbringt, dem hat Göteborg auch kulturell einiges zu bieten!



Abschluss meiner Reise in Kopenhagen

Von Göteborg fahren täglich mehrere Schnellzüge nach Kopenhagen. Hier sollte meine Skandinavienreise ihr Ende finden. Und ich war froh, dass ich mich zu einem Besuch der dänischen Hauptstadt entschlossen hatte! Schlicht zusammengefasst: Diese Stadt ist wunderschön! Und 2 Tage Aufenthalt (wie in meinem Fall) reichen bei Weitem nicht aus, die vielen sehenswerten Orte zu erkunden und das Angebot der Metropole vollends wahrzunehmen. 

Besonders für Studenten hat das Leben hier einiges zu bieten: Wie meine Unistadt Tübingen hat Kopenhagen einen jugendlichen Charme: In der Innenstadt reihen sich Bars in hübschen kleinen Gassen aneinander; es gibt viele Parks, Märkte und ein enormes kulturelles Angebot. Das Aushängeschild ist sicherlich Nyhavn, die Uferpromenade mit ihren farbenfrohen Giebelhäusern aus dem 18. Jahrhundert, in denen sich heute Kneipen und Tanzlokale befinden. Ich verbrachte fast einen ganzen Abend hier, um ein paar gute Fotos von diesem Ort festzuhalten:


Ein winziger Minuspunkt gegenüber Schweden ist sicherlich die Tatsache, dass man nicht überall mit der Kreditkarte zahlen kann. So hatte ich zwischen Stockholm und Malmö nicht eine einzige Rechnung bar beglichen, während in Kopenhagen viele Händler wirklich nur Cash akzeptieren. Aber das ist man als Deutscher ja gewohnt...

Blick von Christiansborg
Am folgenden Tag mietete ich per App ein Fahrrad, welches man überall in der Stadt abholen und wieder abstellen kann. Die Fahrt führte vorbei an Christiansborg, einem Palast, der sowohl das Parlament, als auch den Sitz des Ministerpräsidenten und des Obersten Gerichts beherbergt. Zudem hat man von der Spitze des Turms einen herrlichen Blick über ganz Kopenhagen (siehe Bild links). Die Tour führte weiter nach Norden, wo sich die vielleicht berühmteste Sehenswürdigkeit des Landes aus den Fluten erhebt: Die kleine Meerjungfrau (Den lille Havfrue). Wobei ich sagen muss, dass mir der Grund der Verehrung noch nicht 100%ig einleuchtet...Zumindest den Hundertschaften Chinesen vor Ort scheinen begeistert gewesen zu sein;) 


Figuren von 2 Kindern hinter einem Zaun.
Der Ball rollt. Bizarr.
Auf dem Rückweg besuchte ich das Kastell von Kopenhagen, eine Festung in der Form eines Fünfecks, umgeben von einem Wassergraben. Auf der Flucht vor einem kurzen Schauer fand ich mich anschließend in einer der mit Abstand eigenartigsten Kunstausstellungen wieder, die mir je untergekommen sind: Den Frie Udstillingsbygning ("Die freie Ausstellung"). Der Künstler Peter Land stellte hier ganze 5 Werke unter dem Titel Psykosomatisk aus. Alle 5 völlig absurd. Da half auch kein erklärender Prospekt.


Deutlich anspruchsvoller und auch ansprechender war da schon das Nationale Kunstmuseum, das u.a. Werke von Emile Nolde und Edward Munch ausstellt. Zudem gab es eine Sonderausstellung über die experimentelle Kunst der 60er und 70er. Auch etwas bizarr, aber in Summe lohnenswert. Nun ja, wegen des schlechten Wetters verbrachte ich die Hälfte meines letzten Tages in diesem Museum. Die zweite Hälfte führte mich zum Flughafen - und dank einer längeren Verspätung meines Fliegers kenne ich nun auch Terminal 3 wie meine Westentasche;)

Ich hatte eine Menge Spaß in Schweden und Dänemark. Ich hoffe, dieser Beitrag konnte das vermitteln. In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal. Dann aller Voraussicht nach aus Neuseeland!